Schnellere Facharzttermine: KBV stellt Wochenfrist bei Dringlichkeit in Aussicht
Wochen- oder gar monatelanges Warten auf einen Termin beim Facharzt sorgt bei vielen Patientinnen und Patienten für Frust und Sorge. Besonders für ältere Menschen und Pflegebedürftige können lange Wartezeiten die rechtzeitige Behandlung und Diagnostik erschweren. Nun kommt Bewegung in die Debatte: Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) könnten medizinisch dringende Fälle deutlich schneller versorgt werden.
Termine innerhalb einer Woche bei akuter Dringlichkeit
Laut dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sei eine Vermittlung und Behandlung in medizinisch dringenden Situationen in der Regel innerhalb einer Woche realisierbar. Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass der erhöhte Aufwand und die Bereitstellung kurzfristiger Kapazitäten in den Arztpraxen auch adäquat honoriert werden.
Für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte bedeutet die kurzfristige Einschiebung von Akutfällen einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand im oft ohnehin eng getakteten Praxisalltag. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und eine entsprechende Gegenfinanzierung stoßen Praxen bei der Terminvergabe regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen.
Relevanz für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige
Gerade in der häuslichen Pflege sowie in Pflegeeinrichtungen ist der rasche Zugang zu fachärztlicher Expertise von entscheidender Bedeutung. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand von Pflegebedürftigen akut, ist eine zeitnahe Abklärung durch Fachärzte wie Neurologen, Kardiologen oder Orthopäden oft unerlässlich, um Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.
- Entlastung für Angehörige: Planbare und zügige Termine reduzieren den bürokratischen und zeitlichen Organisationsaufwand für pflegende Familienmitglieder.
- Gezielte Steuerung: Eine klare Unterscheidung zwischen Routinekontrollen und dringlichem Behandlungsbedarf kann helfen, vorhandene Kapazitäten im Gesundheitssystem effektiver zu nutzen.
- Vermeidung von Notaufnahmen: Ein schnellerer Praxiszugang verhindert, dass Patienten aus Verzweiflung über lange Wartezeiten die Notfallambulanzen der Kliniken aufsuchen.
Herausforderung Finanzierung und Praxisorganisation
Die Diskussion verdeutlicht einmal mehr das Spannungsfeld zwischen begrenzten Ressourcen im ambulanten Sektor und dem wachsenden Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft. Ob und in welcher Form die geforderten Vergütungsanpassungen umgesetzt werden, bleibt Gegenstand gesundheitspolitischer Verhandlungen. Fest steht jedoch: Eine gezielte Priorisierung nach medizinischer Dringlichkeit könnte die ambulante Versorgung spürbar entlasten und Wartezeiten für Notfälle verkürzen.
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