Gefährliche Vorsorge? AOK-Chefin warnt vor teuren IGeL-Leistungen beim Frauenarzt

Dominik Hübenthal
IGeL-Leistungen beim Frauenarzt: AOK warnt vor riskanten Krebs-Checks

Anlässlich des nahenden Weltfrauentages am 8. März schlägt der AOK-Bundesverband Alarm: Viele Selbstzahlerleistungen in gynäkologischen Praxen sind nicht nur teuer, sondern zum Teil sogar schädlich. Besonders im Fokus steht dabei eine der am häufigsten verkauften Untersuchungen in Deutschland.

Frauen sind gesundheitsbewusst und nehmen Vorsorgeuntersuchungen deutlich häufiger in Anspruch als Männer. Doch diese vorbildliche Einstellung wird in manchen Arztpraxen offenbar gezielt als Einnahmequelle genutzt. Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, übt nun scharfe Kritik an sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und fordert strengere Regeln zum Schutz der Patientinnen.

Lukratives Geschäft mit der Angst

Solange es sich um evidenzbasierte Angebote handelt, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, sei die hohe Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen durch Frauen sehr zu begrüßen, so Reimann laut einer aktuellen Mitteilung des AOK-Bundesverbandes. Das Problem beginne jedoch dort, wo Ärztinnen und Ärzte gesundheitsbewusste Patientinnen als lukrative Zielgruppe betrachten, um mit zusätzlichen Angeboten Geld zu verdienen.

Viele dieser Selbstzahlerleistungen entbehren jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Schlimmer noch: Einige richten nachweislich mehr Schaden an, als dass sie einen gesundheitlichen Nutzen bringen.

Ultraschall der Eierstöcke: Ein prominentes Negativbeispiel

Als besonders drastisches Beispiel nennt die AOK-Chefin die Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Diese Untersuchung wird Patientinnen bei der jährlichen gynäkologischen Routinekontrolle immer wieder als sinnvolle Ergänzung angepriesen und gehört seit Jahren zu den am häufigsten verkauften IGeL-Leistungen in Deutschland.

Fakt ist jedoch: Ein medizinischer Nutzen konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet diese Untersuchung auf einer sehr fundierten Datenbasis sogar ausdrücklich als "negativ". Der Grund dafür ist so simpel wie erschreckend: Die Ultraschalluntersuchung senkt das Risiko, an Eierstockkrebs zu sterben, nicht. Stattdessen führt sie regelmäßig zu Fehlalarmen mit gravierenden Folgen.

Unnötige Operationen und entfernte Organe

Wie die verlässlichen Daten des IGeL-Monitors zeigen, werden bei etwa drei von hundert Frauen infolge eines solchen Fehlalarms völlig gesunde, nicht krebserkrankte Eierstöcke operativ entfernt. Diese überflüssigen Eingriffe bergen nicht nur das allgemeine Operationsrisiko, sondern können auch zu schweren Komplikationen führen und das Leben der betroffenen Frauen nachhaltig beeinträchtigen.

Patientinnen müssen besser geschützt werden

Im Sinne der Frauengesundheit fordert die AOK-Chefin daher ein konsequenteres Vorgehen und strengere Regeln für das Anbieten teurer IGeL-Leistungen. Patientinnen dürfen nicht aus falscher Sorge um ihre Gesundheit zu medizinisch fragwürdigen und potenziell schädlichen Eingriffen gedrängt werden.

Tipps für den Umgang mit IGeL-Angeboten:

  • Bedenkzeit einfordern: Lassen Sie sich in der Praxis nicht unter Druck setzen. Sie haben immer das Recht, eine angebotene Zusatzleistung in Ruhe zu überdenken.
  • Unabhängig informieren: Nutzen Sie seriöse Quellen wie den IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes, um sich vorab über den tatsächlichen Nutzen einer Untersuchung zu informieren.
  • Kritisch nachfragen: Bitten Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, den konkreten Nutzen und vor allem die möglichen Risiken der Leistung verständlich zu erklären.
  • Zweitmeinung einholen: Bei teuren oder riskanten Untersuchungen kann es sinnvoll sein, die Einschätzung eines weiteren Mediziners einzuholen.

Der Weltfrauentag 2026 rückt damit ein wichtiges Thema in den Fokus: Wahre Frauengesundheit bedeutet auch den Schutz vor Überversorgung und medizinischer Geschäftemacherei.

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