Hartmannbund schlägt Alarm: Hybrid-Fallpauschalen gefährden Kliniken und Ärzteausbildung

Dominik Hübenthal
Hartmannbund kritisiert Hybrid-DRG: Gefahr für Kliniken & Ausbildung

Die Verlagerung von Operationen aus dem stationären in den ambulanten Bereich ist ein zentrales gesundheitspolitisches Ziel. Doch an der praktischen Umsetzung hapert es gewaltig. Der Hartmannbund übt nun scharfe Kritik an den sogenannten Hybrid-Fallpauschalen (Hybrid-DRG) und warnt vor schwerwiegenden Folgen für die Patientenversorgung und die medizinische Ausbildung.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Der Arbeitskreis „Stationäre Versorgung“ des Hartmannbundes schlägt Alarm: Die sektorengleiche Vergütung bestimmter Eingriffe funktioniere in der aktuellen Form nicht. Durch die Hybrid-DRGs werden ausgewählte, planbare chirurgische Eingriffe zunehmend aus dem stationären Bereich herausgelöst. Das Problem dabei: Es fehlen schlichtweg die notwendigen strukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, um diese Patienten verlässlich ambulant zu versorgen.

Laut der Arbeitskreis-Vorsitzenden Galina Fischer lassen sich die neuen Pauschalen weder organisatorisch noch finanziell sinnvoll abbilden, solange die vermeintlich ambulanten Eingriffe faktisch weiterhin im zentralen Operationssaal der Krankenhäuser stattfinden. Es mangele an eigenständigen, gut ausgebauten ambulanten Versorgungsstrukturen rund um die Kliniken.

Gefahr für die ärztliche Weiterbildung

Ein oft übersehener, aber fataler Nebeneffekt der Reform betrifft die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses. Im ambulanten Sektor gilt in Deutschland in der Regel der strikte Facharztstandard. Das bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte, die sich noch in der Weiterbildung befinden, diese Eingriffe dort kaum noch selbst durchführen dürfen.

  • Wichtige praktische Ausbildungsinhalte gehen verloren.
  • Es gibt aktuell keine gleichwertigen Alternativen, um die fehlende OP-Erfahrung auszugleichen.
  • Langfristig könnte dies den ohnehin schon spürbaren Fachkräftemangel in der Chirurgie weiter verschärfen.

Forderung nach realistischen Rahmenbedingungen

Grundsätzlich verschließt sich der Hartmannbund nicht dem politischen Ziel der Ambulantisierung. Die Experten sehen darin durchaus einen sinnvollen Ansatz, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Allerdings bestehe derzeit ein massives Spannungsfeld zwischen dem politischen Willen auf dem Papier und der harten klinischen Realität.

Damit die Ausweitung ambulanter Leistungen in Zukunft gelingen kann, fordert der Verband dringend Nachbesserungen. Dazu gehören vor allem tragfähige und faire Finanzierungsmodelle, ein gezielter und geförderter Aufbau von ambulanten Strukturen im direkten Krankenhausumfeld sowie realistische Vorgaben, die im Klinikalltag auch tatsächlich umsetzbar sind. Ohne diese Anpassungen drohe die gut gemeinte Reform auf dem Rücken des Personals und der Patienten zu scheitern.

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