Alarm in der Jugendpsychiatrie: Massive Zunahme von Essstörungen und Suizidkrisen

Dominik Hübenthal
Psychiatrie-Barometer 2026: Jugendpsychiatrien am Limit | PflegeHelfer24

Die psychiatrische Versorgung in Deutschland schlägt Alarm. Während die Nachfrage nach Behandlungsplätzen für Kinder und Jugendliche seit der Corona-Pandemie geradezu explodiert, kämpfen die Einrichtungen zeitgleich mit massiven finanziellen Problemen. Das geht aus dem aktuellen "Psychiatrie-Barometer 2025/2026" des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervor. Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines Systems, das unter enormem Druck steht und dringend politische Unterstützung benötigt.

Dramatischer Anstieg psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen

In den letzten Jahren hat sich das Krankheitsbild in der Kinder- und Jugendpsychiatrie spürbar gewandelt und verkompliziert. Besonders erschreckend ist die rasante Zunahme von schwerwiegenden psychischen Krisen. Wie eine bundesweite Befragung von nahezu 300 Kliniken zeigt, verzeichnen die Einrichtungen einen extremen Anstieg bei diversen Störungsbildern:

  • 52 Prozent der Kliniken melden eine deutliche Zunahme von Essstörungen.
  • 44 Prozent beobachten immer häufiger eine Internet- und Medienabhängigkeit.
  • 42 Prozent verzeichnen einen Anstieg von suizidalen Krisen.
  • 42 Prozent behandeln vermehrt Angststörungen.
  • 39 Prozent registrieren eine Zunahme von Depressionen bei jungen Patienten.

Diese Entwicklung stellt das medizinische und pflegerische Personal vor immer komplexere Herausforderungen. Auch der Übergang von der Jugend- in die Erwachsenenpsychiatrie erweist sich zunehmend als problematisch, da oft nahtlose Anschlussbehandlungen fehlen und die jungen Patienten durch das Raster zu fallen drohen.

Monatelange Wartezeiten für verzweifelte Familien

Die massiv steigende Nachfrage trifft auf ein Gesundheitssystem mit stark begrenzten Kapazitäten. Für betroffene Familien bedeutet dies oft eine unerträgliche Geduldsprobe. Laut den aktuellen Erhebungen müssen Patientinnen und Patienten in knapp zwei Dritteln der Kinder- und Jugendpsychiatrien acht Wochen oder sogar noch länger auf eine voll- oder teilstationäre Behandlung warten. In akuten Krisensituationen, wie etwa bei Suizidgefahr oder lebensbedrohlichen Essstörungen, ist eine derart lange Wartezeit für die Betroffenen und ihre Angehörigen extrem belastend.

Wirtschaftliche Krise: Kliniken stehen unter doppeltem Druck

Als wäre die medizinische Ausnahmesituation nicht schon herausfordernd genug, verschärft sich auch die ökonomische Lage der Krankenhäuser drastisch. Das Barometer deckt auf, dass nur noch rund ein Viertel der befragten psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen die eigene wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut bewertet. Die überwiegende Mehrheit stuft ihre Lage hingegen als mäßig bis sehr schlecht ein. Besonders alarmierend: Fast jedes vierte Fachkrankenhaus leidet unter einer schlechten Liquidität, was den Druck auf das Personal und die langfristige Versorgungsqualität weiter erhöht.

Forderung nach raschem Handeln der Politik

Angesichts dieser bedrohlichen Doppelbelastung warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eindringlich vor drohenden Versorgungsengpässen. Der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Bedarf in der Kinder- und Jugendpsychiatrie unaufhaltsam steige, während die wirtschaftliche Basis vieler Einrichtungen bröckele.

Um einen Kollaps der psychiatrischen Versorgung abzuwenden, fordert die Krankenhausgesellschaft von der Politik verlässliche Finanzierungsbedingungen und einen massiven Abbau von Bürokratie sowie Überregulierung. Nur durch ausreichende Behandlungskapazitäten und eine gesicherte Finanzierung könne gewährleistet werden, dass junge Menschen in seelischen Notlagen auch in Zukunft die Hilfe erhalten, die sie so dringend benötigen.

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