Tödlicher Medikamenten-Mix: Warnung vor SSRI und Antipsychotika
Die gleichzeitige Einnahme verschiedener Psychopharmaka gehört in der Pflege und Betreuung älterer Menschen oft zum Alltag. Doch eine neue, groß angelegte Kohortenstudie warnt nun eindringlich: Die Kombination aus selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), die häufig als Antidepressiva eingesetzt werden, und Antipsychotika birgt ein erhebliches Gesundheitsrisiko. Patienten, die beide Medikamentengruppen erhalten, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere ventrikuläre Arrhythmien und den plötzlichen Herztod.
Gefährliche Wechselwirkung am Herzen
Wie ein internationales Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und der National Taiwan University in Taipeh im renommierten Fachjournal JAMA Network Open berichtet, greifen beide Medikamentenklassen tief in die elektrischen Prozesse des Herzens ein. Sowohl SSRI als auch Antipsychotika können den sogenannten Kaliumstrom im Herzmuskel hemmen. Dies führt zu einer gefährlichen Verlängerung der QT-Zeit im EKG.
Die Forscher warnen, dass diese elektrophysiologische Störung lebensgefährliche Torsade-de-pointes-Tachykardien auslösen kann. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Herzrhythmusstörung, die rasch in Kammerflimmern und letztlich in den plötzlichen Herztod übergehen kann.
Deutlich erhöhtes Risiko in aktuellen Daten
Für die Studie werteten die Wissenschaftler riesige Datensätze von Krankenversicherungen aus den USA (2010 bis 2023) und Taiwan (2010 bis 2021) aus. Die Ergebnisse sind besorgniserregend:
- In den USA stieg das Risiko für schwerwiegende Herzereignisse bei der Kombination beider Wirkstoffgruppen um das 1,5-Fache an.
- In den taiwanesischen Datensätzen war das Risiko sogar um das 3,3-Fache erhöht.
- Besonders auffällig waren die SSRI-Wirkstoffe Citalopram und Escitalopram, bei denen sich das Risiko für gefährliche Arrhythmien mehr als verdoppelte.
Was bedeutet das für den Pflegealltag?
Obwohl medikamentenbedingte ventrikuläre Arrhythmien insgesamt selten sind, stufen die Experten sie als extrem schwerwiegendes Sicherheitsrisiko ein. Für Pflegekräfte, behandelnde Ärzte und pflegende Angehörige bedeutet dies vor allem erhöhte Wachsamkeit. Wenn die Einnahme beider Medikamentenklassen medizinisch unumgänglich ist, empfehlen Mediziner strenge Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehören regelmäßige EKG-Kontrollen zur Überwachung der QT-Zeit sowie die genaue Beobachtung des Elektrolythaushalts, da beispielsweise ein Kaliummangel das Risiko weiter drastisch erhöhen kann.
Besondere Vorsicht gilt bei älteren Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei denen die Toleranzgrenze für medikamentöse Nebenwirkungen ohnehin stark herabgesetzt ist. Medikamentenpläne sollten daher regelmäßig kritisch hinterfragt und gegebenenfalls angepasst werden, um lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden.
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