Gegen Sprachbarrieren: Hamburger Erklärung fordert Wende in Klinik und Pflege
Sprachbarrieren stellen im deutschen Gesundheits- und Pflegesystem tagtäglich ein erhebliches Risiko für die Patientensicherheit dar. Wenn behandelnde Fachkräfte und Hilfebedürftige nicht dieselbe Sprache sprechen, drohen Missverständnisse, Fehldiagnosen und Verzögerungen bei lebenswichtigen Therapien. Mit der sogenannten „Hamburger Erklärung zur mehrsprachigen Gesundheitsversorgung“ schlägt ein internationales Forscherteam nun Alarm und verlangt einen grundlegenden Kurswechsel in Politik und Versorgungspraxis.
Mehrsprachigkeit darf kein Notbehelf mehr sein
Bisher gleicht die Verständigung in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen häufig einem riskanten Provisorium. Fehlen professionelle Dolmetscher, greift das Personal in der Praxis nicht selten auf Angehörige, zweisprachige Reinigungskräfte oder ungenaue digitale Übersetzungsprogramme zurück. Besonders problematisch: mitunter müssen sogar minderjährige Kinder für ihre erkrankten Eltern übersetzen.
Die Verfasser der Hamburger Erklärung, die aus dem internationalen Forschungsprojekt „MiM2M“ hervorgegangen ist, fordern deshalb, dass Mehrsprachigkeit endlich als fester Standard im Versorgungsalltag verankert wird. Eine professionelle Sprachmittlung müsse integraler Bestandteil der Versorgungsstrukturen werden und dürfe nicht länger vom Improvisationstalent einzelner Teams abhängen.
Fünf zentrale Säulen für eine sichere Kommunikation
Um Kommunikationshürden wirksam abzubauen und die Qualität der Versorgung nachhaltig zu sichern, benennt die Erklärung fünf wesentliche Handlungsfelder:
- Qualifizierte Sprachmittlung: Ein systematischer und finanzierter Zugang zu professionellen Dolmetschenden, insbesondere bei komplexen Aufklärungsgesprächen und in der psychosozialen Versorgung.
- Bedarfsgerechte Patientendokumentation: Eine routinemäßige Erfassung der bevorzugten Sprache in den Patientenakten bereits bei der Aufnahme.
- Mehrsprachige Informationsmaterialien: Standardisierte, behördlich geprüfte Übersetzungen von Einwilligungsbögen, Formularen und Patienteninformationen.
- Schulung des Personals: Fortbildungen für Pflegefachkräfte und Mediziner im professionellen Umgang mit Sprachmittlern sowie zur kultursensiblen Kommunikation.
- Gezielter Einsatz von Hilfsmitteln: Strukturierte Nutzung zertifizierter digitaler Technologien, ohne dabei die menschliche und professionelle Betreuung zu ersetzen.
Klare Forderungen an Gesetzgeber und Kostenträger
Die Forschenden richten ihren Appell ausdrücklich an die Gesundheitspolitik und die Krankenkassen. Eine funktionierende Verständigung sei kein Luxus, sondern eine ethische und medizinische Notwendigkeit. Nur wenn für Dolmetschdienste verlässliche Vergütungs- und Finanzierungsmodelle geschaffen werden, lassen sich Behandlungsfehler vermeiden und gleiche Versorgungsstandards für alle Patientinnen und Patienten gewährleisten.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

