Notaufnahme-Trend: Warum Männer sofort in die Klinik fahren – und Frauen lieber abwarten
Plötzliche Bauchschmerzen am Wochenende, starker Schwindel mitten in der Nacht oder ein unklarer Hautausschlag am Feiertag – gesundheitliche Notfälle halten sich selten an die regulären Öffnungszeiten von Arztpraxen. Doch wie reagieren die Deutschen, wenn es plötzlich zwickt und schmerzt? Eine aktuelle repräsentative Umfrage offenbart dabei ein überraschend klares Bild: Männer und Frauen gehen mit medizinischen Akutsituationen völlig unterschiedlich um.
Der große Geschlechterunterschied im Notfall
Laut einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) hatten in den vergangenen drei Jahren 37 Prozent der Menschen in Deutschland plötzliche Gesundheitsbeschwerden außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten. Die erste Anlaufstelle für ein gutes Drittel dieser Patienten (34 Prozent) ist die Notaufnahme im Krankenhaus. Auffällig ist dabei der deutliche Geschlechterunterschied: Während 42 Prozent der Männer direkt die Notaufnahme aufsuchen, sind es bei den Frauen lediglich 28 Prozent.
Statt sofort ins Krankenhaus zu eilen, beweisen Frauen im Krankheitsfall oft mehr Geduld. 22 Prozent der weiblichen Befragten gaben an, bei plötzlichen Beschwerden zunächst abzuwarten, bis die reguläre Haus- oder Facharztpraxis wieder öffnet. Bei den Männern brachten nur 12 Prozent diese Geduld auf. Insgesamt wählten 18 Prozent aller Befragten den Weg des Abwartens.
Bereitschaftsdienst 116 117 wird kaum genutzt
Die Umfrageergebnisse werfen auch ein Schlaglicht auf ein strukturelles Problem im deutschen Gesundheitswesen. Obwohl der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Rufnummer 116 117 genau für solche Fälle außerhalb der Öffnungszeiten gedacht ist, wird er von der Bevölkerung nur zögerlich in Anspruch genommen:
- Nur 14 Prozent der Betroffenen ließen sich telefonisch unter der 116 117 beraten.
- Lediglich 10 Prozent suchten eine der vielen ärztlichen Bereitschaftspraxen auf.
- Gleichzeitig griff ein Fünftel (20 Prozent) bei plötzlichen Beschwerden direkt zum Hörer und rief über die 112 den Rettungsdienst.
Krankenkassen fordern eine schnelle Notfallreform
Dass viele Patienten direkt in die ohnehin überlasteten Notaufnahmen strömen oder den Notruf wählen, liegt laut Experten vor allem an der Unübersichtlichkeit des Systems. Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, betonte anlässlich der Umfrageergebnisse, dass das aktuelle Gesundheitssystem es den Menschen extrem schwer mache, die Dringlichkeit ihrer Beschwerden richtig einzuschätzen und die passende Anlaufstelle zu finden.
Große Hoffnung ruht nun auf der geplanten Notfallreform der Bundesregierung. Ein zentraler Baustein dieser Reform ist eine qualifizierte Ersteinschätzung. Hilfesuchende sollen künftig – beispielsweise über eine standardisierte telefonische Abfrage – auf Basis ihrer genauen Symptome direkt in die richtige und passgenaue Versorgungsebene gesteuert werden. Das soll nicht nur die Notaufnahmen der Kliniken massiv entlasten, sondern auch dafür sorgen, dass jeder Patient im Ernstfall schnell und zielgerichtet die medizinische Hilfe bekommt, die er wirklich benötigt.
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