Fachärzte fordern Ende der verpflichtenden offenen Sprechstunden

Djamal Sadaghiani
Facharzt-Praxen fordern Abschaffung der offenen Sprechstunde

In vielen Facharztpraxen gehören sie seit einigen Jahren zum Alltag: feste Zeiten, in denen Patientinnen und Patienten ohne vorherige Terminvereinbarung in die Praxis kommen können. Doch die Kritik der Ärzteschaft an dieser Regelung reißt nicht ab. Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands fordert von der Politik nun die vollständige Abschaffung der verpflichtenden offenen Sprechstunden.

Bürokratischer Zwang statt flexibler Versorgung?

Die Verpflichtung zu mindestens fünf Stunden offener Sprechstunde pro Woche für grundversorgende Facharztgruppen – wie etwa Augenärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte oder Orthopäden – war einst eingeführt worden, um Wartezeiten auf Facharzttermine spürbar zu verkürzen. Aus Sicht der Fachärzteverbände hat sich das Instrument in der Praxis jedoch nicht bewährt.

Die Mediziner bemängeln, dass starre Vorgaben die individuellen Praxisabläufe erheblich stören. Wenn viele Menschen zeitgleich ohne Voranmeldung in die Praxen drängen, führt dies oft zu überfüllten Wartezimmern, erhöhtem Stress für das medizinische Fachpersonal und unberechenbaren Behandlungszeiten für planbare Termine.

Finanzierungsstreit belastet das Verhältnis zur Politik

Ein zentraler Kritikpunkt der Ärzte liegt in den veränderten Rahmenbedingungen. Während die Einführung der offenen Sprechstunden ursprünglich mit finanziellen Anreizen und einer extrabudgetären Vergütung für neue Behandlungsfälle verknüpft war, wurden diese Regelungen durch spätere Spargesetze zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung wieder eingeschränkt. Für die Praxen bedeutet dies, dass der organisatorische Mehraufwand und das zusätzliche Patientenaufkommen häufig im Rahmen fester Budgets bewältigt werden müssen.

  • Überlastung der Praxisteams: Ungeplante Patientenzuläufe erschweren eine strukturierte Tagesplanung und belasten die Mitarbeitenden.
  • Wartezeiten für reguläre Termine: Durch geblockte Zeiten für Akutfälle verschieben sich reguläre Kontroll- und Behandlungstermine für chronisch kranke Menschen.
  • Forderung nach Praxisautonomie: Ärzteverbände plädieren dafür, dass jede Praxis selbst entscheiden sollte, wie Akutfälle am effizientesten in den Ablauf integriert werden.

Was bedeutet die Diskussion für Pflegebedürftige und Patienten?

Gerade für ältere oder pflegebedürftige Menschen stellt die aktuelle Regelung ein zweischneidiges Schwert dar. Einerseits bietet die offene Sprechstunde die theoretische Möglichkeit, bei akuten Beschwerden kurzfristig vorstellig zu werden. Andererseits sind lange Wartezeiten vor Ort für mobilitätseingeschränkte Personen oft eine enorme körperliche Belastung.

Sollte die Bundespolitik den Forderungen der Fachärzteschaft nachkommen und die gesetzliche Pflicht kippen, würde dies nicht das Ende akuter Behandlungen bedeuten. Stattdessen fordern die Verbände passgenauere Steuerungsmodelle, wie etwa koordinierte Akut-Termine über Praxistelefone, Hausärzte oder digitale Terminservicestellen, um den Praxisalltag besser zu strukturieren und Patienten gezielter zu versorgen.

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