WHO widerspricht deutschen Experten: Masern-Elimination vorerst gescheitert

Dominik Hübenthal
WHO vs. RKI: Deutschland verpasst Masern-Elimination

Deutschland stand kurz vor einem historischen Meilenstein in der Gesundheitsversorgung: der offiziellen Ausrottung der Masern. Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diesem Ziel nun vorerst eine Absage erteilt. Grund dafür ist der anhaltende Nachweis einer bestimmten Virusvariante im Jahr 2024. Unter deutschen Experten sorgt diese Entscheidung jedoch für erhebliche Diskussionen.

Die strengen Kriterien der WHO

Um von der WHO offiziell als "masernfrei" eingestuft zu werden, muss ein Land strenge Vorgaben erfüllen. Die wichtigste Regel lautet: Eine endemische Übertragung – also die kontinuierliche Zirkulation ein und derselben Virusvariante – muss über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren unterbrochen sein.

Für die Jahre 2022 und 2023 hatte Deutschland diesen Nachweis bereits erfolgreich erbracht. Der Status der Elimination war zum Greifen nah. Doch im Jahr 2024 wurde landesweit durchgehend die Sequenzvariante D8-5963 nachgewiesen. Für die Regionale Verifizierungskommission der WHO war dies ein klares Zeichen dafür, dass die Infektionsketten nicht erfolgreich durchbrochen wurden.

NAVKO widerspricht der WHO-Einschätzung

Am Nationalen Referenzzentrum für Masern, Mumps, Röteln (NAVKO), das am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist, bewertet man die Lage völlig anders. Wie aus einem aktuellen Bericht im Epidemiologischen Bulletin hervorgeht, argumentieren die deutschen Fachleute, dass es sich bei den Fällen im Jahr 2024 nicht um eine einzige, ununterbrochene Infektionskette handelte.

Vielmehr hätten aufwendige Ganzgenomsequenzierungen gezeigt, dass das Infektionsgeschehen diffus war. Laut NAVKO handelte es sich um:

  • Mehrfache, voneinander unabhängige Virusimporte aus dem Ausland.
  • Zeitlich und räumlich streng begrenzte Ausbrüche.
  • Eng verwandte, aber nicht identische Übertragungsketten der D8-5963-Variante.

Datenlücken führen zur Ablehnung

Trotz der detaillierten molekularbiologischen Analysen der deutschen Experten blieb die WHO bei ihrer Entscheidung. Der Grund: Bei einigen sporadischen Masernfällen in Deutschland fehlten wichtige Daten. Es konnte nicht immer zweifelsfrei ermittelt werden, wo sich die betroffenen Personen angesteckt hatten, und es wurden nicht rechtzeitig Proben für eine genetische Untersuchung gewonnen.

Aufgrund dieser Datenlücken stufte die WHO die Beweisführung der NAVKO als unzureichend ein. Die logische, wenn auch bittere Konsequenz für das deutsche Gesundheitswesen: Der dreijährige Nachweiszeitraum für die Masern-Elimination muss wieder komplett von vorn beginnen.

Was bedeutet das für den Infektionsschutz in Deutschland?

Für eine erfolgreiche Masern-Elimination ist es laut Experten nicht zwingend erforderlich, dass überhaupt keine Erkrankungen mehr auftreten. Da das Masernvirus hochgradig ansteckend ist und leicht über die Luft übertragen wird, lassen sich importierte Fälle durch Reisende kaum vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, dass das Virus in der Bevölkerung auf eine so hohe Immunität trifft, dass sich keine neuen, langen Übertragungsketten bilden können.

Gesundheitsexperten betonen daher weiterhin die immense Wichtigkeit der Masernimpfung. Nur durch eine konstant hohe Impfquote von über 95 Prozent in der Bevölkerung kann sichergestellt werden, dass eingeschleppte Viren keine Chance haben, sich flächendeckend auszubreiten. Auch wenn der offizielle Stempel der WHO vorerst verwehrt bleibt, bleibt das Ziel der vollständigen Masern-Elimination eine der wichtigsten Prioritäten der deutschen Gesundheitspolitik.

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