Herz-Eingriffe bei KHK: Patienten werden bei Therapieentscheidung oft übergangen

Dominik Hübenthal
KHK-Behandlung: Mangelhafte Aufklärung vor Eingriffen am Herzen

Die Diagnose einer koronaren Herzkrankheit (KHK) ist für Betroffene ein einschneidendes Erlebnis. Wenn es um die Wahl der passenden Behandlung geht – etwa zwischen der Implantation eines Stents oder einer Bypass-Operation – sollten Patienten eigentlich eng in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. Doch die Realität in deutschen Kliniken sieht offenbar anders aus. Ein aktuelles Projekt deckt erhebliche Defizite auf.

Der „Revask“-Bericht offenbart deutliche Mängel

Laut einem aktuellen Bericht des vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderten Projekts „Revask“ erfolgen Entscheidungen zu invasiven Eingriffen am Herzen häufig nicht nach den geltenden medizinischen Leitlinien. Das unter der Leitung des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung Berlin (InGef) durchgeführte Projekt beleuchtete die Versorgungsrealität aus verschiedenen Blickwinkeln und wertete dafür unter anderem die Daten von fast 30.000 Patienten der Jahre 2016 bis 2021 aus.

Fehlendes „Shared Decision Making“ im Klinikalltag

Besonders alarmierend für die Patientenversorgung: Die Betroffenen fühlen sich oftmals unzureichend über ihre eigene Gesundheit informiert. Wie die umfangreichen Befragungen zeigten, spielt das sogenannte „Shared Decision Making“ – also die gemeinsame und auf Augenhöhe stattfindende Entscheidungsfindung von Arzt und Patient – im Klinikalltag kaum eine Rolle.

Die gravierendsten Kritikpunkte der Patienten:

  • Informationsdefizite: Patienten berichten von einer lückenhaften und uneinheitlichen medizinischen Beratung.
  • Mangelnde Alternativen: Die Aufklärung über mögliche Behandlungsalternativen zu einem invasiven Eingriff wird von vielen als völlig unzureichend wahrgenommen.
  • Folgen für die Psyche: Gerade nach schwerwiegenden Eingriffen, wie etwa einer Bypass-Operation, klagen Patienten häufiger über Ängste und eine spürbar verminderte Lebensqualität.

Medizinische Leitlinien werden oft ignoriert

Auch aufseiten der Behandler zeigen sich laut dem Bericht deutliche Schwachstellen. Obwohl interdisziplinäre Herzteams in Kliniken mit einer Herzchirurgie meist etabliert sind, wird ihre Arbeit nur selten systematisch dokumentiert. Erschreckend ist zudem die Erkenntnis aus den Experteninterviews: Lediglich rund ein Drittel der befragten medizinischen Leistungserbringer gab an, die Nationale Versorgungsleitlinie zur chronischen KHK im Arbeitsalltag regelmäßig zu nutzen.

Ein Weckruf für eine bessere Kommunikation

Die Ergebnisse des Projekts machen deutlich, dass im deutschen Gesundheitssystem dringender Handlungsbedarf besteht. Um die Versorgungsqualität bei koronaren Herzerkrankungen nachhaltig zu verbessern, muss die Arzt-Patienten-Kommunikation zwingend gestärkt werden. Nur wenn Betroffene die Vor- und Nachteile eines Eingriffs sowie sämtliche Behandlungsalternativen vollständig verstehen, können sie eine selbstbestimmte und sichere Entscheidung über ihr eigenes Herz treffen.

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