Gefährliche Scham: Warum jeder fünfte Patient beim Arzt lügt

Djamal Sadaghiani
Barmer-Umfrage: Warum Patienten beim Arzt Probleme verschweigen

Das Behandlungszimmer gilt eigentlich als geschützter Raum. Doch sobald es um intime oder heikle Themen geht, geraten viele Patienten ins Stocken. Eine aktuelle Umfrage zeigt nun ein alarmierendes Bild: Fast jeder fünfte Erwachsene in Deutschland verheimlicht seinem Arzt bewusst gesundheitliche Probleme.

Frauen und junge Menschen verschweigen häufiger

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse Barmer haben 18 Prozent der Befragten schon einmal aus Scham, Peinlichkeit oder Misstrauen wichtige Symptome beim Arztbesuch für sich behalten. Bemerkenswert ist dabei die deutliche Geschlechterkluft: Während nur 13 Prozent der Männer angaben, ärztliches Personal im Unklaren zu lassen, ist der Anteil bei den Frauen mit 23 Prozent fast doppelt so hoch.

Auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle. Vor allem die Generation der 18- bis 29-Jährigen tut sich schwer: Hier gaben 28 Prozent an, unangenehme Themen lieber unter den Teppich zu kehren. Bei den über 60-Jährigen, die im Durchschnitt deutlich häufiger medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, sinkt dieser Wert auf lediglich 13 Prozent.

Die größten Tabuthemen im Behandlungszimmer

Doch worüber schweigen die Patienten am häufigsten? Die Umfrage, für die knapp 1.800 Personen befragt wurden, identifiziert klare Tabuzonen:

  • Beziehungs- und Partnerschaftsprobleme: 28 Prozent der Befragten haben größte Schwierigkeiten, diese Themen anzusprechen.
  • Sexuelle Gesundheit: Ein Viertel (25 Prozent) traut sich nicht, über sexuelle Probleme aufzuklären.
  • Häusliche Gewalt und Missbrauch: Erschreckende 20 Prozent verschweigen aus Angst oder Scham Gewalterfahrungen.

Fehlende Routine oder mangelndes Vertrauen?

Interessanterweise liegt das Verschweigen meist nicht an einem generellen Misstrauen gegenüber der Ärzteschaft. Laut der Erhebung vertrauen 92 Prozent der Patienten ihren Medizinern in Gesundheitsfragen. Vielmehr ist es die falsche Scham, die eine offene Kommunikation blockiert.

Dass gerade jüngere Menschen Probleme haben, sich zu öffnen, lässt sich gut erklären. In jungen Jahren ist der Kontakt zu Ärzten meist seltener. Mit zunehmendem Alter und häufigeren Arztbesuchen baut sich eine engere Arzt-Patienten-Bindung auf, die es erleichtert, auch heikle Themen angstfrei anzusprechen.

Riskantes Schweigen: Folgen für die Gesundheit

Mediziner und Krankenkassen warnen eindringlich vor falscher Scham. Werden entscheidende Symptome oder die wahren Ursachen für psychische wie physische Leiden verschwiegen, kann dies gravierende Folgen für den Behandlungsverlauf haben. Fehldiagnosen oder unwirksame Therapien sind oft das direkte Resultat fehlender Informationen.

Für Patienten gilt daher: Ärzte unterliegen der strikten ärztlichen Schweigepflicht und sind im Umgang mit sensiblen Themen – von der Sexualgesundheit bis hin zu psychischen Krisen – professionell geschult. Ein offenes Wort ist der erste und wichtigste Schritt zur erfolgreichen Heilung.

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