Warnung vom Ärztetag: Mangelhafte Digitalisierung gefährdet Patienten

Djamal Sadaghiani
Ärztetag warnt: Schlechte Digitalisierung gefährdet Patientensicherheit

Die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen sollte eigentlich alles einfacher machen: schnellere Abläufe, weniger Papierkram und vor allem mehr Zeit für die Patienten und Pflegebedürftigen. Doch die Realität in vielen Kliniken, Pflegeheimen und Arztpraxen sieht oft anders aus. Anstatt das medizinische und pflegerische Personal zu entlasten, wird die IT zunehmend zu einem unberechenbaren Risikofaktor.

Digitale Hürden statt Erleichterung im Alltag

Auf dem 130. Deutschen Ärztetag wurde nun eine deutliche Warnung ausgesprochen: Defizite bei der Einführung und Nutzung digitaler Anwendungen in der medizinischen Versorgung stellen mittlerweile eine ernsthafte Gefährdung für die Patientensicherheit dar. Wenn Systeme abstürzen, Daten nicht korrekt übertragen werden oder die Bedienung der Software so kompliziert ist, dass Fehler provoziert werden, steht am Ende das Wohl der Patienten auf dem Spiel.

Die drei größten IT-Baustellen im Gesundheitswesen

Die Delegierten des Ärztetags haben klare Schwachstellen identifiziert, die dringend behoben werden müssen:

  • Mangelhafte Usability (Nutzerfreundlichkeit): Pflegekräfte und Ärzte klagen oft über unübersichtliche und schwerfällige Software. Wenn wichtige Informationen in Notfallsituationen nicht sofort auffindbar sind, geht wertvolle Zeit verloren.
  • Fehlende Stabilität: Regelmäßige Systemausfälle oder extrem langsame Ladezeiten stören nicht nur den Betriebsablauf, sondern können im schlimmsten Fall lebenswichtige Behandlungen verzögern.
  • Schlechte Interoperabilität: Unterschiedliche Systeme können oft nicht miteinander kommunizieren. Wenn das Krankenhaus nicht nahtlos auf die elektronische Patientenakte oder die Daten des Pflegeheims zugreifen kann, entstehen gefährliche Informationslücken – etwa bei der Medikamentengabe.

Forderungen nach strengerer Regulierung und Qualitätssicherung

Um diese Missstände zu beheben, fordert der Deutsche Ärztetag ein radikales Umdenken. Die Aspekte Nutzerfreundlichkeit, Systemstabilität und die nahtlose Kommunikation zwischen verschiedenen Programmen dürfen nicht länger als bloße Wünsche an die Softwarehersteller betrachtet werden. Sie müssen systematisch in die gesetzliche Regulierung, die staatliche Förderung und die strenge Qualitätssicherung von Gesundheits-IT integriert werden.

Für die Entwickler von medizinischer Software bedeutet dies, dass sie ihre Produkte künftig viel stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Praxis ausrichten müssen. Software im Gesundheitswesen muss den Stresstest des realen Pflege- und Klinikalltags bestehen, bevor sie flächendeckend zum Einsatz kommt.

Was das für die Pflege bedeutet

Besonders in der Pflege, wo der Fachkräftemangel ohnehin für eine extrem hohe Arbeitsbelastung sorgt, ist funktionierende Technik unerlässlich. Pflegekräfte verbringen aktuell einen erheblichen Teil ihrer Schicht mit Dokumentationsaufgaben. Wenn die dafür vorgesehenen digitalen Werkzeuge fehlerhaft oder umständlich sind, fehlt diese Zeit direkt am Bett des Pflegebedürftigen. Eine nutzerzentrierte, fehlerfreie Digitalisierung ist daher nicht nur eine Frage des Komforts am Arbeitsplatz, sondern ein fundamentaler Baustein für eine sichere, effiziente und würdevolle Pflege.

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