Krankenkassen-Fusionen stoppen den Kostendruck nicht

Dominik Hübenthal
Krankenkassen-Fusionen: Kein Hebel gegen steigende Kosten

Angesichts stetig steigender Beiträge im deutschen Gesundheitssystem wird in der gesundheitspolitischen Debatte regelmäßig eine drastische Maßnahme gefordert: Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen soll durch Fusionen deutlich reduziert werden. Das Versprechen dahinter lautet, durch den Zusammenschluss von Kassen administrative Doppelstrukturen abzubauen und Verwaltungsausgaben spürbar zu senken. Doch eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI) stellt diese Annahme nun grundlegend infrage.

Kein Automatismus zwischen Kassengröße und Sparpotenzial

Die Auswertung von mehr als 40 gesetzlichen Krankenkassen verdeutlicht, dass größere Versicherungsträger keineswegs automatisch effizienter arbeiten als kleinere oder regionale Anbieter. Die Annahme, dass durch Größenvorteile – sogenannte Skaleneffekte – die Verwaltungskosten pro Versichertem drastisch sinken, lässt sich in der Praxis nicht durchgängig belegen.

Vielmehr zeigt sich bei genauerem Hinsehen ein differenziertes Bild: Viele kleinere Betriebskrankenkassen oder regional verwurzelte Kassen weisen teils deutlich schlankere Verwaltungsstrukturen und geringere Ausgaben pro Kopf auf als manch bundesweit agierender Branchenriese. Großfusionen bringen zudem oft langwierige IT-Harmonisierungen, teure Übergangsprozesse und komplexe Personalstrukturen mit sich, die mögliche Einspareffekte über Jahre hinweg aufzehren können.

Verwaltungskosten machen nur Bruchteil der GKV-Ausgaben aus

Ein weiterer Aspekt relativiert die Debatte um Kassenfusionen zusätzlich: Die reinen Verwaltungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung machen lediglich einen kleinen Prozentsatz der gesamten Gesamtausgaben aus. Der weitaus größte Teil der finanziellen Belastungen entsteht in den Kernbereichen der Versorgung, darunter:

  • Krankenhausbehandlungen und stationäre Pflegeleistungen
  • Steigende Arzneimittelkosten bei innovativen Therapien
  • Ambulante ärztliche Versorgung und therapeutische Leistungen
  • Demografisch bedingter Anstieg chronischer Erkrankungen

Selbst eine spürbare Senkung der Verwaltungskosten könnte das strukturelle Defizit des Gesundheitssystems folglich nur marginal abfedern.

Mehr Wettbewerb statt verordneter Einheitskassen

Experten plädieren daher dafür, anstelle von politischen Zwangsfusionen auf qualitätsorientierten Wettbewerb zu setzen. Ein vielfältiger Kassenmarkt ermögliche es Versicherten und Pflegebedürftigen, gezielt jene Anbieter zu wählen, die mit passgenauen Zusatzleistungen, moderner digitaler Betreuung und gutem Kundenservice überzeugen.

Für die Versicherten und pflegenden Angehörigen bleibt am Ende vor allem eine Erkenntnis: Die Reform des Gesundheitssystems erfordert tiefgreifende strukturelle Anpassungen in der Versorgungssteuerung und Leistungsvergütung – einfache Hebel wie das bloße Zusammenlegen von Kassen greifen zu kurz.

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