Notfallmedizin schlägt Alarm: Warum Experten jetzt Vollblut-Transfusionen fordern

Djamal Sadaghiani
Krisenresilienz: DIVI fordert Vollblut-Transfusionen | PflegeHelfer24

Die globale Sicherheitslage und die zunehmende Gefahr von Naturkatastrophen stellen das deutsche Gesundheitswesen vor enorme Herausforderungen. Um im Ernstfall massenhaft Schwerverletzte versorgen zu können, schlägt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) nun Alarm: Die strengen deutschen Regeln für Blutspenden müssen dringend reformiert werden. Im Zentrum der Forderung steht die Rückkehr zum sogenannten Vollblut.

Warum das aktuelle System im Ernstfall an seine Grenzen stößt

Bislang ist das Vorgehen bei Blutspenden in Deutschland klar geregelt und hochkomplex: Das gespendete Blut wird in spezialisierten Laboren in seine Einzelbestandteile zerlegt – etwa in rote Blutkörperchen, Blutplättchen und Blutplasma. Diese sogenannte Komponententherapie hat sich im medizinischen Alltag bewährt, birgt jedoch laut Experten in Krisenszenarien fatale Nachteile.

Führende Notfallmediziner warnen davor, dass bei einem plötzlichen Anstieg schwer verletzter Menschen – etwa durch Naturkatastrophen, Großschadensereignisse oder gar militärische Konflikte – die etablierte Versorgung kollabieren könnte. Wenn gleichzeitig die kritische Infrastruktur wie Strom oder Transportwege eingeschränkt ist, wird die aufwendige Aufspaltung, Kühlung und Logistik von Blutkomponenten schlichtweg unmöglich.

Die logistischen und medizinischen Vorteile von Vollblut

Die Lösung für dieses Problem sehen Intensivmediziner in der direkten Nutzung von Vollblut. Wie zivile und militärische Erfahrungen der letzten Jahre eindrucksvoll belegen, ist die Gabe von ungetrenntem Blut bei massiven Blutungen nicht nur medizinisch hochwirksam, sondern auch logistisch ein enormer Vorteil. Es lässt sich wesentlich unkomplizierter lagern und verabreichen, was in unübersichtlichen und ressourcenarmen Krisengebieten den entscheidenden Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann.

Trotz dieser klaren Vorteile verhindern aktuelle regulatorische Hürden in Deutschland den flächendeckenden Einsatz von Vollblut als Ergänzung zur herkömmlichen Therapie. Eine Tatsache, die Fachgesellschaften angesichts der hybriden Bedrohungen in Europa nicht länger hinnehmen wollen.

Dringender Appell an das Bundesgesundheitsministerium

Um die sogenannte Krisenresilienz der deutschen Krankenhäuser und Rettungsdienste zu stärken, hat sich die DIVI nun mit einem eindringlichen Brief an das Bundesministerium für Gesundheit sowie an das Paul-Ehrlich-Institut gewandt. Die Forderung ist unmissverständlich: Es müssen zeitnah die rechtlichen und medizinischen Voraussetzungen geschaffen werden, um Vollblut qualitätsgesichert für Krisensituationen zuzulassen.

  • Sicherheitslage in Europa: Hybride Bedrohungen und mögliche Konflikte erfordern ein Umdenken in der Notfallmedizin.
  • Naturkatastrophen: Zunehmende Wetterextreme erhöhen das Risiko von Großschadensereignissen mit hunderten Verletzten.
  • Logistische Unabhängigkeit: Vollblut reduziert die Abhängigkeit von komplexen, störanfälligen Lieferketten und hochspezialisierten Laboren.

Die Zeit drängt. Die Fachgesellschaften betonen, dass eine wissenschaftlich begleitete Einführung von Vollblut in definierten Versorgungsbereichen unerlässlich ist, um das deutsche Gesundheitssystem wetterfest für die Krisen von morgen zu machen. Ob die Politik diesen Warnruf rechtzeitig erhört und die regulatorischen Vorgaben anpasst, bleibt nun abzuwarten.

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