Patientenschutz in Gefahr: EU plant drastische Reform bei Medizinprodukten

Dominik Hübenthal
EU-Kommission lockert Regeln für Medizinprodukte: TÜV warnt vor Risiken

Patientensicherheit auf dem Spiel

Die Europäische Kommission steht derzeit im Zentrum massiver Kritik. Im Rahmen einer geplanten Reform sollen die strengen Kontrollmechanismen für Medizinprodukte drastisch gelockert werden. Laut dem TÜV-Verband kommt dieses Vorhaben einer faktischen Aufgabe des bisherigen Vorsorgeprinzips gleich - mit potenziell verheerenden Folgen für Patienten in ganz Europa.

Geplante Lockerungen: Weniger Kontrollen für Hochrisiko-Produkte

Medizinprodukte umfassen ein breites Spektrum - von einfachen Pflastern über Rollstühle bis hin zu hochkomplexen Herzschrittmachern und KI-gestützter Diagnostik-Software. Bislang unterlagen insbesondere Hochrisiko-Produkte strengsten Prüfungen durch sogenannte Benannte Stellen, wie etwa den TÜV. Die neuen Pläne der EU-Kommission sehen jedoch gravierende Einschnitte vor:

  • Abschaffung unangekündigter Audits: Bisherige Überraschungsbesuche bei Herstellern sollen weitgehend entfallen.
  • Reduzierung von Kontrollen: Die generelle Überprüfungsdichte für Produkte auf dem Markt soll sinken.
  • Geringere Anforderungen: Selbst für Hochrisiko-Produkte sollen die Zulassungshürden und Sicherheitsnachweise abgebaut werden.

Der TÜV-Verband schlägt Alarm

Experten des TÜV-Verbands warnen eindringlich vor diesem Schritt. Durch die Reduzierung der Kontrolldichte entstehe eine direkte Gefahr für die Patientensicherheit. Wenn unangekündigte Überprüfungen wegfallen, steigt das Risiko, dass fehlerhafte oder unzureichend getestete Produkte auf den Markt gelangen und im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden.

Zudem fordert der Verband, dass der europäische AI Act - das neue Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz - zwingend auch für Medizinprodukte gelten müsse. Immer mehr medizinische Geräte nutzen KI-Algorithmen, deren Sicherheit und Transparenz lückenlos gewährleistet sein muss.

Wirtschaftliche Folgen und ein offener Brief

Neben den gesundheitlichen Risiken weist der TÜV-Verband auch auf die massiven wirtschaftlichen Konsequenzen hin. Die Benannten Stellen, die bisher als unabhängige Prüfinstanzen für Sicherheit sorgten, sehen ihre wirtschaftliche Basis bedroht. Ein Wegfall dieser hochspezialisierten Institutionen hätte unabsehbare Folgen für den gesamten Wirtschafts- und Innovationsstandort Europa.

Um die Pläne der Kommission noch zu stoppen, haben die Benannten Stellen in einem offenen Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments appelliert. Sie fordern, den Patientenschutz nicht kurzfristigen Deregulierungsbestrebungen zu opfern. Nun liegt es an der Politik, einen Mittelweg zu finden, der Innovationen fördert, ohne die Sicherheit der Patienten leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

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