„Stilles Sterben“: Bündnis fordert Hitzeschutz als festen Teil des Katastrophenschutzes

Djamal Sadaghiani
Hitzeschutz im Katastrophenschutz: Bündnis schlägt Alarm

Deutschland ist auf extreme Hitzeperioden nicht ausreichend vorbereitet. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt ein breites Bündnis aus über 150 Institutionen des Gesundheitswesens, der Pflege, der Wohlfahrt und der Zivilgesellschaft. Anlässlich des 4. bundesweiten Hitzeaktionstages am 11. Juni 2026 fordern die Akteure ein radikales Umdenken: Hitzeschutz muss zwingend und verbindlich in den nationalen Katastrophenschutz integriert werden.

Hitze als „Katastrophe in Zeitlupe“

Während bei Hochwasser oder schweren Stürmen sofort Krisenstäbe zusammentreten und Notfallpläne greifen, fehlt es bei extremen Temperaturanstiegen an verbindlichen Strukturen. Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), bezeichnet extreme Hitze treffend als eine Katastrophe in Zeitlupe. Es handele sich um ein stilles Sterben, bei dem die wahren Ausmaße und die steigenden Todeszahlen oft erst im Nachhinein sichtbar werden.

Auch die Bundesärztekammer warnt eindringlich vor den Folgen. Laut deren Präsidenten Klaus Reinhardt stellen längere und intensivere Hitzeperioden besonders für ältere, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen eine massive lebensbedrohliche Belastung dar. Krankenhäuser, Pflegeheime und Arztpraxen müssen in die Lage versetzt werden, auch unter klimatischen Extrembedingungen voll leistungsfähig zu bleiben.

Die zentralen Forderungen des Bündnisses

Zu den Initiatoren des Aufrufs gehören neben der Bundesärztekammer und KLUG unter anderem die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat sowie der GKV-Spitzenverband. Um die Resilienz des deutschen Gesundheitssystems zu stärken, stellt das Bündnis klare Forderungen an die Politik:

  • Verbindliche Krisenpläne: Hitzeschutz muss rechtlich im Zivil- und Katastrophenschutz verankert werden.
  • Klare Zuständigkeiten: Es bedarf definierter Verantwortlichkeiten auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene.
  • Finanzielle Unterstützung: Kliniken und Pflegeeinrichtungen benötigen gezielte Fördergelder für bauliche Anpassungen und Klimakonzepte.
  • Schutz vulnerabler Gruppen: Der Aufbau effektiver sozialer Schutzstrukturen für Risikopatienten muss höchste Priorität haben.

Klimatische Entwicklung verschärft den Handlungsdruck

Dass die Zeit drängt, untermauern aktuelle meteorologische Daten. Wie der Meteorologe Karsten Schwanke betont, wurde die globale Erwärmungsmarke von 1,5 Grad bereits im Jahr 2024 erstmals überschritten. Die Entwicklung verlaufe nicht linear, sondern beschleunige sich rasant. Für Deutschland bedeutet dies in naher Zukunft nicht nur mehr klassische Hitzetage über 30 Grad, sondern auch eine deutliche Zunahme von Extremtemperaturen jenseits der 40-Grad-Marke.

Die Pflege steht an vorderster Front

Gerade für den Pflegebereich ist die Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen eine enorme Herausforderung. Pflegekräfte arbeiten bei Rekordtemperaturen oft an der Belastungsgrenze, während sie gleichzeitig stark gefährdete Senioren versorgen müssen. Ohne eine strukturelle und finanzielle Rückendeckung durch die Politik – etwa für den Einbau von Kühlsystemen oder die Anpassung von Personalschlüsseln an Hitzetagen – droht die Versorgungslage in den Sommermonaten zu kollabieren. Das Bündnis macht deutlich: Hitzeschutz ist keine optionale Wohlfühlmaßnahme mehr, sondern eine elementare Überlebensfrage.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.