Pflegereform 2026: KDA warnt vor "Rotstift statt Gestaltung"

Benedikt Hübenthal
Pflegereform 2026: KDA übt scharfe Kritik am neuen Gesetzentwurf

Der neue Referentenentwurf zur Pflegereform der Bundesregierung sorgt für hitzige Diskussionen. Anstatt den großen Wurf für die alternde Gesellschaft zu wagen, dominiere der Sparkurs. Zu diesem harten Urteil kommt das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und warnt vor den weitreichenden Konsequenzen für Pflegebedürftige und deren Angehörige.

"Rotstift statt Gestaltung": Kritik an der Bundesregierung

Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des KDA, findet deutliche Worte für die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Sie bemängelt vor allem die fehlende Generationengerechtigkeit und den mangelnden Mut zu grundlegenden Reformen. Laut Zurkuhlen entscheide sich die Bundesregierung primär für Kosteneinsparungen anstelle einer echten Strukturreform. Das fatale Signal an die Bürger: Das Gefühl, im Pflegefall nicht ausreichend abgesichert zu sein, werde dadurch nur weiter verstärkt.

Die zentralen Kritikpunkte im Überblick:

  • Fehlende Strukturreform: Der Fokus liege stark auf Kosteneinsparungen statt auf zukunftssicheren Konzepten.
  • Belastung für Angehörige: Geplante Kürzungen bei den Rentenpunkten für pflegende Familienmitglieder sorgen für Unmut.
  • Unklare Kommunalverantwortung: Es fehlen konkrete Vorgaben, wie Städte und Gemeinden die Pflegeversorgung vor Ort evidenzbasiert sicherstellen sollen.

Einschnitte für pflegende Angehörige

Besonders brisant sind die im Entwurf verankerten Kürzungen bei den Rentenpunkten für pflegende Angehörige. Diese Maßnahme belastet genau jene Menschen, die das Rückgrat der häuslichen Pflege in Deutschland bilden. Experten sehen hierin einen klaren Widerspruch zu dem oft formulierten politischen Ziel, die Pflege zu Hause zu stärken und Familien finanziell wie organisatorisch zu entlasten.

Lichtblicke: Sozialraumbudget und Prävention

Neben der scharfen Kritik erkennt das KDA jedoch auch positive Ansätze im Entwurf an. So wird das neu geplante Sozialraumbudget für Angebote zur Unterstützung im Alltag ausdrücklich gelobt. Es greift langjährige Forderungen auf, die Pflege quartiersnah und sozialraumorientiert zu gestalten.

Zudem setzt das Bundesgesundheitsministerium verstärkt auf Prävention und Rehabilitation. Hierdurch erhofft sich die Regierung bis zum Jahr 2030 jährliche Einsparungen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Doch auch hier sieht das KDA verschenktes Potenzial: Laut Zurkuhlen hätten alle Beteiligten noch erheblich mehr profitieren können, wenn der Mut zu echten sektorenübergreifenden Maßnahmen größer gewesen wäre.

Kommunen droht die Überlastung

Ein weiteres ungelöstes Problem betrifft die Städte und Gemeinden. Der Gesetzentwurf weist den Kommunen zwar eine größere Verantwortung bei der Sicherstellung der Pflege zu, lässt sie bei der praktischen Umsetzung jedoch weitgehend im Dunkeln. Es fehlen konkrete Indikatoren, wie eine drohende pflegerische Unterversorgung festgestellt und durch eine gezielte kommunale Pflegeplanung abgewendet werden kann.

Nun ruhen die Hoffnungen der Pflegeexperten auf dem anstehenden parlamentarischen Verfahren. Dort müsse dringend nachgebessert werden, um die gravierendsten Schwachstellen des Entwurfs noch zu korrigieren.

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