ePA-Daten für Forschung: Große Mehrheit befürwortet Datenspende

Dominik Hübenthal
ePA für die Forschung: Breite Akzeptanz für Datenspende laut AOK

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen erreicht einen entscheidenden Meilenstein: Künftig sollen anonymisierte Informationen aus der elektronischen Patientenakte (ePA) dazu beitragen, Krankheiten besser zu verstehen und Therapien gezielter weiterzuentwickeln. Wie eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des AOK-Bundesverbandes zeigt, genießt dieses Vorhaben in der Bevölkerung großen Rückhalt. Rund 80 Prozent der gesetzlich Versicherten begrüßen es demnach, dass ihre Gesundheitsdaten der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden.

Hohe Akzeptanz und geringe Widerspruchsquote

Die geplante Freigabe der Akteninhalte erfolgt im Rahmen des gesetzlichen Opt-out-Verfahrens. Das bedeutet: Wer seine Daten nicht bereitstellen möchte, muss aktiv Widerspruch einlegen. Die Umfrageergebnisse verdeutlichen jedoch, dass Vorbehalte vergleichsweise selten sind. Lediglich rund zehn Prozent der Befragten gaben an, von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen zu wollen. Der Großteil der Bevölkerung erkennt in der wissenschaftlichen Nutzung offensichtlich einen bedeutenden gesellschaftlichen Mehrwert für die Versorgungsqualität.

Pseudonymisierung schützt persönliche Identität

Ein zentraler Faktor für das Vertrauen der Versicherten sind strenge Schutzmechanismen. Bevor Informationen wie Medikationspläne, Diagnoseberichte oder Laborergebnisse an das bundesweite Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) übermittelt werden, durchlaufen sie eine umfassende Pseudonymisierung. Direkte Identifikationsmerkmale wie Name, Wohnanschrift oder Versicherungsnummer werden vollständig entfernt. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass Forschende zwar Behandlungsverläufe und Muster analysieren können, Rückschlüsse auf einzelne Personen jedoch ausgeschlossen sind. Die reguläre Datenübermittlung an das FDZ soll im Januar 2027 anlaufen.

Großer Nutzen für Pflege und medizinische Versorgung

Gerade in der Pflege und bei der Behandlung chronisch kranker Menschen versprechen sich Mediziner erhebliche Fortschritte durch die Auswertung großer Datenmengen. Zu den zentralen Vorteilen zählen:

  • Vermeidung gefährlicher Wechselwirkungen: Die gezielte Analyse von Verordnungen hilft, Risiken bei komplexen Multimedikationen frühzeitig zu erkennen.
  • Präzisere Diagnostik und Therapie: Groß angelegte Verlaufsbeobachtungen ermöglichen maßgeschneiderte Behandlungskonzepte.
  • Bessere Erforschung seltener Krankheiten: Weil dezentrale Einzelfälle gebündelt sichtbar werden, profitiert die Versorgungsforschung spürbar.
  • Qualitätssteigerung im Pflegealltag: Schnittstellenprobleme zwischen ambulanter Betreuung, Kliniken und Pflegeeinrichtungen lassen sich anhand realer Versorgungsdaten identifizieren und beheben.

Transparente Aufklärung über die App

Um allen Versicherten eine selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen, informieren die Krankenkassen derzeit aktiv über die anstehende Datenweitergabe. Nutzerinnen und Nutzer der Akten-Apps erhalten detaillierte Hinweise zu den rechtlichen Grundlagen sowie eine verständliche Anleitung zum Opt-out. Ein Widerspruch lässt sich jederzeit unkompliziert digital über die jeweilige Kassen-App oder über die zuständigen Ombudsstellen einreichen, ohne dass dadurch Nachteile für die persönliche medizinische Betreuung entstehen.

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