Die Küche ist weit mehr als nur ein Ort der Nahrungszubereitung. Sie ist das Herzstück des Zuhauses, ein sozialer Treffpunkt und ein zentraler Raum für die tägliche Routine. Wenn im Alter die Beweglichkeit nachlässt, die Kraft schwindet oder ein Rollstuhl notwendig wird, verwandelt sich eine herkömmliche Küche jedoch schnell in einen Hindernisparcours. Zu hohe Schränke, unzugängliche Elektrogeräte und fehlende Bewegungsflächen schränken die Selbstständigkeit massiv ein. Ein seniorengerechter oder rollstuhlgerechter Umbau gibt Ihnen oder Ihren pflegebedürftigen Angehörigen ein großes Stück Unabhängigkeit und Lebensqualität zurück.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über die Planung, die Umsetzung und die Finanzierung einer barrierefreien Küche wissen müssen. Wir beleuchten die wichtigsten ergonomischen Anforderungen, stellen Ihnen intelligente technische Lösungen vor und zeigen Ihnen detailliert auf, wie Sie staatliche Fördermittel, wie etwa den Zuschuss der Pflegekasse in Höhe von 4.000 Euro, optimal für Ihr Vorhaben nutzen können.
Der Begriff "barrierefrei" wird im Alltag oft sehr allgemein verwendet. In der Bauplanung gibt es jedoch klare Definitionen, die in der DIN 18040-2 (Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 2: Wohnungen) rechtlich und technisch verankert sind. Diese Norm unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Standards:
Barrierefrei nutzbare Wohnungen: Diese sind für Menschen mit motorischen Einschränkungen, Seh- oder Hörbehinderungen sowie für ältere Menschen mit Rollatoren ausgelegt.
Rollstuhlgerecht nutzbare Wohnungen: Hier gelten noch strengere Vorgaben, insbesondere was die Bewegungsflächen, die Unterfahrbarkeit von Möbeln und die Greifhöhen betrifft.
Eine seniorengerechte Küche ist kein geschützter Begriff, meint aber in der Regel eine Küche, die an die altersbedingten Bedürfnisse angepasst ist. Das primäre Ziel eines jeden Umbaus muss es sein, dass alle Arbeitsabläufe – vom Vorbereiten über das Kochen bis hin zum Spülen – sicher, kräfteschonend und möglichst im Sitzen durchgeführt werden können.
Ausreichend Bewegungsfläche ist das Fundament jeder barrierefreien Küche.
Der erste und wichtigste Schritt bei der Planung einer barrierefreien Küche ist die Analyse des vorhandenen Raumes. Selbst die modernsten Schränke nützen wenig, wenn der Raum davor zu eng ist, um sich sicher zu bewegen.
Für Senioren, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, gelten folgende Richtwerte für die Bewegungsflächen:
Standard-Barrierefreiheit (z. B. mit Rollator): Vor den Küchenmöbeln und Geräten muss eine freie Bewegungsfläche von mindestens 120 x 120 Zentimetern vorhanden sein.
Rollstuhlgerechte Nutzung: Ein Rollstuhlfahrer benötigt zum Wenden deutlich mehr Platz. Hier schreibt die DIN-Norm eine Bewegungsfläche von 150 x 150 Zentimetern vor.
Durchgangsbreiten: Türen zur Küche sollten eine lichte Durchgangsbreite von mindestens 90 Zentimetern aufweisen. Schwellen sind zwingend zu vermeiden oder auf ein absolutes Minimum von maximal 2 Zentimetern zu reduzieren.
Bei der Anordnung der Küchenzeile haben sich L-Formen oder einzeilige Küchen am besten bewährt. Eine U-Form ist oft problematisch, da der innere Wendekreis für Rollstühle meist zu eng wird, es sei denn, der Raum ist außergewöhnlich groß. Die klassische Arbeitsdreieck-Regel (kurze Wege zwischen Kühlschrank, Spüle und Herd) ist in der barrierefreien Küche wichtiger denn je, um unnötige Wege und Kraftanstrengungen zu vermeiden.
Die Arbeitsplatte ist das Zentrum des Geschehens. In einer Standardküche ist diese oft fest auf einer Höhe von 85 bis 95 Zentimetern montiert. Für Menschen, die im Sitzen arbeiten müssen oder im Rollstuhl sitzen, ist dies viel zu hoch.
Unterfahrbarkeit ist das A und O Damit Sie bequem im Sitzen arbeiten können, muss die Arbeitsplatte unterfahrbar sein. Das bedeutet, dass sich unter der Platte keine herkömmlichen Unterschränke befinden. Für Rollstuhlfahrer sollte die Beinfreiheit in der Höhe mindestens 67 Zentimeter und in der Tiefe mindestens 30 Zentimeter betragen. Die Arbeitsplatte selbst wird dann auf einer Höhe von etwa 80 bis 82 Zentimetern montiert.
Höhenverstellbare Systeme Wenn in einem Haushalt Menschen mit unterschiedlichen Körpergrößen oder sowohl stehende als auch sitzende Personen kochen, ist eine höhenverstellbare Arbeitsplatte die Premium-Lösung. Diese Systeme gibt es in zwei Ausführungen:
Mechanisch: Die Höhe wird über eine Handkurbel verstellt. Dies ist kostengünstiger, erfordert jedoch Kraft und ist für alleinstehende, geschwächte Senioren oft nicht ideal.
Elektrisch: Per Knopfdruck gleitet die Arbeitsplatte stufenlos auf die gewünschte Höhe. Diese Systeme sind sehr komfortabel, schlagen aber mit Mehrkosten von 2.000 bis 4.000 Euro zu Buche.
Achten Sie zudem auf die Kanten der Arbeitsplatte. Diese sollten abgerundet sein, um Verletzungen zu vermeiden. Eine leicht erhöhte Schwallkante an der Vorderseite kann verhindern, dass verschüttete Flüssigkeiten auf den Boden oder in den Schoß tropfen.
Vollauszüge erleichtern den bequemen Zugriff auf Töpfe und Geschirr enorm.
Das Bücken nach tiefen Töpfen oder das Strecken nach Tellern im obersten Fach sind typische Unfallquellen im Alter. Der sogenannte Greifraum ändert sich erheblich, wenn man sitzt oder in der Schulterbeweglichkeit eingeschränkt ist.
Unterschränke optimieren Verzichten Sie vollständig auf klassische Unterschränke mit Drehtüren. Wenn Sie eine Tür öffnen, müssen Sie sich bücken und tief in den Schrank hineingreifen. Setzen Sie stattdessen ausschließlich auf Vollauszüge (Schubladen). Bei einem Vollauszug zieht man den gesamten Inhalt des Schrankes zu sich heran und kann bequem von oben hineingreifen. Auch Eckschränke lassen sich mit speziellen Schwenkauszügen (sogenannten Le-Mans-Auszügen) so ausstatten, dass der Stauraum im hintersten Winkel mühelos erreichbar wird.
Hängeschränke intelligent nutzen Hängeschränke sind für Rollstuhlfahrer oft unerreichbar. Wenn Sie nicht auf diesen Stauraum verzichten können oder wollen, bieten sich Schrankliftsysteme an. Per Knopfdruck oder durch leichtes Ziehen an einem ergonomischen Griff senkt sich das gesamte Innenleben des Hängeschranks diagonal nach unten und vorne ab. So kommen die Gläser direkt zu Ihnen auf die Arbeitsfläche.
Apothekerschränke Für Vorräte sind Apothekerschränke ideal. Sie bieten enorm viel Stauraum, der von beiden Seiten einsehbar und zugänglich ist. Wichtig ist hierbei, dass der Auszug mit hochwertigen, leichtgängigen Schienen ausgestattet ist, da ein voll beladener Apothekerschrank sonst zu schwer zu ziehen ist.
Griffe und Beschläge Feinmotorische Einschränkungen, wie sie bei Rheuma oder Arthrose auftreten, machen das Greifen kleiner Knöpfe zur Qual. Verwenden Sie stattdessen breite, ergonomische Bügelgriffe (mindestens 10 bis 12 Zentimeter breit), in die man die ganze Hand einhaken kann. Noch komfortabler sind Push-to-open-Mechanismen, bei denen ein leichtes Antippen mit dem Knie oder der Handfläche genügt, um die Schublade zu öffnen. Auch elektrische Öffnungsunterstützungen (Serv-Drive) sind auf dem Markt verfügbar.
Ein hochgebauter Backofen schont den Rücken und beugt Unfällen vor.
Die Wahl und Platzierung der Elektrogeräte trägt maßgeblich zur Sicherheit und Selbstständigkeit in der barrierefreien Küche bei.
Der Backofen Ein Backofen unter dem Herd ist in einer seniorengerechten Küche ein absolutes No-Go. Er muss zwingend auf Sicht- und Greifhöhe eingebaut werden. Für Rollstuhlfahrer liegt die ideale Höhe für die Unterkante des Backofens bei etwa 70 bis 80 Zentimetern. Ein weiteres wichtiges Detail ist die Backofentür. Eine klassische Klapptür, die nach unten öffnet, stellt eine Barriere dar. Sie zwingt den Nutzer, sich über die heiße Tür zu beugen. Besser sind Backöfen mit einer seitlich öffnenden Drehtür oder Geräte, bei denen die Tür beim Öffnen komplett unter den Backofen gleitet (Slide&Hide-System). Unverzichtbar sind zudem stabile Teleskopauszüge, damit heiße Bleche sicher herausgezogen werden können, ohne sie sofort anheben zu müssen.
Das Kochfeld Sicherheit hat hier oberste Priorität. Ein Induktionskochfeld ist für Senioren die beste Wahl. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ceranfeldern erhitzt Induktion nur den Topf, nicht aber die Herdplatte selbst. Sobald der Topf entfernt wird, kühlt die Fläche sehr schnell ab. Das Risiko schwerer Verbrennungen wird dadurch drastisch minimiert. Zudem schalten sich Induktionsherde automatisch ab, wenn sich kein Topf darauf befindet. Achten Sie bei der Bedienung auf die Motorik des Nutzers. Sensortasten (Touch-Bedienung) sind zwar leicht zu reinigen, für Menschen mit trockenen Fingerkuppen, Sehschwäche oder zittrigen Händen aber oft schwer zu bedienen. Hier sind klassische, haptische Drehknebel an der vorderen Blende (nicht auf der Kochfläche!) deutlich sicherer und intuitiver.
Der Kühlschrank Auch der Kühlschrank sollte erhöht eingebaut werden. Besonders praktisch sind Modelle, die im unteren Bereich über Auszugsschubladen (Kühl-Gefrier-Kombinationen) verfügen. So muss man sich nicht tief in das Gefrierfach hineinbücken. Side-by-Side-Kühlschränke können ebenfalls sinnvoll sein, da sowohl Kühl- als auch Gefrierbereich über die gesamte Höhe zugänglich sind.
Die Spülmaschine Der Geschirrspüler wird in der barrierefreien Küche idealerweise um etwa 30 bis 40 Zentimeter hochgebaut. Das erleichtert das Ein- und Ausräumen enorm und schont den Rücken. Achten Sie auf Modelle, die sich nach dem Spülgang automatisch einen Spaltbreit öffnen, um den Dampf abzulassen und das Trocknen zu erleichtern.
Die Dunstabzugshaube Eine klassische Dunstabzugshaube, die hoch über dem Herd hängt, ist schwer zu reinigen und die Schalter sind oft unerreichbar. Kopffreihauben, die schräg an der Wand hängen, verhindern, dass man sich den Kopf stößt. Die Bedienung sollte idealerweise über eine Fernbedienung oder eine Koppelung mit dem Kochfeld (die Haube schaltet sich automatisch ein und reguliert die Stärke selbst) erfolgen. Alternativ bieten sich Kochfeldabzüge (Muldenlüfter) an, die den Dampf direkt nach unten absaugen.
Unterfahrbare Spülen mit Einhebelmischer bieten maximalen Komfort im Sitzen.
Der Spülbereich wird bei der Planung oft unterschätzt, ist aber einer der am häufigsten genutzten Arbeitsplätze in der Küche.
Flache Spülbecken Ein barrierefreies Spülbecken sollte flacher sein als ein Standardbecken. Eine maximale Tiefe von 12 bis 15 Zentimetern ist ideal. Ist das Becken zu tief, müssen sich Rollstuhlfahrer stark nach vorne beugen, um den Boden zu erreichen. Zudem lässt eine geringere Tiefe mehr Platz für die Beine unter der Arbeitsplatte. Der Abfluss (Siphon) sollte als flacher Raumsparsiphon ausgeführt oder direkt an die Rückwand verlegt werden, damit er beim Unterfahren nicht stört. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Die Rohre unter der Spüle müssen isoliert sein, um Verbrennungen an den Beinen durch heißes Abwasser zu verhindern.
Ergonomische Armaturen Zweigriffarmaturen sind für Senioren ungeeignet. Verwenden Sie Einhebelmischer mit einem langen Bedienhebel. Diese lassen sich auch mit dem Handrücken, dem Unterarm oder bei schwacher Greifkraft mühelos bedienen. Eine herausziehbare Schlauchbrause ist extrem hilfreich, um schwere Töpfe direkt auf der Arbeitsplatte mit Wasser zu füllen, ohne sie ins Becken heben zu müssen. Ein absolutes Muss ist ein integrierter Verbrühschutz (Thermostatarmatur). Dieser Riegel begrenzt die Wassertemperatur automatisch auf maximal 38 Grad Celsius und verhindert, dass bei versehentlichem Verstellen des Hebels kochend heißes Wasser aus dem Hahn schießt.
Mit zunehmendem Alter lässt die Sehkraft nach. Der Lichtbedarf eines 60-Jährigen ist etwa doppelt so hoch wie der eines 20-Jährigen. Ein durchdachtes Beleuchtungskonzept ist daher essenziell für die Sicherheit.
Beleuchtung Vermeiden Sie starke Schattenbildung und Blendungen. Eine zentrale Deckenleuchte reicht nicht aus. Die Arbeitsflächen müssen durch blendfreie LED-Leuchten unter den Hängeschränken hell und gleichmäßig ausgeleuchtet werden. Eine sensorgesteuerte Beleuchtung, die sich beim Betreten der Küche automatisch einschaltet, verhindert Stürze im Dunkeln.
Farbkontraste Für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen oder beginnender Demenz sind Kontraste wichtig. Wenn Arbeitsplatte, Fußboden und Schränke alle im gleichen hellen Weißton gehalten sind, verschwimmen die Konturen. Eine dunklere Arbeitsplatte auf hellen Schränken oder farblich abgesetzte Griffe helfen bei der räumlichen Orientierung.
Steckdosen und Schalter Steckdosen an der Rückwand der Arbeitsfläche sind für Rollstuhlfahrer oder kleinwüchsige Senioren oft außer Reichweite. Platzieren Sie Steckdosen stattdessen in der vorderen Blende der Küchenzeile oder nutzen Sie versenkbare Steckdosenleisten, die per Knopfdruck aus der Arbeitsplatte herausfahren. Lichtschalter sollten in einer gut erreichbaren Höhe von 85 Zentimetern (statt der üblichen 105 Zentimeter) montiert werden.
Moderne Technik kann die Sicherheit in der Küche drastisch erhöhen und Angehörigen ein beruhigendes Gefühl geben.
Herdabschaltautomatik: Ein vergessener Herd ist eine der häufigsten Brandursachen. Spezielle Sensoren überwachen die Temperatur und Bewegung in der Küche. Wird es zu heiß oder verlässt die Person den Raum für längere Zeit, schaltet das System den Herd automatisch stromlos.
Wassermelder: Kleine Sensoren auf dem Boden schlagen bei einem Leck an der Spülmaschine sofort Alarm und können, gekoppelt mit einem Magnetventil, die Wasserzufuhr automatisch stoppen.
Rauchmelder: In der Küche sind spezielle Hitzemelder gefragt, da normale Rauchmelder durch Kochdämpfe zu oft Fehlalarme auslösen.
Viele dieser Sicherheitssysteme lassen sich nahtlos in ein bestehendes Hausnotrufsystem integrieren. Löst beispielsweise der Rauchmelder aus, wird nicht nur ein akustisches Signal gegeben, sondern sofort die Notrufzentrale verständigt, die im Ernstfall Hilfe schickt.
Die Kosten für eine barrierefreie Küche variieren extrem und hängen vom Umfang der Maßnahmen ab. Es muss nicht immer eine komplett neue Küche sein; oft genügen gezielte Anpassungen.
Beispielhafte Kostenstruktur:
Kleine Anpassungen (Teilumbau): Austausch der Armaturen, Einbau von Vollauszügen in bestehende Schränke, Installation eines hochgebauten Backofens. Kosten: ca. 1.500 bis 4.000 Euro.
Mittlerer Umbau: Neue, unterfahrbare Arbeitsplatte (mechanisch verstellbar), neue ergonomische Elektrogeräte, Anpassung der Elektrik. Kosten: ca. 5.000 bis 10.000 Euro.
Komplette Neuplanung (Rollstuhlgerecht): Maßgefertigte Küche mit elektrisch höhenverstellbaren Elementen, Schrankliftsystemen, speziellen Spülen und Induktionstechnik. Kosten: ca. 12.000 bis 25.000 Euro (und mehr, je nach Hersteller).
Die gute Nachricht ist: Sie müssen die Kosten nicht alleine tragen. In Deutschland gibt es starke Förderprogramme, die den Abbau von Barrieren im Wohnraum finanziell unterstützen.
1. Zuschuss der Pflegekasse (Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen) Dies ist die wichtigste und am häufigsten genutzte Förderung. Sobald eine Person im Haushalt einen anerkannten Pflegegrad (1 bis 5) hat, zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme. Leben mehrere Pflegebedürftige in einem Haushalt (z. B. ein Ehepaar, beide mit Pflegegrad), kann der Zuschuss sogar gebündelt werden – bis zu maximal 16.000 Euro pro Haushalt. Wichtig: Der Antrag auf diesen Zuschuss muss zwingend vor Beginn der Umbaumaßnahmen bei der Pflegekasse gestellt und genehmigt werden. Ein Kostenvoranschlag des Handwerkers oder Küchenbauers ist dem Antrag beizulegen. Weitere offizielle Informationen zu den Leistungen der Pflegekasse finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit.
2. KfW-Förderung (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Die KfW unterstützt den altersgerechten Umbau unabhängig von einem Pflegegrad. Jeder, der Barrieren reduziert, kann Fördermittel beantragen.
KfW-Zuschuss 455-B (Altersgerecht Umbauen): Dieser Zuschuss übernimmt bis zu 10 % der förderfähigen Investitionskosten (max. 2.500 Euro bei Einzelmaßnahmen). Hinweis: Die Mittel für dieses Programm werden jährlich vom Bund bereitgestellt und sind oft schnell ausgeschöpft. Prüfen Sie vorab die aktuelle Verfügbarkeit auf der KfW-Website.
KfW-Kredit 159 (Altersgerecht Umbauen): Wer den Umbau finanzieren muss, erhält hier zinsgünstige Kredite bis zu 50.000 Euro, unabhängig vom Alter.
3. Weitere Kostenträger Ist der Umbau notwendig, um nach einem Unfall oder einer Berufskrankheit wieder am Arbeitsleben teilzunehmen, können auch die Berufsgenossenschaften, die Agentur für Arbeit oder die Rentenversicherung (Rehabilitationsträger) die Kosten übernehmen. Bei sozialer Härte kann auch das Sozialamt (Eingliederungshilfe) einspringen.
Ein barrierefreier Küchenumbau erfordert eine strukturierte Vorgehensweise, um teure Fehler zu vermeiden.
Bedarfsanalyse: Klären Sie den genauen Bedarf. Wird ein Rollstuhl genutzt? Welche Körpergröße haben die Nutzer? Ist die Greifkraft eingeschränkt? Notieren Sie alle Einschränkungen und Wünsche.
Pflegegrad prüfen: Falls noch nicht geschehen, beantragen Sie einen Pflegegrad. Auch bei leichten Einschränkungen wird oft Pflegegrad 1 gewährt, der bereits den Anspruch auf die 4.000 Euro Zuschuss eröffnet.
Fachberatung einholen: Wenden Sie sich an spezialisierte Küchenstudios, die Erfahrung mit barrierefreien Küchen haben. Auch Wohnberatungsstellen für Senioren (oft von Kommunen oder Wohlfahrtsverbänden angeboten) leisten wertvolle, neutrale Hilfe.
Kostenvoranschläge einholen: Lassen Sie sich detaillierte Angebote erstellen. Die Angebote müssen genau aufschlüsseln, welche Maßnahmen dem Abbau von Barrieren dienen.
Anträge stellen: Reichen Sie die Kostenvoranschläge bei der Pflegekasse oder der KfW ein. Warten Sie zwingend die schriftliche Zusage ab!
Umsetzung: Nach der Genehmigung können Sie den Auftrag erteilen. Achten Sie während des Einbaus darauf, dass die vereinbarten Höhen (z. B. der Arbeitsplatte) exakt auf Sie abgestimmt werden.
Nicht immer ist sofort ein großer Umbau nötig oder möglich. Oft erleichtern schon kleine Hilfsmittel den Küchenalltag enorm. Diese kleinen Helfer lassen sich hervorragend in das Konzept einer seniorengerechten Küche integrieren:
Stehhilfen: Wenn das Stehen schwerfällt, der Platz für einen Rollstuhl aber fehlt, bietet ein ergonomischer Stehhocker (mit leicht geneigter Sitzfläche) Entlastung für Beine und Rücken beim Schnippeln oder Spülen.
Einhänderbretter: Diese speziellen Schneidebretter haben kleine Edelstahlstifte, auf die man Brot, Gemüse oder Obst aufspießen kann. So lässt sich das Schnittgut mit nur einer Hand sicher schneiden, ohne zu verrutschen.
Greifzangen: Sie verlängern den Arm und helfen, leichte Gegenstände aus oberen Schränken zu holen, ohne auf einen gefährlichen Hocker steigen zu müssen.
Deckelöffner und rutschfeste Matten: Sie reduzieren den Kraftaufwand beim Öffnen von Konserven oder Flaschen auf ein Minimum.
Kann ich den Pflegekassenzuschuss auch für mobile Küchengeräte nutzen? Nein. Die wohnumfeldverbessernden Maßnahmen der Pflegekasse (§ 40 SGB XI) beziehen sich ausschließlich auf fest verbaute Elemente, die den Wohnraum individuell anpassen. Ein neuer, freistehender Toaster oder eine Kaffeemaschine werden nicht gefördert. Fest eingebaute, ergonomisch angepasste Herde oder höhenverstellbare Arbeitsplatten hingegen schon.
Was passiert, wenn ich zur Miete wohne? Darf ich die Küche umbauen? Grundsätzlich ja. Gemäß § 554a BGB (Barrierefreiheit) haben Mieter das Recht, bauliche Veränderungen vorzunehmen, die für eine behindertengerechte Nutzung erforderlich sind. Der Vermieter muss zustimmen, darf dies aber nur bei schwerwiegenden Gründen verweigern. Wichtig: Der Vermieter kann verlangen, dass die Küche beim Auszug wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt wird. Er kann dafür auch eine zusätzliche Kaution verlangen.
Können der KfW-Zuschuss und der Pflegekassenzuschuss kombiniert werden? Ja, eine Kombination ist grundsätzlich möglich, sofern nicht dieselben Maßnahmen doppelt finanziert werden. Die Gesamtförderung darf die tatsächlichen Kosten nicht übersteigen. Es empfiehlt sich, die Rechnungen strategisch aufzuteilen (z. B. Arbeitsplatte über die Pflegekasse, Bodenbelag und Türverbreiterung über die KfW).
Wie rutschfest muss der Boden in einer seniorengerechten Küche sein? Ein sicherer Stand ist essenziell. Der Bodenbelag sollte mindestens die Rutschfestigkeitsklasse R9, besser noch R10 aufweisen. Fliesen sollten matt und leicht angeraut sein. Alternativen sind hochwertige, rutschhemmende Vinylböden oder Linoleum, die zudem etwas gelenkschonender sind als harte Fliesen.
Der Weg zur barrierefreien Küche erfordert eine sorgfältige Planung, bietet aber einen unschätzbaren Gewinn an Lebensqualität und Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse für Ihr Projekt:
Bewegungsfreiheit sichern: Planen Sie mindestens 120 x 120 cm (besser 150 x 150 cm) freie Fläche vor den Möbeln ein.
Ergonomie anpassen: Arbeitsplatten müssen für Rollstuhlfahrer unterfahrbar sein (Höhe ca. 80-82 cm). Höhenverstellbare Systeme bieten die größte Flexibilität.
Stauraum optimieren: Ersetzen Sie tiefe Unterschränke mit Türen durch Vollauszüge (Schubladen). Vermeiden Sie Hängeschränke oder nutzen Sie Schrankliftsysteme.
Geräte auf Augenhöhe: Backofen, Spülmaschine und Kühlschrank müssen ohne Bücken erreichbar sein.
Sicherheitstechnik nutzen: Induktionskochfelder, Herdabschaltautomatiken und ein integrierter Verbrühschutz an der Spüle verhindern schwere Unfälle.
Fördermittel ausschöpfen: Nutzen Sie den Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.000 Euro ab Pflegegrad 1. Stellen Sie den Antrag unbedingt vor Baubeginn.
Eine seniorengerechte Küche ist eine Investition in die Zukunft. Sie ermöglicht es Ihnen oder Ihren Angehörigen, den Alltag so lange wie möglich selbstbestimmt, sicher und mit Freude am Kochen zu bewältigen. Nehmen Sie sich Zeit für die Planung, lassen Sie sich umfassend beraten und zögern Sie nicht, die Ihnen zustehenden finanziellen Hilfen in Anspruch zu nehmen.
Hier finden Sie kompakte Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den seniorengerechten Küchenumbau.