Pflegekosten fressen Rente auf: Eigenanteil im Heim auf Rekordhoch

Djamal Sadaghiani
Pflegeheim Kosten 2026: Eigenanteil fast so hoch wie Rente

Die finanzielle Belastung für pflegebedürftige Menschen in Deutschland nimmt dramatische Ausmaße an. Der minimale Eigenanteil, den Bewohner von Pflegeheimen aus eigener Tasche zahlen müssen, erreicht mittlerweile fast das Niveau der durchschnittlich ausgezahlten Rente. Dies zeigt einmal mehr, wie sehr das Thema Pflege zu einem existenziellen finanziellen Risiko im Alter geworden ist.

Rente reicht kaum noch für das Pflegeheim

Wie aus einer aktuellen Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, lag der sogenannte einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) bereits im Jahr 2024 bei 920 Euro im Monat. Dem stand im selben Jahr ein durchschnittlicher Rentenzahlbetrag von lediglich 1.154 Euro gegenüber. Die Schere zwischen Einkommen und Pflegekosten schließt sich damit immer weiter.

Doch die Preisspirale dreht sich unaufhaltsam weiter: Den offiziellen Angaben zufolge ist dieser Mindesteigenanteil im Jahr 2025 auf 1.028 Euro und im Jahr 2026 sogar auf 1.104 Euro geklettert. Damit bleibt von einer durchschnittlichen Rente nach Abzug der reinen Pflegekosten kaum noch etwas übrig.

Die wahren Kosten liegen noch deutlich höher

Wer nun glaubt, mit dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil seien alle Kosten für das Pflegeheim gedeckt, irrt gewaltig. Dieser Betrag deckt lediglich den rein pflegebedingten Aufwand ab. In der Realität müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen noch weitaus tiefer in die Tasche greifen. Zu den Pflegekosten kommen weitere, erhebliche Posten hinzu:

  • Kosten für Unterkunft und Verpflegung
  • Investitionskosten der jeweiligen Einrichtung
  • Mögliche individuelle Zusatzleistungen

Zusammengerechnet liegt die tatsächliche finanzielle Belastung für einen Pflegeheimplatz aktuell bei durchschnittlich 3.245 Euro im Monat. Eine Summe, die aus einer normalen gesetzlichen Rente allein unmöglich zu stemmen ist.

Gesundheitsministerium verweist auf andere Einkünfte

Das Bundesgesundheitsministerium relativiert die alarmierenden Zahlen in seiner Stellungnahme. Laut dem Ministerium lasse sich aus einer niedrigen Altersrente in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht automatisch auf ein niedriges Gesamteinkommen im Alter schließen. Oftmals würden weitere Alterseinkünfte oder der Haushaltskontext in dieser isolierten Betrachtung nicht berücksichtigt. Zudem bestünden gerade bei geringen Renten häufig Ansprüche in anderen Sicherungssystemen, wie etwa der Grundsicherung oder der Hilfe zur Pflege, die in der reinen Rentenstatistik nicht auftauchen.

Forderung nach einer Pflegevollversicherung

Von Seiten der Opposition hagelt es derweil scharfe Kritik. Evelyn Schötz, die Sprecherin der Linksfraktion für Pflege und psychische Gesundheit, warnt eindringlich davor, dass die Pflegebedürftigkeit die Rente auffresse und in kürzester Zeit jedes hart ersparte Vermögen vernichte. Immer mehr Menschen würden unverschuldet in die Altersarmut gedrängt.

Um diese Entwicklung zu stoppen, fordert die Linksfraktion eine radikale Abkehr vom bisherigen System. Die Lösung liege in der Einführung einer solidarischen Pflegevollversicherung, bei der sämtliche Pflegekosten vollständig übernommen werden. Um dies auf solide Beine zu stellen, müssten künftig alle Bürger in das System einzahlen – ausdrücklich auch Beamte und Bundestagsabgeordnete.

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