Patientenschützer fordern massiven Ausbau der Suizidprävention

Dominik Hübenthal
Suizidprävention: Patientenschutz fordert mehr Hilfsangebote

Angesichts bestehender Lücken in der psychosozialen Versorgung schlägt die Deutsche Stiftung Patientenschutz Alarm. Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Zahlen von Menschen in schweren seelischen Krisen verlangt die Organisation eine deutliche Aufstockung und flächendeckende Absicherung von präventiven Hilfsangeboten. Nach Ansicht der Patientenschützer werde das tatsächliche Ausmaß des Unterstützungsbedarfs auf politischer Ebene nach wie vor unterschätzt.

Kritik an Bund und Ländern

Die Kritik richtet sich sowohl an die Bundespolitik als auch an die Bundesländer. Während auf Bundesebene verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen und eine nachhaltige Finanzierung für die Suizidprävention gefordert werden, stehen die Länder bei der praktischen Umsetzung in der Pflicht. Es fehle vielerorts an einem flächendeckenden Netz aus leicht erreichbaren Krisendiensten, die Betroffenen und Angehörigen in akuten Notsituationen rund um die Uhr zur Seite stehen.

Gerade in ländlichen Regionen sowie bei spezialisierten Beratungsangeboten zeigen sich nach wie vor gravierende regionale Unterschiede. Viele Hilfesuchende stehen vor Hürden wie langen Wartezeiten auf Therapieplätze oder unübersichtlichen Zuständigkeiten zwischen Kommunen, Kliniken und ambulanten Trägern.

Besondere Risiken im Alter und bei Pflegebedürftigkeit

Im pflegerischen und gesundheitlichen Kontext besitzt das Thema eine besondere Dringlichkeit. Ältere Menschen, chronisch Kranke und Personen, die unter zunehmender sozialer Isolation leiden, tragen ein erhöhtes Risiko für schwere depressive Episoden und suizidale Krisen. Auch pflegende Angehörige geraten durch dauerhafte Belastungen nicht selten an ihre physischen und psychischen Grenzen.

Experten betonen daher immer wieder, dass Prävention frühzeitig ansetzen muss. Dazu gehören:

  • Niedrigschwellige, kostenfreie Beratungs- und Krisenhotlines, die Tag und Nacht erreichbar sind.
  • Mobile Krisenteams, die im Akutfall auch Hausbesuche ermöglichen.
  • Gezielte Schulungen für Pflegefachkräfte, Hausärzte und Betreuungspersonal zum Erkennen von Warnsignalen.
  • Bessere Vernetzung von ambulanten Pflegediensten, Psychiatern und sozialen Beratungsstellen.

Hilfe und Beratung für Betroffene und Angehörige

Wer sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befindet oder sich Sorgen um eine nahestehende Person macht, sollte frühzeitig Unterstützung in Anspruch nehmen. In Deutschland stehen dafür mehrere kostenlose und vertrauliche Hilfsangebote zur Verfügung:

  • TelefonSeelsorge: Rund um die Uhr erreichbar unter den bundesweiten Rufnummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 sowie online per Chat.
  • Nummer gegen Kummer: Speziell für Kinder und Jugendliche (116 111) sowie für Eltern (0800 111 0 550).
  • Info-Telefon Depression: Hilfestellungen unter der Rufnummer 0800 33 44 533.

Ein Ausbau der Präventionsstrukturen ist nach Ansicht von Patientenschützern und Fachverbänden unumgänglich, um Betroffenen rechtzeitig Wege aus der Krise aufzuzeigen und menschliches Leid zu verhindern.

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