Ärztekammer fordert besseren Hitzeschutz in Pflege und Kliniken

Dominik Hübenthal
Hitzeschutz in der Pflege: Ärztekammer fordert dringend Maßnahmen

Wiederkehrende Hitzewellen stellen das deutsche Gesundheits- und Pflegewesen vor immense Herausforderungen. Die Ärztekammer Niedersachsen warnt eindringlich vor den gesundheitlichen Gefahren extremer Sommertemperaturen und fordert spürbare Verbesserungen beim Hitzeschutz für Patienten, Pflegebedürftige sowie das medizinische Fachpersonal.

Große Gefahr für vulnerable Personengruppen

Hohe Temperaturen über mehrere Tage hinweg belasten den menschlichen Organismus erheblich. Insbesondere für ältere, pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen können Hitzetage lebensbedrohlich werden. Mit zunehmendem Alter lässt das natürliche Durstgefühl nach, wodurch das Risiko einer Dehydratation rasant ansteigt. Gleichzeitig können Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bestimmte Medikationen die körpereigene Temperaturregulation beeinträchtigen.

Die Ärztekammer weist darauf hin, dass Krankenhäuser und Pflegeheime oft unzureichend auf anhaltende Tropentemperaturen vorbereitet sind. Viele Gebäude heizen sich tagsüber stark auf und kühlen nachts kaum ab, was die Erholungsphasen der Bewohner und Patienten massiv stört.

Enorme Belastung für Pflegekräfte

Neben den Patienten geraten auch die Beschäftigten im Gesundheitswesen an ihre körperlichen Grenzen. Pflegekräfte leisten körperlich anstrengende Arbeit unter erschwerten Bedingungen in überhitzten Räumlichkeiten. Dies führt nicht nur zu schnellerer Erschöpfung, sondern erhöht auch das Risiko von Konzentrationsfehlern und gesundheitlichen Ausfällen im Team.

Gefordert werden daher verbindliche Hitzeschutzpläne auf Träger- und Einrichtungsebene. Dazu zählen bauliche und technische Anpassungen wie verbesserte Verschattungen, energieeffiziente Kühlungssysteme sowie die Anpassung von Arbeitsabläufen an die heißen Tageszeiten.

Wichtige Maßnahmen für den Pflegealltag

Um Risiken in der ambulanten und stationären Versorgung abzufedern, empfehlen Experten praxistaugliche Sofortmaßnahmen:

  • Flüssigkeitszufuhr sicherstellen: Regelmäßiges Anbieten von Wasser, ungesüßten Tees oder wasserreichem Obst.
  • Raumklima steuern: Frühmorgendliches Stoßlüften und konsequentes Abdunkeln der Zimmer am Tag.
  • Körperliche Entlastung: Leichte Sommerkleidung, feuchte Tücher oder kühlende Fußbäder zur sanften Temperatursenkung.
  • Medikationsprüfung: In Absprache mit den behandelnden Ärzten die Dosierung bestimmter Arzneimittel wie Diuretika bei Hitzewellen überprüfen.
  • Frühwarnzeichen erkennen: Schwindel, Verwirrtheit, Kopfschmerzen oder trockene Schleimhäute müssen sofort ernst genommen werden.

Ein strukturierter Hitzeschutz darf nicht länger als optionaler Mehraufwand betrachtet werden, sondern muss zu einem festen Bestandteil der Qualitäts- und Pflegestandards in allen Einrichtungen werden.

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