Drohende Überlastung: Notaufnahmen steuern auf Patientenrekord zu

Benedikt Hübenthal
Notfallversorgung bis 2040: Warum Kliniken dringend Entlastung brauchen

Deutschlands Notaufnahmen und Rettungsdienste stehen vor einer gewaltigen Belastungsprobe. Wenn die Weichen im Gesundheitssystem nicht rechtzeitig neu gestellt werden, droht die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen in Krankenhäusern bis zum Jahr 2040 dramatisch anzusteigen: von zuletzt 13 Millionen auf rund 15,7 Millionen Fälle pro Jahr. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 20 Prozent.

Demografischer Wandel treibt Notfallzahlen an

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg), für die Versorgungsdaten aus bundesweit knapp 1.000 Regionen ausgewertet wurden. Demnach zeichnet sich auch beim Rettungsdienst eine deutliche Zunahme ab: Die Zahl der Notfalleinsätze mit anschließendem Patiententransport könnte von 6,86 Millionen auf 7,74 Millionen steigen – ein Plus von knapp 13 Prozent.

Als wesentlicher Treiber dieser Entwicklung gilt die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Ältere Menschen leiden häufiger unter chronischen Vorerkrankungen und sind im Akutfall besonders oft auf medizinische Hilfe angewiesen. Allerdings suchen viele Betroffene auch bei weniger dringlichen Beschwerden direkt eine Klinik auf, weil andere Anlaufstellen fehlen oder unklar sind.

Gezielte Steuerung kann Kliniken spürbar entlasten

Die Auswertung zeigt jedoch auch einen Ausweg auf: Würde es gelingen, die Inanspruchnahme in allen Landkreisen und Städten auf das Niveau der Regionen mit den derzeit niedrigsten Fallzahlen zu senken, ließe sich das Gesamtaufkommen an Notfallbehandlungen und Rettungsfahrten bis 2040 um mehr als ein Viertel reduzieren.

Dafür fordern Fachleute eine verbindliche und strukturierte Ersteinschätzung, etwa über einheitliche Leitsysteme und den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117. Auf diese Weise könnten Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht weitergeleitet werden:

  • Akute Notfälle: Sofortige Zuweisung an die klinische Notaufnahme oder den Rettungsdienst.
  • Weniger dringliche Fälle: Gezielte Versorgung durch niedergelassene Haus- und Facharztpraxen oder den ambulanten Notdienst.
  • Telemedizinische Beratung: Schnelle Ersteinschätzung und Klärung offener Fragen zur Vermeidung unnötiger Klinikbesuche.

Starke regionale Unterschiede in Deutschland

Die künftige Entwicklung verläuft bundesweit keineswegs einheitlich. Während in einigen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt infolge des Bevölkerungsrückgangs und stabiler hausärztlicher Strukturen sogar ein leichter Rückgang der Notfallzahlen prognostiziert wird, droht wirtschaftsstarken Regionen mit wachsender Bevölkerung – wie Teilen von Baden-Württemberg – ein sprunghafter Anstieg um fast 30 Prozent.

Um die Funktionsfähigkeit der Akut- und Notfallversorgung für alle Generationen dauerhaft zu sichern, betonen Gesundheitsexperten die Dringlichkeit einer zügigen Reform. Nur wenn Bürgerinnen und Bürger verlässlich an den richtigen Versorgungsort gelenkt werden, bleiben Kapazitäten für echte lebensbedrohliche Notfälle frei.

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