Rekordhoch bei Fehltagen: Psychische Erkrankungen als Hauptursache

Dominik Hübenthal
Rekord-Krankenstand 2026: Psychische Leiden treiben Fehlzeiten in die Höhe

Psychische Erkrankungen haben sich in Deutschland zur Hauptursache für Krankschreibungen entwickelt. Wie aktuelle Auswertungen zeigen, fallen Betroffene immer häufiger und für längere Zeiträume an ihrem Arbeitsplatz aus. Gleichzeitig schlagen Experten Alarm, da die monatelangen Wartezeiten auf einen Therapieplatz die Situation für die Patienten drastisch verschärfen.

Ein historischer Höchststand im Krankenstand

Erstmals in der Geschichte der Krankenkassenauswertungen stehen psychische Leiden an der Spitze der Fehlzeiten-Statistik. Laut aktuellen Daten der DAK-Gesundheit für das erste Halbjahr 2026 verdrängten sie damit Atemwegserkrankungen von Platz eins. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen um alarmierende neun Prozent.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) sieht in dieser Entwicklung ein deutliches Warnsignal. Dr. Andrea Benecke, Präsidentin der BPtK, bezeichnet die aktuellen Zahlen als Weckruf. Die Kosten, die durch unbehandelte psychische Erkrankungen und die daraus resultierenden Arbeitsausfälle entstehen, steigen kontinuierlich an.

Fatale Folgen durch monatelange Wartezeiten

Besonders dramatisch ist die Lage für akut Betroffene, die dringend professionelle Hilfe benötigen. Die ambulante psychotherapeutische Versorgung in Deutschland steht unter enormem Druck:

  • Bundesweit warten Patienten durchschnittlich rund 142 Tage auf den Beginn einer Behandlung.
  • In einigen Regionen kann die Wartezeit auf einen Kassensitz sogar bis zu einem Jahr betragen.
  • Die durchschnittliche Ausfallzeit am Arbeitsplatz beträgt bei psychischen Diagnosen rund 40 Tage pro Fall.

Diese massiven Verzögerungen bergen das immense Risiko, dass sich die Erkrankungen verschlimmern, chronisch werden und zu langfristiger Arbeitsunfähigkeit führen. Experten warnen davor, dass Kürzungen im Bereich der Psychotherapie weder mittel- noch langfristig zu finanziellen Einsparungen im Gesundheitssystem führen werden – im Gegenteil, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgekosten explodieren.

BPtK fordert rasche politische Konsequenzen

Angesichts dieser kritischen Versorgungslage fordert die BPtK die Politik zum sofortigen Handeln auf. Der Bundestag hat mit einem aktuellen Entschließungsantrag zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) bereits ein wichtiges Signal gesetzt, um drohende Honorarkürzungen und Leistungseinschnitte in der ambulanten Psychotherapie abzuwenden.

Nun drängt die Kammer auf die rasche und konsequente Umsetzung dieses Antrags im kommenden September. Nur so ließen sich die gravierendsten Einschnitte in der Patientenversorgung verhindern. Eine weitere Verschärfung der ohnehin stark angespannten Lage in der psychotherapeutischen Versorgung dürfe es laut der BPtK nicht geben. Menschen in psychischen Krisen benötigen einen schnellen, niedrigschwelligen Zugang zu Therapieplätzen – eine Forderung, deren Erfüllung angesichts der aktuellen Rekord-Fehlzeiten drängender ist denn je.

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