Unerkannte Gefahr: MRT-Daten zeigen alarmierend hohe Dunkelziffer bei Herzinsuffizienz

Benedikt Hübenthal
Herzinsuffizienz in Deutschland: NAKO-Studie enthüllt hohe Dunkelziffer

Herzschwäche, medizinisch als Herzinsuffizienz bezeichnet, gilt als eine der häufigsten Volkskrankheiten. Doch wie viele Menschen tatsächlich davon betroffen sind, wurde bislang offenbar deutlich unterschätzt. Neue Auswertungen der groß angelegten NAKO-Gesundheitsstudie, die kürzlich auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vorgestellt wurden, werfen ein völlig neues Licht auf die Verbreitung der Erkrankung in Deutschland.

Die unsichtbare Gefahr im Brustkorb

Die Brisanz der neuen Erkenntnisse liegt in der Methode der Datenerhebung. Bislang stützten sich viele Statistiken auf die Selbstauskünfte von Patientinnen und Patienten oder auf ärztliche Diagnosen im Rahmen von Routineuntersuchungen. Wie Dr. Susanne Rospleszcz vom Universitätsklinikum Freiburg auf dem Kardiologen-Kongress erklärte, zeichnet der systematische Einsatz moderner Bildgebungsverfahren jedoch ein weitaus dramatischeres Bild der tatsächlichen Gesundheitslage.

MRT-Aufnahmen entlarven erschreckende Dunkelziffer

Die Forschenden analysierten umfangreiche Daten aus der NAKO-Gesundheitsstudie, bei der unter anderem hochauflösende Magnetresonanztomografien (MRT) des Herzens bei tausenden Teilnehmern durchgeführt wurden. Das überraschende Ergebnis: Die durch das MRT objektiv detektierte Herzinsuffizienz übertraf die Zahl der selbstberichteten Fälle drastisch. Dies bedeutet, dass unzählige Menschen in Deutschland mit einer eingeschränkten Pumpfunktion des Herzens oder gefährlichen Veränderungen der Herzstruktur leben, ohne jemals eine offizielle Diagnose erhalten zu haben.

Warum so viele Fälle unentdeckt bleiben

Dass eine Herzinsuffizienz lange Zeit unbemerkt bleibt, liegt oft an der schleichenden Entwicklung der Symptome. Viele Betroffene schieben erste Anzeichen auf das zunehmende Alter, mangelnde Fitness oder vorübergehenden Stress. Zu den typischen, im Frühstadium oft ignorierten Warnsignalen gehören:

  • Zunehmende Kurzatmigkeit, besonders bei körperlicher Belastung, beim Treppensteigen oder flach im Liegen
  • Unerklärliche Müdigkeit, Schwäche und rasche Erschöpfung im Alltag
  • Wassereinlagerungen (Ödeme), häufig erkennbar an geschwollenen Beinen, Knöcheln oder Füßen
  • Nächtlicher Husten oder ein diffuses Druckgefühl in der Brust

Früherkennung als Schlüssel zur Prävention

Die neuen Studiendaten unterstreichen die dringende Notwendigkeit, kardiologische Screenings in der Breite zu verbessern. MRT-Untersuchungen liefern zwar extrem präzise Bilder der Herzstruktur und -funktion und können Zwischenzustände auf dem Weg zur manifesten Krankheit sichtbar machen, sind aber für den klinischen Alltag oft zu ressourcenintensiv. Forschergruppen arbeiten daher intensiv daran, mithilfe von Künstlicher Intelligenz Routineuntersuchungen wie das einfache EKG oder den Herzultraschall (Echokardiografie) so zu optimieren, dass auch sie feine Veränderungen zuverlässig erkennen.

Für die gesundheitliche Aufklärung in Deutschland ist die Botschaft klar: Die Sensibilität für die schleichenden Symptome einer Herzschwäche muss sowohl bei Patienten als auch in den Hausarztpraxen deutlich geschärft werden. Nur durch eine frühzeitige Diagnose lassen sich schwere Verläufe abmildern, Krankenhausaufenthalte vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen langfristig sichern.

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