Studiengang für Pflegepädagogik gestoppt: Verbände schlagen Alarm
Inmitten des bundesweiten Fachkräftemangels im Gesundheitswesen sorgt eine überraschende Entscheidung in der Hansestadt Hamburg für heftige Kritik aus der Pflegebranche. Der Senat hat die finanziellen Mittel für den Masterstudiengang „Pflege- und Therapiewissenschaften“ gestrichen, der gemeinsam von der Universität Hamburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) angeboten wird. Damit wird der einzige Qualifizierungsweg für künftige Pflegelehrkräfte an staatlichen Hochschulen in der Stadt vorerst auf Eis gelegt.
Rückschlag für die dringend benötigte Ausbildung
Die Entscheidung trifft vor allem die Bewerberinnen und Bewerber völlig unvorbereitet. Mehr als 30 Pflegefachkräfte, die sich für das anstehende Wintersemester qualifizieren wollten, erhielten nur wenige Wochen vor Vorlesungsbeginn eine Absage. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest bezeichnete das Vorgehen als gefährlichen bildungspolitischen Rückschritt. Es werde genau dort gespart, wo die Zukunftsfähigkeit der pflegerischen Versorgung entschieden wird: bei den Dozentinnen und Lehrkräften von morgen.
Gesetzliche Fristen erhöhen den Druck auf Pflegeschulen
Das Problem reicht weit über die aktuelle Semesterplanung hinaus. Nach dem Pflegeberufegesetz ist für die Lehre an Pflegeschulen künftig zwingend ein einschlägiger Masterabschluss erforderlich. Zwar existiert derzeit noch eine Übergangsregelung für Lehrkräfte mit alternativen Abschlüssen, diese läuft jedoch Ende 2029 verbindlich aus. Bis 2030 müssen sich viele derzeit unterrichtende Lehrkräfte formell nachqualifizieren, um ihren Unterricht an den Pflegeschulen fortführen zu dürfen.
- Fehlende Lehrkräfte: Ohne qualifizierte Pflegepädagogen können Pflegeschulen bestehende Ausbildungskapazitäten nicht aufrechterhalten.
- Drohender Engpass: Wenn Nachqualifizierungen wegfallen, riskieren Pflegeschulen ab 2030 akute Personalengpässe beim Lehrpersonal.
- Ausweichen auf Privatsektor: Interessierten Pflegekräften bleibt künftig oft nur der Weg an teure private Bildungseinrichtungen.
Forderung nach nachhaltiger Finanzierung
Berufsverbände und Bildungsexperten fordern die Politik eindringlich auf, den Sparkurs bei der Pflegeausbildung umgehend zu revidieren. Um dem steigenden Versorgungsbedarf gerecht zu werden, bedarf es einer verlässlichen und langfristigen Förderung universitärer Ausbildungswege im Pflegebereich. Eine zukunftsfeste Pflegeversorgung beginnt im Seminarraum – fallen dort die Grundlagen weg, verschärft sich der Pflegenotstand in Kliniken und Pflegeeinrichtungen in den kommenden Jahren noch weiter.
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