EU-Vergleich: Fast alle Bürger in Deutschland erhalten Arzttermine ohne Barrieren

Benedikt Hübenthal
Arztversorgung in Deutschland: Nur 1,2 Prozent spüren Zugangshürden

Der Zugang zu medizinischer Versorgung gilt in Deutschland im europäischen Vergleich als bemerkenswert niedrigschwellig. Während in einigen Nachbarländern spürbare Hürden bei Facharztterminen und Behandlungen beklagt werden, meldet in Deutschland nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung Versorgungsprobleme. Das belegt eine aktuelle Auswertung europäischer Gesundheitsdaten (EU-SILC) durch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Deutschland europaweit auf Spitzenplätzen

Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Lediglich 1,2 Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, dass sie einen ungedeckten medizinischen Bedarf aufgrund von Barrieren wie langen Wartezeiten, Kosten oder Distanzen erlebten. Im europaweiten Ranking liegt Deutschland damit ganz weit vorn – nur in wenigen Ländern wie Malta (0,7 Prozent) fällt der Wert noch niedriger aus.

Auffällig ist dabei der Zusammenhang zwischen der Anzahl jährlicher Konsultationen und dem Zufriedenheitsgrad: Je häufiger Patienten direkten Kontakt zu Praxen haben, desto seltener nehmen sie Engpässe wahr.

  • Spitzenreiter bei Arztbesuchen: Österreich führt die Erhebung mit durchschnittlich knapp 13 Arztkontakten pro Kopf und Jahr an.
  • Starke Versorgung in Deutschland: Mit durchschnittlich 9,8 Arztkontakten jährlich belegt Deutschland den fünften Platz in der EU, knapp hinter Ländern wie der Slowakei, Ungarn und den Niederlanden.
  • Hohe Barrieren im Norden: In Ländern wie Dänemark, Litauen, Estland und Finnland, in denen die Menschen deutlich seltener zum Arzt gehen (etwa vier bis sechs Kontakte im Jahr), beklagen über zehn Prozent der Bürger ungedeckte medizinische Bedarfe.

Warnung vor reinen Zugangsbeschränkungen

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung mahnt vor dem Hintergrund geplanter gesundheitspolitischer Reformen zur Vorsicht. Bestrebungen, über strenge Überweisungsvorbehalte und sogenannte Gatekeeping-Systeme den Direktzugang zu Fachärzten zu reglementieren, könnten das Empfinden der Patienten drastisch verschlechtern.

Laut Zi-Vorstand Dominik von Stillfried zeige der europäische Vergleich, dass starre Primärarztsysteme nicht automatisch zu mehr Effizienz führen, sondern teils zu höheren subjektiven Hürden beitragen können. Ziel einer Reform dürfe daher keine pauschale Verknappung von Terminen sein. Stattdessen sei eine gezielte Steuerung nach Dringlichkeit und tatsächlichem medizinischem Bedarf erforderlich, um die bewährte Erreichbarkeit von Haus- und Facharztpraxen in Deutschland zu sichern.

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