Hospiz zu Hause: Der ambulante Hospizdienst

Hospiz zu Hause: Der ambulante Hospizdienst

Hospiz zu Hause: Ein würdevoller Weg in der vertrauten Umgebung

Die Diagnose einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung verändert das Leben von einem Moment auf den anderen. Für die betroffenen Senioren und ihre Angehörigen beginnt eine Zeit voller emotionaler, körperlicher und organisatorischer Herausforderungen. Die meisten Menschen hegen in dieser Lebensphase einen tiefen Wunsch: Sie möchten ihre letzte Lebenszeit nicht in einem anonymen Krankenhauszimmer verbringen, sondern zu Hause, in ihrer vertrauten Umgebung, umgeben von ihren Liebsten. Genau hier setzt der ambulante Hospizdienst an. Er ermöglicht es schwerstkranken und sterbenden Menschen, ihre letzten Wochen und Monate in Würde, Geborgenheit und Selbstbestimmung in den eigenen vier Wänden zu verbringen.

Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff ambulanter Hospizdienst? Welche Leistungen werden erbracht, wer übernimmt die Kosten und wie lässt sich diese wertvolle Unterstützung in den Pflegealltag integrieren? In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie als Betroffener oder Angehöriger über die hospizliche Begleitung zu Hause wissen müssen. Wir klären über die rechtlichen Rahmenbedingungen auf, grenzen den Hospizdienst von der medizinischen Palliativversorgung ab und geben Ihnen konkrete Leitfäden an die Hand, um die bestmögliche Unterstützung für Ihre individuelle Situation zu finden.

Die Philosophie der Hospizarbeit: Leben bis zuletzt

Die moderne Hospizbewegung basiert auf einer grundlegenden Haltung: Das Sterben wird als ein natürlicher Teil des Lebens betrachtet, der weder künstlich verlängert noch absichtlich verkürzt werden soll. Im Zentrum der Bemühungen steht nicht mehr die Heilung (kuration), sondern die Linderung von Beschwerden und der Erhalt der bestmöglichen Lebensqualität (palliation). Ein ambulanter Hospizdienst bringt diese Philosophie direkt zu Ihnen nach Hause.

Die Begleitung durch einen Hospizdienst stellt den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit in den Mittelpunkt. Es geht nicht nur um die körperliche Ebene, sondern gleichermaßen um psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse. Die ehrenamtlichen Hospizbegleiter bringen das wertvollste Geschenk mit, das in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit oft fehlt: Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie sind da, um zuzuhören, Ängste auszuhalten, gemeinsam zu schweigen oder einfach nur eine Hand zu halten.

Einfühlsame Hospizbegleiterin hält die Hand eines älteren Herrn im heimischen Wohnzimmer

Würdevolle Begleitung in der vertrauten Umgebung

Was ist ein ambulanter Hospizdienst und wie arbeitet er?

Ein ambulanter Hospizdienst ist eine Organisation, die schwerstkranke Menschen und ihre Familien in der häuslichen Umgebung, aber auch in Pflegeheimen oder Krankenhäusern begleitet. Das Herzstück dieser Dienste bilden die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Diese werden von hauptamtlichen Fachkräften, den sogenannten Koordinatorinnen und Koordinatoren, geschult, vermittelt und fachlich begleitet.

Die Aufgaben eines ambulanten Hospizdienstes sind vielfältig und passen sich stets den individuellen Bedürfnissen des kranken Menschen und seiner Familie an. Zu den Kernleistungen gehören:

  • Psychosoziale Begleitung: Gespräche über Ängste, Hoffnungen, unerledigte Dinge oder den nahenden Tod. Die Begleiter sind geschult darin, auch schwere emotionale Situationen mitzutragen.

  • Entlastung der Angehörigen: Wenn ein Hospizbegleiter für einige Stunden in der Woche die Anwesenheit beim Kranken übernimmt, können pflegende Angehörige das Haus verlassen, einkaufen gehen, Arzttermine wahrnehmen oder einfach in Ruhe neue Kraft schöpfen.

  • Praktische Alltagshilfen: Vorlesen, gemeinsame kleine Spaziergänge (sofern möglich), Musik hören oder das gemeinsame Betrachten von Fotoalben.

  • Sitzwachen: In der finalen Sterbephase übernehmen Hospizbegleiter oft auch Sitzwachen am Bett, damit der Sterbende nicht allein ist, wenn die Angehörigen schlafen müssen.

  • Trauerbegleitung: Die Unterstützung endet nicht mit dem Tod des Patienten. Viele ambulante Hospizdienste bieten den Hinterbliebenen Begleitung in der Zeit der Trauer an.

Es ist jedoch ebenso wichtig zu verstehen, was ein ambulanter Hospizdienst nicht leistet. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter übernehmen keine pflegerischen oder medizinischen Tätigkeiten. Sie verabreichen keine Medikamente, wechseln keine Verbände und führen keine Grundpflege (wie Waschen oder Anziehen) durch. Ebenso übernehmen sie keine hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie Putzen oder Kochen. Für diese Aufgaben sind professionelle ambulante Pflegedienste, Hauswirtschaftshilfen oder Betreuungskräfte einer 24-Stunden-Pflege zuständig.

Die ehrenamtlichen Hospizbegleiter: Qualifiziert und empathisch

Oftmals besteht bei Angehörigen eine gewisse Unsicherheit, fremde Menschen in einer so intimen und vulnerablen Lebensphase in das eigene Zuhause zu lassen. Es ist daher wichtig zu betonen, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter von ambulanten Hospizdiensten intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Niemand wird unvorbereitet in eine Familie geschickt.

Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter umfasst in der Regel einen intensiven Vorbereitungskurs, der sich über mehrere Monate erstreckt und mindestens 100 Unterrichtseinheiten sowie ein Praktikum umfasst. In diesen Kursen setzen sich die Teilnehmer intensiv mit Themen wie Kommunikation am Krankenbett, Schmerzempfinden, ethischen Fragestellungen, der eigenen Sterblichkeit und dem Umgang mit Trauer auseinander.

Zudem unterliegen alle Mitarbeiter – ob ehrenamtlich oder hauptamtlich – der strengen Schweigepflicht. Alles, was im häuslichen Umfeld besprochen oder beobachtet wird, bleibt absolut vertraulich. Die Ehrenamtlichen werden während ihrer Einsätze kontinuierlich durch die hauptamtlichen Koordinatoren begleitet und nehmen regelmäßig an Supervisionen teil, um das Erlebte professionell zu verarbeiten.

Ehrenamtlicher Hospizbegleiter liest einer Seniorin am Bett aus einem Buch vor

Kleine Alltagsfreuden durch gemeinsames Vorlesen

Angehörige unterhalten sich entspannt bei einer Tasse Kaffee am Küchentisch

Wertvolle Entlastung für pflegende Angehörige

Abgrenzung und Zusammenarbeit: Hospizdienst vs. Palliativversorgung

In der Begleitung schwerstkranker Menschen fallen häufig die Begriffe Hospizdienst und Palliativversorgung. Obwohl beide das gleiche Ziel verfolgen – die Verbesserung der Lebensqualität am Lebensende – unterscheiden sie sich in ihren konkreten Aufgabenbereichen. Eine optimale Versorgung zu Hause besteht meist aus einem engmaschigen Netzwerk beider Bereiche.

1. Die Allgemeine Ambulante Palliativversorgung (AAPV)
Die AAPV wird in der Regel vom Hausarzt in Zusammenarbeit mit einem regulären ambulanten Pflegedienst erbracht. Sie zielt darauf ab, Patienten mit einer nicht heilbaren Erkrankung medizinisch und pflegerisch so zu versorgen, dass sie zu Hause bleiben können. Hierzu gehört die grundlegende Schmerztherapie und Symptomkontrolle.

2. Die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV)
Wenn die Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder psychische Krisen so komplex werden, dass die AAPV nicht mehr ausreicht, kommt die SAPV ins Spiel. Sogenannte Palliative-Care-Teams (PCT), bestehend aus speziell ausgebildeten Palliativmedizinern und Palliativpflegekräften, übernehmen dann die medizinische Versorgung. Sie sind 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche für Notfälle erreichbar. Die SAPV muss vom Arzt verordnet werden und ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 37b SGB V.

Das Zusammenwirken:
Der ambulante Hospizdienst arbeitet Hand in Hand mit den Hausärzten, Pflegediensten und SAPV-Teams. Während das SAPV-Team die medizinische und pflegerische Stabilität gewährleistet, sorgt der Hospizdienst für die psychosoziale und emotionale Stabilität. Gemeinsam bilden sie ein starkes Netz, das den Patienten und seine Angehörigen sicher trägt und so den Verbleib in der Häuslichkeit oft erst ermöglicht.

Kosten und Finanzierung: Wer zahlt den ambulanten Hospizdienst?

Eine der drängendsten Fragen von Angehörigen betrifft die finanziellen Belastungen. Die Pflege eines geliebten Menschen zu Hause ist oft bereits mit erheblichen Kosten für Pflegehilfsmittel, Medikamente oder Betreuungskräfte verbunden. Hier gibt es eine sehr gute und entlastende Nachricht:

Die Inanspruchnahme eines ambulanten Hospizdienstes ist für den erkrankten Menschen und seine Angehörigen grundsätzlich und vollständig kostenfrei.

Die Finanzierung der ambulanten Hospizarbeit in Deutschland ist gesetzlich im Sozialgesetzbuch verankert. Gemäß § 39a Abs. 2 SGB V bezuschussen die gesetzlichen Krankenkassen die Arbeit der ambulanten Hospizdienste. Dieser Zuschuss deckt in erster Linie die Personal- und Sachkosten der hauptamtlichen Koordinatoren ab. Da die eigentliche Begleitung am Patientenbett von Ehrenamtlichen erbracht wird, entstehen hier keine Lohnkosten. Dennoch decken die Kassenzuschüsse nicht die gesamten Ausgaben der Hospizvereine (wie beispielsweise Fahrtkosten der Ehrenamtlichen, intensive Schulungsmaterialien oder Trauerangebote). Daher finanzieren sich ambulante Hospizdienste zu einem großen Teil auch über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Von den betroffenen Familien wird jedoch niemals ein finanzieller Beitrag verlangt.

Ausführliche und verlässliche Informationen zu den rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Hospiz- und Palliativversorgung finden Sie auch auf den offiziellen Seiten der Ministerien, wie etwa beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

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Für wen ist der ambulante Hospizdienst gedacht? (Zielgruppe und Voraussetzungen)

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Hospizdienste ausschließlich für Krebspatienten in den allerletzten Lebenstagen da sind. Dies ist nicht korrekt. Das Angebot richtet sich an alle Menschen mit einer fortgeschrittenen, lebenslimitierenden Erkrankung, unabhängig vom Alter, der Religionszugehörigkeit oder der genauen Diagnose.

Typische Krankheitsbilder, bei denen ein ambulanter Hospizdienst unterstützend tätig wird, sind:

  • Fortgeschrittene onkologische Erkrankungen (Krebs) im unheilbaren Stadium

  • Schwere neurologische Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), fortgeschrittene Multiple Sklerose oder Parkinson

  • Endstadien chronischer Organerkrankungen (z.B. schwere Herzinsuffizienz, COPD im Endstadium, chronisches Nierenversagen)

  • Fortgeschrittene Demenzerkrankungen (hier sind speziell geschulte Hospizbegleiter gefragt, die auf nonverbale Kommunikation und die besonderen Bedürfnisse von Demenzpatienten eingehen können)

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kontaktaufnahme?
Viele Familien zögern aus Angst vor dem Begriff "Hospiz" zu lange. Sie assoziieren damit das unmittelbare Sterben und fürchten, dem Patienten durch das Hinzuziehen des Dienstes die letzte Hoffnung zu nehmen. Experten raten jedoch dazu, so früh wie möglich Kontakt aufzunehmen. Wenn die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung feststeht und die rein lindernde (palliative) Therapie in den Vordergrund rückt, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Ein frühes Kennenlernen ermöglicht es dem Patienten und dem Hospizbegleiter, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, solange der Patient noch kommunizieren und Wünsche äußern kann.

Die enorme Bedeutung für pflegende Angehörige

Wenn ein geliebter Mensch zu Hause stirbt, leisten die Angehörigen Übermenschliches. Sie sind oft rund um die Uhr im Einsatz, zerrissen zwischen der Sorge um den Patienten, dem eigenen Schmerz über den bevorstehenden Verlust und den Anforderungen des Alltags. Die körperliche und emotionale Erschöpfung ist in dieser Phase immens hoch.

Der ambulante Hospizdienst sieht sich daher ausdrücklich auch als Partner der Angehörigen. Die ehrenamtlichen Begleiter bieten Angehörigen:

  • Einen geschützten Raum für Gespräche: Angehörige müssen oft stark sein für den Kranken. Beim Hospizbegleiter dürfen sie Schwäche zeigen, weinen, Ängste formulieren und auch Wut oder Verzweiflung äußern.

  • Auszeiten (Respite Care): Die Gewissheit, dass für zwei oder drei Stunden jemand liebevoll am Bett des Kranken sitzt, ermöglicht es den Angehörigen, ohne schlechtes Gewissen das Haus zu verlassen, um durchzuatmen.

  • Sicherheit und Orientierung: Erfahrene Hospizbegleiter kennen den Sterbeprozess. Sie können Angehörigen erklären, welche körperlichen Veränderungen (z.B. Veränderungen der Atmung, Unruhe, Rückzug) normal sind und nehmen so die Angst vor dem Unbekannten.

Eine Tochter sitzt entspannt auf dem Sofa und atmet durch, während im Hintergrund der Pflegebedürftige betreut wird

Wichtige Auszeiten für pflegende Angehörige

Schritt für Schritt: So finden und beauftragen Sie einen ambulanten Hospizdienst

Die Organisation von Unterstützung in einer emotionalen Ausnahmesituation kann überfordernd wirken. Die folgenden Schritte helfen Ihnen, den Prozess strukturiert anzugehen:

  1. Bedarf erkennen und ansprechen: Sprechen Sie mit dem erkrankten Angehörigen (sofern möglich), dem Hausarzt oder dem behandelnden Pflegedienst über den Wunsch nach hospizlicher Begleitung.

  2. Recherche vor Ort: Ambulante Hospizdienste sind regional organisiert. Suchen Sie im Internet nach "Ambulanter Hospizdienst [Ihr Wohnort]" oder fragen Sie bei Wohlfahrtsverbänden (Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz) sowie beim örtlichen Palliativnetzwerk nach.

  3. Erste Kontaktaufnahme: Rufen Sie beim Hospizdienst an. Sie erreichen dort in der Regel die hauptamtlichen Koordinatoren. Schildern Sie kurz Ihre Situation.

  4. Das Erstgespräch (Assessment): Ein Koordinator oder eine Koordinatorin wird zeitnah zu Ihnen nach Hause kommen. Dieses Gespräch dient dem gegenseitigen Kennenlernen. Es wird geklärt, welche Wünsche der Patient hat, wo die Angehörigen Entlastung brauchen und welche Rahmenbedingungen herrschen.

  5. Die Vermittlung (Matching): Basierend auf dem Erstgespräch wählt die Koordination einen passenden ehrenamtlichen Hospizbegleiter aus. Dabei wird auf gemeinsame Interessen, Sympathie und fachliche Eignung für das spezifische Krankheitsbild geachtet.

  6. Der erste Besuch: Der ehrenamtliche Begleiter kommt zum ersten Mal ins Haus, oft begleitet vom Koordinator. Wenn die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt, werden regelmäßige Besuchszeiten (meist 1-2 Mal pro Woche für einige Stunden) vereinbart.

Praktische Vorbereitungen für das Hospiz zu Hause

Damit die letzte Lebensphase zu Hause so angenehm und sicher wie möglich gestaltet werden kann, bedarf es neben der menschlichen Begleitung auch einer Anpassung des Wohnumfeldes. Wenn die Mobilität des Patienten abnimmt und die Pflegebedürftigkeit steigt, sollten rechtzeitig entsprechende Hilfsmittel organisiert werden. Ein ambulanter Hospizdienst berät Sie hierzu oft in Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst.

Folgende Aspekte und Hilfsmittel sind in der palliativen häuslichen Versorgung besonders wichtig:

  • Das Pflegebett: Ein höhenverstellbares Pflegebett (Krankenbett) ist unerlässlich. Es erleichtert dem Patienten das Aufstehen, ermöglicht eine bequeme Positionierung (z.B. bei Atemnot) und schont den Rücken der pflegenden Angehörigen.

  • Anti-Dekubitus-Matratze: Da schwerstkranke Menschen viel Zeit im Bett verbringen, ist eine spezielle Matratze zur Vermeidung von Druckgeschwüren (Dekubitus) zwingend notwendig.

  • Hausnotruf: Ein Hausnotrufsystem bietet Sicherheit, wenn der Patient zeitweise allein ist oder die Angehörigen im Nebenzimmer schlafen. Auf Knopfdruck kann sofort Hilfe gerufen werden.

  • Hilfsmittel für die Körperpflege: Ein Badewannenlift, ein Duschstuhl oder ein Toilettenstuhl erleichtern die tägliche Hygiene enorm und wahren die Würde des Patienten.

  • Sauerstoffgerät und Absaugpumpe: Je nach Krankheitsbild (z.B. bei schweren Lungenerkrankungen) werden diese medizinischen Geräte vom Arzt verordnet und von Sanitätshäusern geliefert.

  • Barrierefreiheit: Oft sind kleine Anpassungen hilfreich, wie das Entfernen von Stolperfallen (Teppiche) oder die Installation von Haltegriffen. Bei längerfristigen Verläufen kann ein geförderter, barrierefreier Badumbau sinnvoll sein. Die Pflegekasse gewährt hierfür Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme zur Wohnumfeldverbesserung.

Modernes, höhenverstellbares Pflegebett in einem hellen Schlafzimmer
Hausnotruf-Gerät mit rotem Knopf auf einem Holz-Nachttisch
Helles, barrierefreies Badezimmer mit ebenerdiger Dusche und Haltegriffen

Ein Pflegebett erleichtert die Betreuung zu Hause

Rechtliche Vorsorge: Selbstbestimmung am Lebensende

Ein zentrales Thema, das die Koordinatorinnen des ambulanten Hospizdienstes oft beim Erstgespräch ansprechen, ist die rechtliche Vorsorge. Für ein würdevolles Sterben zu Hause ist es entscheidend, dass der Wille des Patienten respektiert wird, auch wenn er sich selbst nicht mehr äußern kann.

Drei Dokumente sind in dieser Phase von herausragender Bedeutung:

1. Die Patientenverfügung:
In der Patientenverfügung legt der Patient schriftlich fest, welche medizinischen Maßnahmen er in bestimmten Situationen wünscht und welche er ablehnt. Hier wird beispielsweise geregelt, ob in der finalen Sterbephase noch lebensverlängernde Maßnahmen (wie künstliche Ernährung über eine Magensonde oder maschinelle Beatmung) durchgeführt werden sollen oder ob eine rein palliative (lindernde) Behandlung gewünscht ist.

2. Die Vorsorgevollmacht:
Mit einer Vorsorgevollmacht benennt der Patient eine oder mehrere Vertrauenspersonen, die für ihn Entscheidungen treffen dürfen, wenn er selbst nicht mehr einwilligungsfähig ist. Dies umfasst medizinische, finanzielle und organisatorische Angelegenheiten. Ohne eine solche Vollmacht dürfen selbst Ehepartner oder erwachsene Kinder nicht automatisch für den Patienten entscheiden – in diesem Fall müsste erst ein rechtlicher Betreuer gerichtlich bestellt werden, was wertvolle Zeit kostet.

3. Die Betreuungsverfügung:
Für den Fall, dass doch eine gerichtliche Betreuung notwendig wird, kann in der Betreuungsverfügung festgelegt werden, wen das Gericht als Betreuer einsetzen soll (und wen ausdrücklich nicht).

Der ambulante Hospizdienst leistet hier wertvolle Aufklärungsarbeit, verweist auf entsprechende Beratungsstellen und ermutigt die Familien, diese wichtigen Dokumente rechtzeitig auszufüllen und gut auffindbar aufzubewahren. Im Notfall muss der herbeigerufene Notarzt sofort Zugriff auf die Patientenverfügung haben, um im Sinne des Patienten handeln zu können.

Unterstützung nach dem Tod: Die Trauerbegleitung

Die Aufgabe des ambulanten Hospizdienstes endet nicht in dem Moment, in dem der Patient verstirbt. Der Tod markiert für die Angehörigen den Beginn eines neuen, oft schmerzhaften Weges: der Trauer. Der Hospizdienst bietet den Hinterbliebenen auch in dieser Zeit einen sicheren Anker.

Viele ambulante Hospizdienste verfügen über speziell ausgebildete Trauerbegleiter. Die Angebote sind vielfältig und richten sich nach den individuellen Bedürfnissen der Trauernden:

  • Einzelgespräche: Vertrauliche Gespräche mit einem Trauerbegleiter, um den Schmerz zu verarbeiten und Wege zurück ins Leben zu finden.

  • Trauercafés oder Trauergruppen: Geschützte Räume, in denen sich Betroffene mit anderen Hinterbliebenen austauschen können. Das Gefühl, mit seinem Schmerz "nicht allein" zu sein, wird von vielen als extrem heilsam empfunden.

  • Trauerspaziergänge: Bewegung in der Natur kombiniert mit Gesprächen in einer lockeren Atmosphäre.

  • Spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche: Wenn Kinder einen Elternteil oder Großelternteil verlieren, trauern sie anders als Erwachsene. Viele Dienste bieten hierfür altersgerechte Trauergruppen an.

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Checkliste: Ist ein ambulanter Hospizdienst das Richtige für uns?

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie sich an einen Hospizdienst wenden sollen, kann Ihnen die folgende Checkliste bei der Entscheidungsfindung helfen. Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit "Ja" beantworten, ist eine unverbindliche Kontaktaufnahme sehr zu empfehlen:

  • Wurde bei Ihrem Angehörigen eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung diagnostiziert?

  • Hat der behandelnde Arzt mitgeteilt, dass die medizinische Behandlung nun primär palliativ (lindernd) und nicht mehr kurativ (heilend) ausgerichtet ist?

  • Wünscht sich Ihr Angehöriger ausdrücklich, die letzte Lebenszeit zu Hause zu verbringen?

  • Fühlen Sie sich als pflegender Angehöriger emotional oder körperlich erschöpft und wünschen sich jemanden zum Reden, der nicht zur Familie gehört?

  • Fehlt Ihnen die Zeit, um einfach nur in Ruhe am Bett Ihres Angehörigen zu sitzen, weil Pflege und Haushalt Ihre ganze Kraft fordern?

  • Haben Sie Ängste bezüglich des bevorstehenden Sterbeprozesses und wünschen sich erfahrene Ansprechpartner, die Ihnen erklären, was auf Sie zukommt?

  • Benötigen Sie stundenweise Entlastung, um eigene Termine wahrnehmen zu können, während Ihr Angehöriger gut betreut wird?

Checkliste: Vorbereitung auf das Erstgespräch mit dem Koordinator

Wenn Sie einen Termin für ein Erstgespräch mit dem ambulanten Hospizdienst vereinbart haben, können Sie sich mit diesen Punkten vorbereiten:

  • Medizinische Situation: Legen Sie aktuelle Arztbriefe, den Medikamentenplan und Kontaktdaten des Hausarztes sowie des Pflegedienstes bereit.

  • Dokumente: Halten Sie Kopien der Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht bereit (falls bereits vorhanden).

  • Bedürfnisse des Patienten: Was mag der Patient besonders gern? (Bestimmte Musik, Vorlesen, Gespräche über die Vergangenheit, oder lieber Stille?)

  • Bedürfnisse der Angehörigen: An welchen Tagen oder zu welchen Uhrzeiten benötigen Sie am dringendsten Entlastung?

  • Ängste und Sorgen: Notieren Sie sich vorab alle Fragen, die Ihnen auf dem Herzen liegen. Es gibt keine falschen oder dummen Fragen.

Fazit: Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen

Die Entscheidung, einen geliebten Menschen zu Hause auf seinem letzten Weg zu begleiten, ist ein Akt tiefer Liebe und Verbundenheit. Es ist jedoch auch ein Weg, der Angehörige an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit bringen kann. Das Hospiz zu Hause in Form eines ambulanten Hospizdienstes bietet hier ein unschätzbar wertvolles Netz der Sicherheit, der Empathie und der praktischen Entlastung.

Durch das Zusammenspiel von engagierten, hervorragend geschulten Ehrenamtlichen, professionellen Koordinatoren, Hausärzten, Pflegediensten und der spezialisierten Palliativversorgung (SAPV) wird es möglich, Schmerzen zu lindern, Ängste aufzufangen und dem Sterbenden ein würdevolles Abschiednehmen in seiner vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Die Tatsache, dass diese Leistungen über § 39a SGB V gefördert werden und für die Familien kostenfrei sind, stellt sicher, dass diese würdevolle Begleitung keine Frage des Geldes.

Zögern Sie nicht, frühzeitig Kontakt zu einem ambulanten Hospizdienst in Ihrer Nähe aufzunehmen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe anzunehmen – im Gegenteil: Es ist ein Zeichen von Verantwortung gegenüber dem erkrankten Menschen und gegenüber sich selbst. Die ehrenamtlichen Begleiter bringen Zeit, Ruhe und ein offenes Herz mit in Ihr Zuhause. Sie helfen dabei, dem Leben nicht einfach nur mehr Tage zu geben, sondern den verbleibenden Tagen mehr Leben, Würde und Frieden zu verleihen.

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Häufige Fragen zum Hospizdienst

Wichtige Antworten auf einen Blick

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