Ärztemangel und Sparpläne: KBV schlägt Alarm bei Facharztterminen

Djamal Sadaghiani
Wartezeiten beim Arzt: KBV warnt vor neuen Engpässen für Kassenpatienten

Für gesetzlich Krankenversicherte könnte der Weg zum Facharzt oder zur regulären Untersuchung künftig mit noch mehr Geduld verbunden sein. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zeichnet ein besorgniserregendes Bild der künftigen ambulanten Versorgung in Deutschland und warnt vor einer spürbaren Verschärfung der Terminsituation ab dem kommenden Jahr.

Finanzielle Kürzungen treffen die ambulante Praxisstruktur

Hintergrund der Warnung sind drohende finanzielle Einschnitte und anhaltende Budgetierungen im ambulanten Sektor. Nach Angaben der KBV gefährden knapper werdende Ressourcen den reibungslosen Ablauf in den Praxen. Wenn niedergelassene Mediziner für zusätzliche Leistungen oder Neupatienten nicht mehr auskömmlich vergütet werden, sehen sich viele Praxen gezwungen, ihr Leistungsangebot einzuschränken oder Sprechzeiten für Routineuntersuchungen drastisch zu begrenzen.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Terminkalender, die ohnehin oft monatelang im Voraus ausgebucht sind, dürften sich noch weiter füllen. Insbesondere in Fachdisziplinen wie der Augenheilkunde, Dermatologie, Neurologie oder Kardiologie drohen noch längere Wartefristen.

Besondere Belastung für ältere und pflegebedürftige Menschen

Die sich abzeichnenden Engpässe treffen vor allem jene Menschen besonders hart, die regelmäßig auf medizinische Betreuung angewiesen sind. Ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Pflegebedürftige und deren pflegende Angehörige stehen oft vor enormen Herausforderungen, wenn planbare Kontrolluntersuchungen oder dringende Abklärungen monatelang auf sich warten lassen.

  • Verschleppte Diagnosen: Verzögerte Termine können dazu führen, dass gesundheitliche Verschlechterungen zu spät erkannt und behandelt werden.
  • Zusätzlicher Organisationsaufwand: Für pflegende Familienangehörige bedeutet die langwierige Suche nach freien Praxiskapazitäten zusätzlichen Stress im bereits dichten Pflegealltag.
  • Druck auf die Notaufnahmen: Finden Patienten ambulant keinen zeitnahen Termin, weichen viele in Notaufnahmen oder Notfallpraxen aus, was dort zu einer weiteren Überlastung führt.

Was Betroffene jetzt tun können

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gibt es einige Wege, wie gesetzlich Versicherte im Bedarfsfall schneller an medizinische Hilfe gelangen können:

  • Terminservicestelle nutzen: Über die bundesweite Rufnummer 116 117 oder die entsprechende App können bei dringenden Beschwerden Termine innerhalb von vier Wochen vermittelt werden, vorausgesetzt, es liegt eine Überweisung mit entsprechendem Dringlichkeitscode vor.
  • Hausarzt einbinden: Hausärztinnen und Hausärzte können über den sogenannten Hausarzt-Vermittlungsfall bei dringender Notwendigkeit direkt kurzfristige Termine bei Fachpraxen anfragen.
  • Offene Sprechstunden anfragen: Viele Facharztpraxen bieten gesetzlich vorgeschriebene offene Sprechstunden an, die ohne vorherigen Termin mit etwas Wartezeit vor Ort genutzt werden können.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fordert von der Politik nachhaltige Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierungszusagen für die Praxen, um einen weiteren Abbau der ambulanten Versorgungskapazitäten abzuwenden und die wohnortnahe Versorgung dauerhaft zu sichern.

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