GKV-Spargesetz: AOK wirft Pharmariesen Nötigung vor

Dominik Hübenthal
GKV-Spargesetz: AOK kritisiert Pharmakonzerne wegen Nötigung

Das geplante GKV-Spargesetz sorgt unmittelbar vor seiner ersten Lesung im Bundestag für ein massives Beben im Gesundheitssektor. Im Zentrum des Konflikts stehen drastische Drohungen der Pharmaindustrie, die nun scharfe Reaktionen der Krankenkassen hervorrufen.

Pharmariesen drohen mit Investitionsstopp

Medienberichten zufolge haben die beiden globalen Pharmakonzerne Eli Lilly und Boehringer Ingelheim angekündigt, ihre geplanten Investitionen in Deutschland deutlich zurückzufahren. Der Grund: Das neue GKV-Spargesetz sieht verschärfte Erstattungsregelungen und höhere Rabatte auf Arzneimittel vor. Damit soll das klaffende Finanzloch der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gestopft werden.

Für die AOK ist das Vorgehen der Industrie ein rotes Tuch. Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, wählt deutliche Worte und bezeichnet das Vorgehen der Konzerne laut einer Mitteilung des Verbandes als eine an Nötigung grenzende Androhung.

Milliardengewinne vs. Kassen-Defizit

Die Fronten sind verhärtet. Während die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Defizit im zweistelligen Milliardenbereich kämpfen, verzeichnen die besagten Pharmaunternehmen Rekordgewinne. Laut der AOK-Chefin sei es absolut inakzeptabel, dass sich hocherfolgreiche Unternehmen durch die Androhung von Investitionskürzungen ihrem Beitrag zu den dringend benötigten Einsparungen entziehen wollen.

  • Kassendefizit: Die GKV weist ein Finanzloch im zweistelligen Milliardenbereich auf.
  • Pharma-Gewinne: Gleichzeitig erzielen große Pharmakonzerne hohe Milliardenüberschüsse.
  • Gesetzesziel: Das GKV-Spargesetz soll durch höhere Rabatte auf Medikamente die Beitragszahler entlasten.

Die "populistische Keule" der Pharmaindustrie?

Dem AOK-Bundesverband zufolge nutzen die Unternehmen die aktuell angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland gezielt für ihre Zwecke aus. Es sei schlicht nicht die Aufgabe der Beitragszahler, durch überhöhte Arzneimittelpreise eine verdeckte Standortförderung für die Industrie zu finanzieren. Zudem verweist die Kasse auf Einschätzungen des Sachverständigenrates für Gesundheit und Pflege. Demnach habe das reine Preisniveau von Arzneimitteln faktisch keinen nennenswerten Einfluss auf die Standortentscheidungen der Pharmakonzerne.

Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Debatten um sogenannte Geheimpreise und deren Verknüpfung mit Investitionszusagen, die letztlich die Kosten für die Versicherten in die Höhe trieben. Mit der ersten Lesung des GKV-Spargesetzes im Bundestag erreicht dieser Konflikt nun einen neuen Höhepunkt.

Für Pflegebedürftige, Patienten und Beitragszahler bleibt abzuwarten, wie die Politik auf diesen massiven Druck der Industrie reagieren wird. Klar ist jedoch: Die Debatte um bezahlbare Medikamente und stabile Kassenbeiträge wird in den kommenden Wochen mit harten Bandagen geführt werden.

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