Apotheken als Sicherheitsanker: Neues Konzept für den Krisenfall

Dominik Hübenthal
Krisenvorsorge: Apotheken fordern feste Rolle im Katastrophenschutz

Naturkatastrophen, weltweite Pandemien, Ausfälle lebenswichtiger Infrastrukturen oder militärische Bedrohungslagen: Im Ernstfall entscheidet eine funktionierende Gesundheitsversorgung über Menschenleben. Um die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung auch in extremen Ausnahmesituationen verlässlich abzusichern, hat die Bundesapothekerkammer gemeinsam mit der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ein umfassendes Strategiepapier zur Krisenvorsorge verabschiedet.

Prävention statt Improvisation im Katastrophenfall

Die Kernbotschaft des Konzepts: Wirkliche Resilienz lässt sich nicht erst aufbauen, wenn eine Katastrophe bereits eingetreten ist. Krisenstrukturen müssen im regulären Alltag verankert, geprobt und finanziell unterfüttert werden. Nur so können Vor-Ort-Apotheken ihre Funktion als unmittelbare Versorgungs- und Lotsenpunkte im Gesundheitssystem voll ausschöpfen.

Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer, betont, dass für den Schutz der Bevölkerung jede einzelne Apotheke unverzichtbar sei. Durch ihre flächendeckende Präsenz und die Verbindung von pharmazeutischer Fachkompetenz mit logistischer Erfahrung fungieren Apotheken als unverzichtbare Frühwarnsysteme und Sicherheitsanker im Nahbereich.

Forderungen des Strategiepapiers

Das neue Papier bündelt konkrete Maßnahmen, um das Apothekensystem gegen Krisen aller Art abzusichern und engmaschig mit dem staatlichen Bevölkerungsschutz zu verzahnen. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Handlungsfelder:

  • Einbindung in Krisenstäbe: Öffentliche Apotheken, Krankenhausapotheken und Bundeswehrapotheken sowie die Apothekerkammern sollen verbindlich in behördliche Krisenstäbe und Katastrophenschutzstrukturen integriert werden.
  • Strategische Bevorratung: Entwicklung belastbarer Konzepte zur Vorratshaltung von lebensnotwendigen Medikamenten, Verbandstoffen und medizinischen Hilfsmitteln.
  • Digitale Lagebilder: Aufbau schneller digitaler Informationssysteme, um Versorgungsengpässe in Echtzeit erkennen und gezielt gegensteuern zu können.
  • Geschützte Infrastruktur und Finanzierung: Absicherung von Apotheken gegen Cyberangriffe und Stromausfälle sowie eine langfristig tragfähige wirtschaftliche Vergütung der Krisenbereitschaft.

Bedeutung für die ambulante und stationäre Pflege

Gerade für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und ambulante Pflegedienste ist die Verlässlichkeit der örtlichen Apotheken existenziell. Chronisch kranke oder bettlägerige Menschen sind auf eine lückenlose Medikation zwingend angewiesen. Kommt es bei Krisenlagen zu Unterbrechungen von Lieferketten, müssen Notfallkonzepte vor Ort greifen, um Pflegeheime und Privathaushalte priorisiert versorgen zu können.

Das Strategiepapier soll nun als Leitfaden für Gespräche mit der Bundesregierung und den Katastrophenschutzbehörden dienen, um aus theoretischen Konzepten praxistaugliche Schutzmaßnahmen zu schaffen.

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