Kampf gegen die Sepsis: Warum Früherkennung Leben rettet
Die Sepsis – in der Umgangssprache häufig als Blutvergiftung bezeichnet – gehört hierzulande zu den häufigsten und gefährlichsten Todesursachen. Dennoch wird die dramatische Dynamik des Krankheitsbildes in der breiten Öffentlichkeit und bisweilen auch im medizinischen Versorgungsalltag noch immer unterschätzt. Expertinnen und Experten der Deutschen Sepsis-Gesellschaft und der Sepsis-Stiftung warnen regelmäßig davor, dass mangelndes Bewusstsein und verzögerte Diagnosen jedes Jahr tausende Menschenleben kosten.
Ein zeitkritischer Notfall: Jede Stunde zählt
Medizinisch betrachtet ist eine Sepsis eine lebensbedrohliche Fehlregulation des körpereigenen Immunsystems infolge einer Infektion. Anstatt den Krankheitsherd lokal zu bekämpfen, greift die eigene Immunantwort körpereigenes Gewebe und lebenswichtige Organe an. Wird der Prozess nicht umgehend gestoppt, droht ein multiples Organversagen bis hin zum septischen Schock.
Im internationalen Vergleich liegt die Sepsis-Sterblichkeit in Deutschland höher als in anderen Industriestaaten. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der verspäteten Erkennung: Die ersten Symptome verlaufen oftmals schleichend oder wirken unspezifisch, sodass wertvolle Behandlungszeit verstreicht, bevor eine zielgerichtete Therapie mit Antibiotika und Kreislaufstabilisierung begonnen wird.
Klassische Warnzeichen, die sofortiges Handeln erfordern
Die Anzeichen einer beginnenden Sepsis können vielfältig sein. Besondere Wachsamkeit ist geboten, wenn bei einer bestehenden oder vermuteten Infektion – wie einer Lungenentzündung, einem Harnwegsinfekt oder einer Wundrose – folgende Alarmsignale auftreten:
- Verändertes Bewusstsein: Plötzliche Verwirrtheit, Apathie, Desorientierung oder Wesensveränderungen
- Atemnot: Eine auffallend schnelle, flache oder angestrengte Atmung
- Kreislaufprobleme: Stark abfallender Blutdruck, ungewöhnlich schneller Puls oder Schwindel
- Temperaturanomalien: Hohes Fieber mit Schüttelfrost oder im Gegenteil eine gefährlich erniedrigte Körpertemperatur
- Hautveränderungen: Kalte, fleckige oder feuchte Haut sowie extremes Schwitzen
- Schweres Krankheitsgefühl: Betroffene beschreiben oft das Gefühl, noch nie im Leben so schwer krank gewesen zu sein
Schlüsselrolle für Pflegekräfte und pflegende Angehörige
Gerade in der stationären und ambulanten Pflege kommt Pflegefachpersonen sowie Angehörigen eine unverzichtbare Lotsenfunktion zu. Ältere und multimorbide Menschen tragen aufgrund eines oft geschwächten Immunsystems ein besonders hohes Risiko für septische Verläufe. Da Pflegende den täglichen Zustand der Betreuten genau kennen, fallen ihnen kleinste Verhaltens- oder Vitalwertänderungen am ehesten auf.
Initiativen zur Sepsis-Prävention setzen daher verstärkt auf standardisierte Schulungsprogramme in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Durch gezielte Screening-Instrumente und das kontinuierliche Mitdenken der Frage „Könnte das eine Sepsis sein?“ lassen sich Infektionen rascher abklären und Leben retten. Bei einem begründeten Verdacht gilt stets: Sofort den Notruf 112 wählen und gezielt auf den Sepsis-Verdacht hinweisen.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

