Droht Engpass bei Medikamenten? Großhandel fordert faire Regeln

Dominik Hübenthal
Arzneimittelversorgung sichern: Großhandel fordert faire Regeln

Eine sichere und verlässliche Versorgung mit Medikamenten ist das Rückgrat des deutschen Gesundheitssystems. Pflegebedürftige, Pflegedienste sowie Heime sind Tag für Tag darauf angewiesen, dass lebenswichtige Präparate ohne Verzögerung vor Ort verfügbar sind. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge: Der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (PHAGRO) schlägt anlässlich der Branchenmesse expopharm Alarm und fordert von der Gesundheitspolitik entschlossene Maßnahmen gegen unfaire Marktbedingungen.

Stabiles Versorgungsnetz steht unter Druck

Das bestehende System aus flächendeckenden Vor-Ort-Apotheken und vollversorgenden pharmazeutischen Großhändlern garantiert, dass auch seltene oder dringende Arzneimittel meist innerhalb weniger Stunden beim Patienten ankommen. Dieser Rund-um-die-Uhr-Service droht jedoch durch zunehmenden Kostendruck und unausgewogene Wettbewerbsbedingungen erodiert zu werden.

Nach Einschätzung des PHAGRO-Verbandsvorsitzenden bedarf es dringend eines gesetzlichen Schutzes vor Marktverzerrungen. Wenn wirtschaftliche Rahmenbedingungen traditionelle Versorger schwächen, gefährdet dies letztlich die flächendeckende Versorgung – besonders im ländlichen Raum und in der ambulanten Pflege.

Warum die Pflege auf verlässliche Apothekenstrukturen angewiesen ist

Gerade in der Altenpflege und bei chronischen Erkrankungen sind schnelle Lieferungen unverzichtbar. Einbruchsichere Lieferketten und eine kompetente pharmazeutische Beratung vor Ort erfüllen zentrale Aufgaben:

  • Akutversorgung: Plötzliche Schmerzspitzen, Infektionen oder Entlassungen aus dem Krankenhaus erfordern eine unmittelbare Bereitstellung von Medikamenten.
  • Individuelle Verblisterung: Viele Pflegeeinrichtungen nutzen maßgeschneiderte Wochendosierungen, die Präzision und enge Abstimmung zwischen Apotheke und Pflegepersonal verlangen.
  • Sicherheitsnetz bei Lieferengpässen: Lokale Apotheken und Großhändler können bei Engpässen flexibel auf alternative Präparate oder Rezepturen ausweichen.

Forderung an die Politik: Rahmenbedingungen zukunftssicher gestalten

Der Großhandelsverband richtet klare Erwartungen an die politische Führung: Es braucht verlässliche gesetzliche Leitplanken, die den Mehraufwand vollversorgender Großhändler und Apotheken honorieren, statt Rosinenpickerei im Arzneimittelmarkt zu begünstigen. Nur durch faire Spielregeln könne gewährleistet werden, dass pflegebedürftige Menschen auch in Zukunft schnell und sicher mit allen benötigten Medikamenten versorgt werden.

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