Abnehmspritzen und Diabetes-Medikamente: Neue Studien bestätigen Risiko für seltene Augenerkrankung

Djamal Sadaghiani
GLP-1-Medikamente: Erhöhtes Risiko für Optikusneuropathie (NAION)

Sogenannte Abnehmspritzen und moderne Diabetes-Medikamente erleben derzeit einen beispiellosen Boom. Doch nun rückt eine seltene, aber ernst zu nehmende Nebenwirkung in den Fokus der medizinischen Fachwelt. Zwei groß angelegte Untersuchungen aus den USA und Schweden haben bestätigt, dass die Einnahme von GLP-1-Rezeptoragonisten mit einem erhöhten Risiko für eine bestimmte Sehnerverkrankung einhergeht.

Neue Daten aus den USA und Schweden

Die Wirkstoffgruppe der Glucagon-ähnlichen Peptid-1-Rezeptoragonisten (kurz GLP-1-RAs) wird weltweit erfolgreich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht eingesetzt. Bereits in der Vergangenheit gab es erste Hinweise auf mögliche Auswirkungen auf die Augengesundheit. Nun liefern zwei unabhängige Studien, die im renommierten Fachjournal Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurden, konkrete Gewissheit.

Forschende der Rutgers University in den USA sowie ein wissenschaftliches Team aus Schweden verglichen die Daten von Hunderttausenden Patienten. Das Ergebnis: Personen, die mit GLP-1-Präparaten behandelt wurden, wiesen ein höheres Risiko auf, an einer sogenannten nicht-arteriitischen ischämischen Optikusneuropathie (NAION) zu erkranken, als Patienten, die andere Diabetes-Medikamente wie SGLT2- oder DPP4-Hemmer erhielten.

Was ist eine Optikusneuropathie (NAION)?

Die NAION ist eine seltene Erkrankung des Sehnervs. Durch eine verminderte Durchblutung kommt es zu einer plötzlichen, in der Regel schmerzlosen Sehverschlechterung, die bis zum vollständigen Sehverlust auf dem betroffenen Auge führen kann. Da der Sehnerv für die Weiterleitung der visuellen Informationen an das Gehirn zuständig ist, stellt jede Schädigung eine ernsthafte Bedrohung für das Augenlicht dar.

Wie hoch ist das Risiko für Patienten wirklich?

Trotz der alarmierend klingenden Studienergebnisse geben Mediziner Entwarnung vor Panikreaktionen. Zwar ist das relative Risiko unter der Einnahme von GLP-1-RAs messbar erhöht, das absolute Risiko bleibt jedoch extrem gering.

Laut den schwedischen Daten lag das absolute Risiko, innerhalb eines Jahres an NAION zu erkranken, bei den GLP-1-Nutzern bei lediglich 0,04 Prozent. Auch die US-amerikanische Studie bestätigte, dass die Erkrankung bei weniger als einem von 1.000 behandelten Patienten auftrat. Die enormen gesundheitlichen Vorteile der Medikamente – wie die Senkung des Blutzuckerspiegels, der Schutz des Herz-Kreislauf-Systems und die signifikante Gewichtsreduktion – überwiegen nach aktueller Expertenmeinung das minimale Risiko einer Augenerkrankung bei Weitem.

Wichtige Verhaltensregeln für Behandelte

Für Patienten, die derzeit Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-RAs anwenden, ergeben sich aus den neuen Erkenntnissen folgende Empfehlungen:

  • Kein eigenmächtiges Absetzen: Beenden Sie die Therapie auf keinen Fall ohne ärztliche Rücksprache. Ein plötzlicher Abbruch kann den Stoffwechsel massiv aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Auf Symptome achten: Sollten Sie plötzliche, schmerzlose Sehstörungen oder Gesichtsfeldausfälle bemerken, suchen Sie umgehend eine augenärztliche Notfallambulanz auf.
  • Regelmäßige Kontrollen: Besonders Patienten, die bereits an Augenerkrankungen leiden oder ein hohes Herz-Kreislauf-Risiko aufweisen, sollten regelmäßige augenärztliche Routinekontrollen wahrnehmen.

Die neuen Studienergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine kontinuierliche Überwachung von modernen Arzneimitteln ist. Sie bieten Ärzten und Patienten die Möglichkeit, Behandlungen noch sicherer zu gestalten, ohne auf die unbestrittenen Vorteile der Therapien verzichten zu müssen.

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