Bahnbrechender Bluttest sagt Alzheimer-Risiko bis zu zehn Jahre im Voraus vorher
Könnte ein einfacher Piks in den Arm bald ausreichen, um unser persönliches Risiko für eine Demenzerkrankung vorherzusagen? Eine groß angelegte internationale Studie, die kürzlich im renommierten Fachmagazin JAMA (Journal of the American Medical Association) veröffentlicht wurde, liefert darauf eine vielversprechende Antwort. Forscher haben herausgefunden, dass der Blutmarker p-tau217 das Risiko für künftige kognitive Beeinträchtigungen erstaunlich präzise bestimmen kann – und das bis zu ein Jahrzehnt, bevor die ersten Symptome auftreten.
Umfangreiche Studie mit über 2.600 Senioren
Für die Untersuchung analysierten Wissenschaftler unter der Leitung des Mass General Brigham Krankenhauses in Boston die Daten von 2.684 älteren Menschen. Zu Beginn der Studie waren alle Teilnehmer, die im Durchschnitt rund 70 Jahre alt waren, geistig völlig gesund. Über einen Zeitraum von teilweise mehr als 13 Jahren wurden sie regelmäßig auf ihre kognitiven Fähigkeiten hin untersucht.
Das Ergebnis ist ein Meilenstein für die Alzheimer-Forschung: Bei Personen, deren Blut extrem hohe Werte des Proteins p-tau217 aufwies, stieg das Risiko, innerhalb der nächsten fünf Jahre an einer kognitiven Einschränkung zu erkranken, auf 38 Prozent. Auf einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet, kletterte dieses Risiko sogar auf alarmierende 78 Prozent.
Was ist p-tau217?
Bei Alzheimer-Patienten lagern sich im Gehirn schädliche Eiweiße ab, darunter das sogenannte Tau-Protein. Der Marker p-tau217 im Blut spiegelt genau diese gefährlichen Veränderungen im Gehirn wider. Bislang waren für solche Erkenntnisse aufwendige und teure Verfahren wie Gehirnscans oder unangenehme Nervenwasseruntersuchungen nötig. Der neue Bluttest liefert diese wertvollen Informationen weitaus unkomplizierter und offenbar sogar noch aussagekräftiger als bisherige genetische Tests.
Warum Experten aktuell noch vom Test abraten
Trotz der Euphorie in der Wissenschaftsgemeinde warnen Mediziner davor, den Test sofort in der breiten Masse einzusetzen. Da es bislang keine heilenden Medikamente für die Vorstadien von Alzheimer gibt, würde ein positives Testergebnis für viele Patienten vor allem eine enorme psychische Belastung ohne direkten medizinischen Nutzen bedeuten.
Experten betonen, dass der medizinische Rat für gesunde ältere Menschen unabhängig von einem solchen Testergebnis ohnehin derselbe bleibt. Um das Gehirn fit zu halten, wird Folgendes empfohlen:
- Regelmäßige körperliche Bewegung
- Eine ausgewogene, gesunde Ernährung
- Ausreichend und erholsamer Schlaf
- Aktive Teilnahme am sozialen Leben
Ein Durchbruch für die Entwicklung neuer Medikamente
Dennoch ist der p-tau217-Bluttest ein gewaltiger Schritt nach vorn. Er ermöglicht es Forschern künftig, genau die Menschen für klinische Studien auszuwählen, die ein hohes Risiko für Alzheimer haben, aber noch keine Symptome zeigen. Genau in diesem frühen Stadium könnten zukünftige Medikamente am wirkungsvollsten sein, um den Ausbruch der Krankheit zu verzögern oder gar ganz zu verhindern. Der Test könnte somit der Schlüssel zu den Alzheimer-Therapien von morgen sein.
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