Vorsorge unter Spardruck: Kassen und Ärzte verhandeln über Screenings

Djamal Sadaghiani
Früherkennung und Vorsorge: Kassen und Ärzte verhandeln über Finanzierung

Früherkennungsuntersuchungen gehören zu den wirksamsten Instrumenten der modernen Medizin: Je eher Krebserkrankungen oder Risikofaktoren erkannt werden, desto besser stehen die Heilungschancen. Doch hinter den Kulissen des Gesundheitswesens schwelt ein ernster Konflikt über die künftige Bezahlung dieser lebenswichtigen Leistungen. Im November kommen Vertreter der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) an den Verhandlungstisch, um über die Vergütung von Präventionsprogrammen zu beraten.

Budgetierung ab 2027 sorgt für Alarmstimmung

Hintergrund der anstehenden Verhandlungen sind die finanziellen Weichenstellungen der Bundespolitik. Nach den Vorgaben zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung sollen ab dem Jahr 2027 Leistungen, die bislang extrabudgetär und somit in voller Höhe vergütet wurden, wieder festen Budgets unterliegen. Für Arztpraxen bedeutet dies ein erhebliches wirtschaftliches Risiko: Werden Untersuchungen gedeckelt, drohen Honorarkürzungen, sobald ein bestimmtes Kontingent überschritten ist.

Die Ärzteschaft schlägt deshalb Alarm. Wenn präventive Leistungen in die sogenannte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung zurückgeholt werden, fehlt den Praxen die Planungssicherheit, um Screening-Angebote flächendeckend und in hoher Qualität aufrechtzuerhalten. Neben gynäkologischen Untersuchungen wie der Schwangerenvorsorge stehen auch weitere etablierte Früherkennungsprogramme vor großen finanziellen Fragezeichen.

Mammografie-Screening ab 45 Jahren verschärft die Lage

Besonders brisant ist die Lage beim Mammografie-Screening. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat unlängst beschlossen, das Programm auf Frauen ab 45 Jahren auszuweiten. Nach Berechnungen der KBV erhalten dadurch künftig rund 2,4 Millionen Frauen in Deutschland zusätzlich Anspruch auf die regelmäßige Untersuchung zur Brustkrebs-Früherkennung. Während Frauen ab August 2027 eigene Termine vereinbaren können und ab 2028 reguläre Einladungen folgen sollen, ist die Honorierung dieser enormen Leistungssteigerung völlig ungeklärt.

Ärzte fordern klares Bekenntnis zur Prävention

Aus Sicht der KBV-Spitze passt der politische Sparkurs nicht zu den wiederholten Bekenntnissen, Prävention in Deutschland stärken zu wollen. Ein Ausbau von Programmen bei gleichzeitiger Deckelung der Mittel drohe sinnvolle Vorsorgeansätze auszubremsen. Ärztinnen und Ärzte fordern daher eine verlässliche und dauerhaft extrabudgetäre Finanzierung für alle Screening-Leistungen, damit Praxen nicht auf den Kosten für die Vorsorge ihrer Patientinnen sitzenbleiben.

Worauf sich Patienten einstellen müssen

Die Verhandlungen am 18. November gelten als richtungsweisend für die Versorgung in den kommenden Jahren. Gelingt keine tragfähige Einigung zwischen den Vertragsparteien, befürchten Mediziner längere Wartezeiten auf Untersuchungstermine sowie Engpässe in spezialisierten Praxen. Für gesetzlich Versicherte steht damit viel auf dem Spiel: Sie sind darauf angewiesen, dass präventive Screenings auch in Zukunft unkompliziert, wohnortnah und zeitnah in Anspruch genommen werden können.

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