CSU fordert Reform: Hausärzte und Pflegekräfte sollen Versorgung lenken
Auf ihrem jüngsten Parteitag hat die CSU weitreichende Beschlüsse zur Zukunft des Gesundheitssystems und der Pflegelandschaft verabschiedet. Mit dem einstimmig beschlossenen Leitantrag unter dem Motto „Näher am Menschen – Für ein bürgernahes und bodenständiges Bayern“ positioniert sich die Partei für eine grundlegende Neuausrichtung der medizinischen und pflegerischen Grundversorgung. Im Mittelpunkt steht der Ausbau eines Primärversorgungssystems, das Hausarztpraxen als verbindliche Schaltstellen und Lotsen für Patientinnen und Patienten etabliert.
Rund 80 Prozent der Behandlungen direkt beim Hausarzt
Kern der CSU-Pläne ist eine deutliche Stärkung der hausärztlichen Rolle. Die Partei strebt an, dass Allgemeinmediziner künftig bis zu 80 Prozent der medizinischen Anliegen fallabschließend behandeln können. Damit soll verhindert werden, dass Hilfesuchende ohne klare Steuerung von Praxis zu Praxis weitergeleitet werden, was Ressourcen bindet und Wartezeiten für fachärztliche Termine verlängert.
Gleichzeitig soll das Prinzip der freien Arztwahl unangetastet bleiben. Um die Versorgung für chronisch kranke Menschen reibungslos zu gestalten, sieht das Konzept klar definierte Ausnahmeregelungen vor, die betroffenen Patienten bei Bedarf weiterhin einen direkten Zugang zu spezialisierten Fachärzten ermöglichen.
Entlastung durch Pflegefachpersonen und multiprofessionelle Teams
Damit Hausarztpraxen den zusätzlichen Koordinationsaufwand bewältigen können, verlangt der Beschluss eine verstärkte Delegation von Aufgaben. Das künftige System müsse sich auf gut qualifizierte Fachkräfte stützen, um Ärztinnen und Ärzte von Routineaufgaben freizuhalten. Hierbei setzt die Partei ausdrücklich auf:
- Pflegefachkräfte: Übernahme erweiterter Aufgaben im Care-Management sowie bei Hausbesuchen und der Betreuung chronisch Kranker.
- Physician Assistants: Unterstützung bei Voruntersuchungen und administrativen Prozessen innerhalb der Praxisteams.
- Apotheken: Einbindung von Vor-Ort-Apotheken, beispielsweise bei Präventionsleistungen oder strukturierter Medikamentenberatung.
Dieses multiprofessionelle Zusammenspiel soll garantieren, dass medizinisches Personal wieder mehr Zeit für das persönliche Gespräch mit den Patienten hat.
Klares Signal für die ambulante Pflege und pflegende Angehörige
Neben der ambulant-ärztlichen Versorgung enthält der Leitantrag auch zentrale Impulse für die Pflegebranche. So spricht sich die Partei für eine deutliche Ausweitung der Unterstützung in der häuslichen Pflege aus, um Hilfebedarfe frühzeitig aufzufangen und eine dauerhafte Überlastung pflegender Angehöriger zu verhindern.
Zudem fordert der Beschluss eine konsequente Entbürokratisierung in Pflegediensten und stationären Einrichtungen. Durch ein novelliertes Pflege- und Wohnqualitätsgesetz soll die Qualitätsprüfung vermehrt beratend und risikoorientiert erfolgen, anstatt Pflegekräfte durch starre Dokumentationspflichten von ihrer eigentlichen Arbeit am Bett abzuhalten.
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