Schwere Infektionen erhöhen das Demenzrisiko deutlich
Haben schwere Infektionen einen direkten Einfluss auf unser Gedächtnis? Eine groß angelegte Untersuchung liefert nun besorgniserregende, aber auch aufschlussreiche Antworten. Wer im Alter schwere Infektionskrankheiten durchmacht, hat offenbar ein messbar höheres Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Dies belegt eine umfassende Registerstudie, die den Zusammenhang zwischen unserem Immunsystem und dem geistigen Abbau neu beleuchtet.
Die Erkenntnisse der Forscher
Laut Forschern der Universität Helsinki und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock besteht ein klarer, statistisch belegbarer Zusammenhang. Für die im renommierten Fachmagazin PLOS Medicine veröffentlichte Studie wurden die Krankenakten von über 62.000 Menschen im Alter von über 65 Jahren ausgewertet, die zwischen 2017 und 2020 eine Demenzdiagnose erhielten. Diese historischen Gesundheitsdaten wurden mit den Verläufen von rund 312.000 demenzfreien Kontrollpersonen verglichen.
Das entscheidende Ergebnis: Bestimmte Infektionskrankheiten erhöhen das Demenzrisiko signifikant. Die Wissenschaftler konnten zudem nachweisen, dass dieser Effekt weitgehend unabhängig von anderen Vorerkrankungen oder allgemeinen Alterserscheinungen auftritt. Infektionen stellen demnach einen eigenständigen Risikofaktor dar.
Welche Infektionen das Risiko besonders treiben
Nicht jeder harmlose Schnupfen ist ein Grund zur Sorge. Die Studie fokussierte sich auf schwere Infektionsverläufe, die den Körper stark belasten. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei massiven bakteriellen Infektionen:
- Harnwegsinfektionen: Schwere Blasen- und Harnwegsinfekte steigern das Risiko für eine spätere Demenzerkrankung um etwa 19 Prozent.
- Bakterielle Allgemeininfektionen: Auch schwere Infektionen in anderen Körperregionen zeigten einen ähnlich negativen Effekt auf die spätere Gehirngesundheit.
Im Durchschnitt traten diese schweren Infekte fünf bis sechs Jahre vor der eigentlichen Demenzdiagnose auf. Da sich eine Demenz oft über Jahrzehnte schleichend entwickelt, vermuten die Experten, dass die Infektionen den zugrunde liegenden geistigen Verfall und entzündliche Prozesse im Gehirn massiv beschleunigen.
Wie Erreger das Gehirn schädigen könnten
Wie genau eine Infektion im Körper das Gehirn angreift, wird in der Wissenschaft intensiv diskutiert. Eine führende Theorie besagt, dass starke Entzündungsreaktionen des Immunsystems im restlichen Körper auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden und im Gehirn Mikroentzündungen auslösen können. Diese Entzündungen könnten die Bildung der für Alzheimer und andere Demenzformen typischen Eiweißablagerungen (Plaques) fördern, da das Gehirn versucht, sich gegen die vermeintlichen Eindringlinge zu wehren.
Prävention als bester Schutz
Die neuen Erkenntnisse bieten jedoch auch einen konkreten Ansatz zur Vorbeugung. Wenn Infektionen den geistigen Abbau beschleunigen, wird der Schutz vor eben diesen Erregern umso wichtiger. Gesundheitsexperten raten daher zu folgenden Maßnahmen:
- Impfschutz prüfen: Impfungen gegen Infektionskrankheiten wie Gürtelrose (Herpes Zoster), Grippe oder Pneumokokken können nicht nur vor der akuten Erkrankung schützen, sondern potenziell auch das Demenzrisiko senken.
- Infekte ernst nehmen: Gerade im Alter sollten Harnwegsinfekte oder Atemwegserkrankungen frühzeitig und konsequent ärztlich behandelt werden, um schwere Verläufe zu verhindern.
- Allgemeine Risikofaktoren minimieren: Ein gesunder Lebensstil mit der Kontrolle von Blutdruck, Cholesterinspiegel und der Vermeidung von Übergewicht bleibt das zentrale Fundament der Demenzprävention.
Die Studie unterstreicht eindrucksvoll, dass Körper und Geist untrennbar miteinander verbunden sind. Der Schutz vor schweren Infektionen ist somit nicht nur eine Maßnahme für die körperliche Gesundheit, sondern auch ein aktiver Schutz für unser Gedächtnis.
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