Neue Studie: Cannabis-Wirkstoff THC stoppt traumatische Albträume

Dominik Hübenthal
Cannabis-Wirkstoff THC lindert Albträume bei PTBS | Studie

Für Menschen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, sind die Nächte oft eine Qual. Schwere, wiederkehrende Albträume lassen sie die traumatischen Erlebnisse immer wieder durchleben. Extremer Schlafmangel und die Angst vor dem Zubettgehen sind häufig die Folge. Nun gibt es einen neuen Hoffnungsschimmer: Der Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) kann Betroffenen offenbar zu einem ruhigeren und erholsameren Schlaf verhelfen.

Charité-Studie liefert vielversprechende Ergebnisse

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Stefan Röpke an der Berliner Charité hat die Wirkung von THC auf traumabedingte Albträume untersucht. Die Ergebnisse der randomisiert kontrollierten klinischen Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht wurden, sind beeindruckend. Laut der Charité – Universitätsmedizin Berlin erhielten 87 Patientinnen und Patienten über einen Zeitraum von zehn Wochen allabendlich THC-Tropfen (Dronabinol), deren Dosis schrittweise auf bis zu 15 Milligramm gesteigert wurde.

Über ein Drittel der Patienten komplett ohne Albträume

Die Auswertung der Daten zeigte einen deutlichen Behandlungserfolg:

  • Bei mehr als der Hälfte der Behandelten schlugen die THC-Tropfen spürbar an und reduzierten die Albträume signifikant.
  • Über ein Drittel der Probanden hatte während des Studienzeitraums sogar gar keine Albträume mehr.
  • Rund fünf von sechs Patienten in der Behandlungsgruppe gaben an, dass sich ihr allgemeiner Gesundheitszustand durch die Therapie subjektiv deutlich verbessert habe.

Warum herkömmliche Medikamente oft versagen

Bislang gibt es in Deutschland kein zugelassenes Präparat, das speziell zur Behandlung von traumabedingten Albträumen eingesetzt wird. Gängige Therapien stützen sich neben der traumafokussierten Psychotherapie meist auf Antidepressiva oder blutdrucksenkende Mittel, um die Stressreaktion des Körpers zu dämpfen. Diese Medikamente stoßen bei der Unterdrückung des nächtlichen Traumgeschehens jedoch oft an ihre Grenzen.

THC hingegen greift an einer völlig anderen Stelle an: Es bindet an die Rezeptoren des sogenannten Endocannabinoid-Systems im Gehirn. Forscher gehen davon aus, dass der Wirkstoff die Architektur des Schlafes so verändert, dass das intensive Träumen messbar abnimmt. Für PTBS-Patienten könnte diese Entdeckung einen Meilenstein bedeuten und den Weg für neue, gezielte Therapieoptionen in der Zukunft ebnen.

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