Digitale Medizin in Gefahr: Verbände warnen vor Ausbremsung von Gesundheits-Apps

Benedikt Hübenthal
Digitale Gesundheitsanwendungen: Pharma Deutschland fordert Abbau von Bürokratie

Digitale Helfer auf Rezept gelten seit ihrer gesetzlichen Einführung als Vorzeigeprojekt für ein modernes Gesundheitssystem. Ob zur Unterstützung bei psychischen Belastungen, bei Diabetes oder orthopädischen Beschwerden: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) bieten Patientinnen und Patienten eine zeitnahe, ortsunabhängige Begleitung. Doch die Branche schlägt Alarm. Eine aktuelle Erhebung des Digitalverbands Bitkom verdeutlicht die zunehmenden wirtschaftlichen Belastungen, mit denen Hersteller konfrontiert sind. Der Branchenverband Pharma Deutschland mahnt deshalb an, die Innovationskraft nicht durch übermäßige Bürokratie und starre Sparmaßnahmen zu ersticken.

Wirtschaftlicher Druck gefährdet therapeutische Innovationen

Die Euphorie der Anfangsjahre trifft zunehmend auf eine harte Realität im Versorgungsalltag. Während die Nachfrage nach digitalen Behandlungsangeboten wächst, sehen sich viele Entwicklungsunternehmen mit hohen Hürden konfrontiert. Das betrifft insbesondere die langwierigen Zulassungs- und Bewertungsverfahren sowie strenge Vorgaben bei der Preisbildung. Wenn Vergütungsstrukturen gekürzt oder an unrealistische Vorgaben gekoppelt werden, gerät die Refinanzierung der teils jahrelangen wissenschaftlichen Studien ins Wanken.

Pharma Deutschland unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass digitale Therapien nur dann einen dauerhaften Beitrag zur Entlastung des Gesundheitswesens leisten können, wenn die Rahmenbedingungen verlässlich und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Wird der regulatorische Druck weiter erhöht, droht die Gefahr, dass erfolgversprechende medizinische Apps vom Markt verschwinden oder der Standort Deutschland für zukunftsorientierte Medizintechnik an Attraktivität verliert.

Mehrwert für Behandelte und pflegerische Strukturen

Gerade in Zeiten eines spürbaren Mangels an Fachkräften und langen Wartezeiten auf fachärztliche oder therapeutische Termine schließen digitale Anwendungen wichtige Versorgungslücken. Für Betroffene bedeuten sie konkrete Unterstützung im Alltag:

  • Eigenständige Krankheitsbewältigung: Patientinnen und Patienten lernen, Vitaldaten zu erfassen, Symptome einzuordnen und Therapieschritte selbstständig durchzuführen.
  • Entlastung von Angehörigen: Wenn chronische Erkrankungen digital strukturiert und überwacht werden, sinkt der tägliche Betreuungsaufwand für pflegende Angehörige.
  • Präzise Verlaufsdokumentation: Behandelnde Ärzte und Therapeuten erhalten objektive Verlaufsdaten, was gezielte Anpassungen der Behandlung erleichtert.

Was gefordert wird: Bürokratieabbau und digitale Vernetzung

Damit der Innovationsmotor im Gesundheitswesen nicht ins Stocken gerät, formulieren Verbände klare Erwartungen an die Politik. Im Mittelpunkt steht die zügige und unbürokratische Integration der DiGA in das reguläre Abrechnungssystem. Dazu gehört unter anderem ein nahtloses Verfahren für das DiGA-E-Rezept, das Ärzten die Verordnung erleichtert und Versicherten den unkomplizierten Zugang über ihre Krankenkassen ermöglicht.

Darüber hinaus fordern die Branchenvertreter, bewährte Erprobungsphasen beizubehalten und Fast-Track-Zulassungsverfahren am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wieder pragmatischer zu gestalten. Nur wenn Innovationen planbar vergütet werden und bürokratische Bremsen gelöst werden, können digitale Gesundheitslösungen ihr volles Potenzial im Alltag entfalten.

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