Cyberangriffe & Kriegsgefahr: Ärztekammer fordert radikales Umdenken für Kliniken

Djamal Sadaghiani
Krankenhäuser in Gefahr: Ärztekammer Nordrhein fordert Krisenfestigkeit

Die vergangenen Jahre haben schonungslos offengelegt, wie verletzlich das deutsche Gesundheitssystem in Ausnahmesituationen ist. Angesichts wachsender globaler Spannungen und zunehmender digitaler Bedrohungen schlägt die Ärztekammer Nordrhein nun Alarm: Krankenhäuser und Arztpraxen müssen dringend besser auf Krisen vorbereitet werden. Die Politik auf Bundes- und Landesebene sei in der Pflicht, die Handlungsfähigkeit der medizinischen Infrastruktur unter allen Umständen abzusichern.

Kritische Infrastruktur im Fadenkreuz: Die Gefahr von Cyberangriffen

Krankenhäuser zählen zur absoluten Kernsubstanz der kritischen Infrastruktur. Doch genau diese Einrichtungen geraten zunehmend ins Visier von Kriminellen. Die Ärztekammer warnt eindringlich vor den verheerenden Folgen möglicher Sabotageakte. Wenn Strom-, Wasser- oder IT-Netze lahmgelegt werden, steht nicht nur die Patientenversorgung still, sondern es droht eine unmittelbare Gefahr für unzählige Menschenleben. Ein Ausfall der Telematikinfrastruktur oder lokaler Informationssysteme darf nicht zum Kollaps der medizinischen Hilfe führen.

Vorbereitung auf den Verteidigungsfall: Eine neue Dimension der Planung

Neben Naturkatastrophen und Pandemien rückt ein weiteres, beunruhigendes Szenario in den Fokus der Mediziner: der Bündnis- und Verteidigungsfall. Die Ärzteschaft betont, dass im Ernstfall nicht nur die zivile Bevölkerung lückenlos versorgt werden muss. Auch die Behandlung verletzter Soldaten der Bundeswehr sowie der NATO-Partner muss organisatorisch und kapazitiv gestemmt werden.

Die zentralen Forderungen der Ärzteschaft an die Politik:

  • Klare Verantwortlichkeiten: Eindeutige Zuständigkeiten und nahtlose Kommunikationswege zwischen Kliniken, Behörden und Rettungsdiensten im Krisenfall.
  • Ressourcenaufbau: Die Schaffung robuster Behandlungskapazitäten sowie die Sicherung von genügend qualifiziertem Personal.
  • Krisensichere Depots: Die Anlage großzügiger und dezentraler Vorräte an lebenswichtigen Arzneimitteln und Medizinprodukten, um Lieferengpässe zu überbrücken.
  • Einbindung der Praxen: Die zwingende Berücksichtigung der ambulanten Versorgung in der nationalen Krisen- und Verteidigungsplanung. Niedergelassene Ärzte dürfen in den Schutzkonzepten nicht vergessen werden.

Telefonische Krankschreibung als Schutzmaßnahme

Neben den großen geopolitischen Herausforderungen sieht die Ärztekammer auch im Praxisalltag Handlungsbedarf zur Krisenprävention. So fordert die Kammerversammlung nachdrücklich, die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) dauerhaft beizubehalten. Wie Kammerpräsident Sven Dreyer erklärte, sei die telefonische Krankschreibung gerade in Zeiten hoher Infektionswellen ein essenzielles Instrument. Sie minimiert das Ansteckungsrisiko in vollen Wartezimmern erheblich und schützt somit nicht nur vulnerable Patienten, sondern entlastet auch das ohnehin angespannte medizinische Personal. Gleichzeitig müsse jedoch dem unregulierten Verkauf von Online-Krankschreibungen ohne echten Arzt-Patienten-Kontakt durch private Plattformen ein Riegel vorgeschoben werden.

Der Appell der Ärztekammer Nordrhein ist unmissverständlich: Die Zeit des bloßen Reagierens muss enden. Das Gesundheitssystem braucht eine proaktive, robuste und durchdachte Krisenarchitektur, um für die ungewissen Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein.

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