Schlaganfall-Therapie: Thrombektomie auch bei kleineren Hirngefäßen erfolgreich

Djamal Sadaghiani
Schlaganfall: Thrombektomie bei mittleren Hirnarterien erfolgreich

Ein ischämischer Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Bislang galt die mechanische Thrombektomie vor allem bei Verschlüssen der großen, vorderen Hirnarterien als Goldstandard der Behandlung. Eine aktuelle, im renommierten Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie aus China liefert nun vielversprechende Erkenntnisse: Auch bei Verschlüssen in mittleren und distalen – also weiter außen liegenden – Hirngefäßen kann der Eingriff erfolgreich sein, sofern die Patienten sorgfältig ausgewählt werden.

Die Herausforderung bei kleineren Hirnarterien

Die mechanische Thrombektomie hat die Akutbehandlung des Schlaganfalls in den vergangenen Jahren revolutioniert. Dabei wird das Blutgerinnsel, das ein Gefäß im Gehirn verstopft, mithilfe eines winzigen Katheters mechanisch entfernt. Bei großen Gefäßverschlüssen ist der Nutzen dieses Verfahrens unumstritten und rettet täglich Leben.

Wenn jedoch mittlere oder distale Hirngefäße betroffen sind, standen Mediziner bislang oft vor einem Dilemma. Die Blutgefäße sind in diesen Bereichen deutlich feiner und schwerer zugänglich. Das Risiko von Komplikationen, wie etwa Verletzungen der Gefäßwände, steigt. Daher muss der mögliche Nutzen des Eingriffs in diesen Zonen stets präzise gegen die Risiken abgewogen werden. Noch in den Vorjahren ließen einige Untersuchungen an einem generellen Zusatznutzen bei diesen feineren Gefäßabschnitten zweifeln.

Studie zeigt: Auf die Patientenauswahl kommt es an

Die neue randomisierte Studie bringt nun entscheidendes Licht ins Dunkel. Die Wissenschaftler konnten belegen, dass die Thrombektomie durchaus auch bei weiter verzweigten Gefäßverschlüssen wirksam sein kann. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch in der genauen Selektion der Patienten.

Die Untersuchung legt detailliert dar, welche medizinischen Kriterien erfüllt sein müssen, damit Betroffene am ehesten von der Behandlung profitieren. Laut den veröffentlichten Daten ist eine individuelle und sehr genaue Abwägung durch die behandelnden Neurologen zwingend erforderlich. Zu den entscheidenden Faktoren zählen unter anderem:

  • Das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand der betroffenen Person
  • Der genaue Ort und die Beschaffenheit des Gefäßverschlusses
  • Das Zeitfenster, das seit dem Auftreten der ersten Symptome vergangen ist

Bedeutung für die Pflege und Nachsorge

Für die Pflegepraxis und die Rehabilitation nach einem Schlaganfall sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung. Je gezielter und erfolgreicher die Akuttherapie durchgeführt wird, desto geringer fallen oft die neurologischen Ausfälle aus. Das bedeutet für viele Patienten eine deutlich höhere Chance, ihre Selbstständigkeit im Alltag zurückzuerlangen und eine langfristige Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zumindest zu verringern.

Pflegekräfte auf spezialisierten Stroke Units (Schlaganfallstationen) und in der neurologischen Rehabilitation könnten künftig häufiger Patienten betreuen, bei denen auch kleinere Gefäßverschlüsse kathetergestützt behandelt wurden. Eine engmaschige Überwachung der Vitalparameter in den ersten Tagen nach dem Eingriff bleibt dabei unerlässlich, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Letztlich unterstreichen die neuen Studienergebnisse einmal mehr das oberste Leitmotto der Schlaganfallversorgung: "Time is brain" (Zeit ist Gehirn). Je schneller Betroffene bei Verdacht auf einen Schlaganfall in einer spezialisierten Klinik untersucht und individuell behandelt werden, desto besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Genesung.

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