Extreme Hitze: Krankmeldungen in der Pflege erreichen neuen Höchststand
Die anhaltend hohen Temperaturen der vergangenen Wochen fordern ihren Tribut. Besonders Menschen, die ohnehin schon körperlich anstrengende Arbeit leisten, leiden massiv unter der extremen Wetterlage. In kaum einer anderen Branche sind die gesundheitlichen Auswirkungen derzeit so deutlich spürbar wie im Gesundheitswesen und in der Pflege.
IKK Südwest registriert sprunghaften Anstieg
Dass die Hitzewelle direkte gesundheitliche Konsequenzen für die Beschäftigten hat, belegen nun aktuelle Daten. Laut der Krankenkasse IKK Südwest ist in den vergangenen Hitzewochen ein sprunghafter Anstieg bei den neuen Krankmeldungen zu verzeichnen. Aus den Auswertungen geht eindeutig hervor, dass insbesondere Menschen in sozialen Berufen sowie Pflegekräfte überdurchschnittlich oft von hitzebedingten Ausfällen betroffen sind.
Die Gründe hierfür sind vielschichtig, lassen sich jedoch größtenteils auf die ohnehin schon herausfordernden Arbeitsbedingungen in der Pflege zurückführen, die durch die extremen Temperaturen weiter verschärft werden.
Warum Pflegekräfte besonders gefährdet sind
Der Arbeitsalltag in Krankenhäusern, Pflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten ist bereits unter normalen klimatischen Bedingungen körperlich und mental enorm anspruchsvoll. Kommen wochenlange Hitzeperioden hinzu, entsteht für das Personal eine gefährliche Doppelbelastung:
- Körperliche Schwerstarbeit: Das Umlagern, Waschen und Mobilisieren von Patienten erfordert viel Kraft und treibt den Kreislauf bei Außentemperaturen von über 30 Grad schnell an seine Grenzen.
- Schutzkleidung: Das Tragen von Kasacks, Handschuhen und in bestimmten Bereichen auch Masken und Schutzkitteln verhindert eine ausreichende Luftzirkulation am Körper und begünstigt einen gefährlichen Hitzestau.
- Fehlende Klimatisierung: Viele ältere Klinikgebäude und Pflegeeinrichtungen verfügen nicht über flächendeckende Klimaanlagen oder adäquaten Hitzeschutz, was die Raumtemperaturen auf den Stationen oft unerträglich ansteigen lässt.
- Flüssigkeitsmangel: Im stressigen Schichtbetrieb bleibt oft kaum Zeit für ausreichende Trinkpausen. Bei starkem Schwitzen führt dies rasch zu Dehydration, Schwindel und schweren Kreislaufproblemen.
Prävention und Schutzmaßnahmen im Fokus
Um dem drastischen Anstieg der Krankmeldungen entgegenzuwirken, sind Arbeitgeber in der Pflicht, den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter aktiv zu fördern. Arbeitsmediziner raten dazu, Arbeitsabläufe wo möglich anzupassen, um die Belastung in den heißesten Stunden des Tages zu reduzieren. Zudem müssen zwingend ausreichend kühle Getränke bereitgestellt und regelmäßige, kurze Erholungspausen in kühleren Räumen ermöglicht werden.
Angesichts der zu erwartenden Zunahme von extremen Hitzeperioden in den kommenden Jahren wird die Anpassung der Arbeitsbedingungen in der Pflege zu einer zentralen gesundheitspolitischen Herausforderung. Nur durch gezielte, langfristige Schutzmaßnahmen und bauliche Anpassungen kann verhindert werden, dass die ohnehin angespannte Personalsituation in den Sommermonaten durch hitzebedingte Ausfälle weiter eskaliert.
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