Wenn der Partner erkrankt: Steigt das eigene Demenz-Risiko?
Die Diagnose Demenz verändert nicht nur das Leben der betroffenen Person von Grund auf, sondern stellt auch den Lebenspartner vor enorme emotionale und körperliche Herausforderungen. Eine aktuelle Kohortenstudie liefert nun wichtige Erkenntnisse: Ist der Ehepartner an Demenz erkrankt, könnte dies das eigene Risiko, ebenfalls an der unheilbaren Krankheit zu leiden, erhöhen.
Die Ergebnisse der aktuellen Kohortenstudie
Ein Forschungsteam um Shi-Heng Wang aus Taiwan hat in einer umfangreichen Studie untersucht, wie sich die Demenzerkrankung eines Partners auf die kognitive Gesundheit des anderen auswirkt. Die im Fachblatt JAMA Network Open veröffentlichten Ergebnisse zeigen eine deutliche Korrelation. Demnach weisen Ehepartner von Demenzkranken eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, im weiteren Lebensverlauf selbst eine Demenz zu entwickeln, als Personen mit kognitiv gesunden Partnern.
Warum steigt das Demenz-Risiko für den Partner?
Dass die Krankheit ein gemeinsames Risiko birgt, hat in diesem Fall nichts mit einer klassischen Ansteckung zu tun. Das erhöhte Risiko lässt sich vielmehr auf eine Kombination aus geteilten Lebensumständen und enormen psychischen Belastungen zurückführen:
- Chronischer Stress: Die Pflege und Betreuung eines demenzkranken Partners ist oft ein Rund-um-die-Uhr-Einsatz. Der damit verbundene chronische Stress gilt als bekannter Risikofaktor für einen kognitiven Abbau.
- Geteilter Lebensstil: Ehepaare teilen in der Regel Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten. Ein ungesunder Lebensstil, der beim ersten Partner zur Demenz beigetragen haben könnte, betrifft meist auch den zweiten.
- Soziale Isolation: Mit dem Fortschreiten der Krankheit ziehen sich viele Paare aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Mangelnde soziale Interaktion kann den geistigen Abbau beschleunigen.
- Schlafmangel: Nächtliche Unruhe des Erkrankten führt unweigerlich zu Schlafstörungen beim pflegenden Partner, was sich nachweislich negativ auf die Gehirngesundheit auswirkt.
Sozioökonomische Faktoren spielen eine Schlüsselrolle
Die Studie betont jedoch ausdrücklich, dass die Assoziation stark vom familiären und sozioökonomischen Kontext abhängt. Laut den Wissenschaftlern sind Partner aus einkommensschwächeren Verhältnissen oder solche ohne intaktes familiäres Unterstützungsnetzwerk deutlich stärker gefährdet. Finanzielle Sicherheit, ein hohes Bildungsniveau und die Möglichkeit, professionelle Pflegehilfen in Anspruch zu nehmen, scheinen als Puffer zu wirken und das eigene Demenzrisiko spürbar abzumildern.
Was pflegende Angehörige jetzt tun können
Die Ergebnisse der Studie sind ein wichtiger Weckruf, aber kein Grund zur Panik. Vielmehr unterstreichen sie, wie essenziell die Selbstfürsorge für pflegende Angehörige ist. Wer einen demenzkranken Partner betreut, muss nicht nur auf dessen Wohl, sondern zwingend auch auf die eigene Gesundheit achten.
Pflegeexperten raten dazu, frühzeitig Entlastungsangebote wie Tagespflegen, ambulante Pflegedienste oder Selbsthilfegruppen in Anspruch zu nehmen. Auch der Erhalt eigener sozialer Kontakte und Hobbys sowie eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind entscheidende Faktoren, um das eigene Gehirn fit zu halten und dem Risiko einer eigenen Erkrankung aktiv entgegenzuwirken.
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