Neues Apotheken-Gesetz: Mehr Service, aber Streit ums Geld

Benedikt Hübenthal
Apothekenreformgesetz verabschiedet: Mehr Service, aber kein höheres Honorar

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer bedeutenden Veränderung. Mit der Verabschiedung des neuen Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes erhalten Apotheken künftig eine deutlich größere Rolle in der medizinischen Grundversorgung. Für Patienten bedeutet dies kürzere Wege und schnellere Hilfe. Doch während die Aufgaben der Apothekerinnen und Apotheker wachsen, bleibt eine entscheidende und existenzielle Frage ungeklärt: die angemessene Bezahlung.

Mehr Service direkt vor Ort: Das bringt das neue Gesetz

Die Reform zielt primär darauf ab, die oft überlasteten Hausarztpraxen zu entlasten und die Gesundheitsversorgung für die Bürger im Alltag zugänglicher zu machen. Künftig dürfen Apotheken ein weitaus breiteres Spektrum an Dienstleistungen anbieten. Für Patienten ergeben sich daraus handfeste Vorteile:

  • Erweiterte Impfangebote: Neben den bereits bekannten Grippe- und Corona-Impfungen sollen bald weitere Standardimpfungen direkt in der Apotheke um die Ecke möglich sein.
  • Diagnostische Tests: Einfache Schnelltests zur Früherkennung und Überwachung bestimmter Gesundheitswerte können unkompliziert und ohne langen Arzttermin durchgeführt werden.
  • Pharmazeutische Dienstleistungen: Eine intensivere Beratung bei komplexen Medikamentenplänen soll die Patientensicherheit erhöhen, gefährliche Wechselwirkungen vermeiden und die Therapietreue stärken.

Fehlende Honoraranpassung: Ein existenzielles Problem

Trotz der positiven Nachrichten für die Patientenversorgung schlagen Branchenvertreter Alarm. Laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) fehlt in dem nun verabschiedeten Gesetz ein entscheidender Baustein: die längst überfällige Honoraranpassung. Seit Jahren klagen viele Betriebe über massiv steigende Betriebs-, Personal- und Energiekosten bei gleichzeitig stagnierenden Einnahmen.

Die Folge dieser Entwicklung ist ein anhaltendes Apothekensterben, das gerade im ländlichen Raum die Versorgungssicherheit massiv gefährdet. Dass nun zusätzliche, zeitintensive Aufgaben ohne eine gleichzeitige, verbindliche Erhöhung der Grundvergütung beschlossen wurden, sorgt in der Branche für großen Unmut. Die Apothekerverbände fordern die Politik eindringlich auf, zeitnah nachzubessern, um die wirtschaftliche Grundlage der Apotheken nicht noch weiter auszuhöhlen.

Was bedeutet das für die Pflege?

Besonders für pflegebedürftige Menschen und ihre pflegenden Angehörigen sind gut erreichbare Apotheken mit einem verlässlichen Serviceangebot unerlässlich. Wenn Apotheken durch finanzielle Engpässe schließen müssen, verlängern sich die Wege für die Beschaffung lebenswichtiger Medikamente und Pflegehilfsmittel drastisch. Die aktuelle Reform ist daher ein zweischneidiges Schwert: Die neuen, wohnortnahen Dienstleistungen sind ein absoluter Segen für die häusliche Pflege. Doch ohne eine rasche finanzielle Stabilisierung der Apothekenlandschaft droht dieser enorme Vorteil ins Leere zu laufen, weil schlichtweg die Apotheken vor Ort fehlen könnten.

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