Grauer-Star-OP: Wie Patienten mit Premium-Linsen abkassiert werden

Djamal Sadaghiani
Grauer Star: Abzocke bei Augen-OPs - Patienten zahlen Hunderte Euro zu viel

Millionen Menschen in Deutschland kennen das Problem: Die Sicht wird zunehmend trüber, die Farben verblassen. Der Graue Star (Katarakt) ist eine der häufigsten Augenerkrankungen im Alter. Wenn die Sehkraft zu stark nachlässt, hilft nur noch ein operativer Eingriff, bei dem die getrübte Linse durch eine künstliche ersetzt wird. Doch genau hier tappen viele Patienten offenbar in eine teure Kostenfalle.

Die Masche mit den angeblichen Premiumlinsen

Recherchen des NDR decken nun eine weitreichende und systematische Abzocke bei Grauer-Star-Operationen auf. Viele Augenärzte unterbreiten ihren Patienten vor dem Eingriff ein scheinbar exklusives Angebot: Gegen eine private Zuzahlung von oft mehr als 500 Euro pro Auge könnten sogenannte "Premiumlinsen" eingesetzt werden. Bei diesen Linsen handelt es sich um asphärische Monofokallinsen, die angeblich besseres Sehen ermöglichen und nicht komplett von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen würden.

Die Realität sieht jedoch anders aus: Diese asphärischen Linsen sind mittlerweile der weltweite medizinische Standard. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Eingriff und die Linsen vollständig. Dass Patienten hier zur Kasse gebeten werden, entbehrt laut den Recherchen jeglicher medizinischen und finanziellen Grundlage.

Versteckte Gewinne durch erfundene Aufwände

Besonders brisant ist die Preisspanne. Während Patienten Hunderte Euro aus eigener Tasche zuzahlen sollen, beziehen Operationszentren diese hochwertigen asphärischen Linsen für einen Bruchteil des Preises. Insidern zufolge zahlen die Kliniken im Einkauf meist weniger als 80 Euro pro Stück – ein Betrag, der deutlich unter der Pauschale liegt, welche die gesetzlichen Krankenversicherungen ohnehin erstatten.

Da es Medizinern in Deutschland gesetzlich untersagt ist, mit dem reinen Verkauf von Implantaten Gewinne zu erzielen, greifen einige Ärzte offenbar zu einem Trick: Auf den Abrechnungen und Behandlungsverträgen tauchen die Linsenpreise oft gar nicht konkret auf. Stattdessen werden angebliche "zusätzliche Aufwände" für Voruntersuchungen oder die Operation selbst in Rechnung gestellt.

Öffentliche Kliniken widersprechen den Privatärzten

Dass für den Einsatz asphärischer Linsen ein medizinischer Mehraufwand nötig sei, wird von Experten vehement bestritten. Mehrere Chefärzte von öffentlichen Krankenhäusern und Universitätskliniken haben klargestellt, dass bei der Verwendung dieser Linsen keinerlei zusätzlicher Aufwand entsteht – weder vor noch während der Operation.

Viele öffentliche Kliniken bestätigen zudem, dass sie die asphärischen Linsen bereits standardmäßig bei Grauer-Star-Operationen verwenden, ohne dass die Patienten auch nur einen Cent dazuzahlen müssen. Der preisliche Unterschied zwischen den veralteten sphärischen und den modernen asphärischen Linsen sei im Einkauf ohnehin marginal.

Darauf sollten Patienten achten

Mit rund einer Million Eingriffen pro Jahr ist die Operation des Grauen Stars eine der am häufigsten durchgeführten Operationen in Deutschland. Patienten sollten bei der Wahl der Klinik und der Linse wachsam sein:

  • Zuzahlungen hinterfragen: Wenn Ihnen eine angebliche "Premiumlinse" (asphärische Linse) gegen einen hohen Aufpreis angeboten wird, seien Sie skeptisch.
  • Zweite Meinung einholen: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Holen Sie im Zweifel die Einschätzung eines anderen Arztes oder einer öffentlichen Augenklinik ein.
  • Krankenkasse kontaktieren: Sprechen Sie vor der Vertragsunterschrift mit Ihrer gesetzlichen Krankenversicherung und fragen Sie nach, welche Kosten im Detail übernommen werden.

Eine gute Sicht im Alter darf keine Frage des Geldbeutels sein – und schon gar nicht das Resultat von irreführenden Verkaufstaktiken.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.