Hilfsmittel im Alltag: Verbände fordern Ende des bürokratischen Hürdenlaufs

Dominik Hübenthal
Hilfsmittelversorgung: BVMed und eurocom fordern Bürokratieabbau | PflegeHelfer24

Ob Rollstuhl, Pflegebett, Inkontinenzartikel oder moderne Kompressionsstrümpfe: Für Millionen von Pflegebedürftigen und chronisch kranken Menschen sind Hilfsmittel die Grundvoraussetzung, um ihren Alltag selbstbestimmt zu bewältigen. Doch der Weg zum benötigten Hilfsmittel gleicht in Deutschland oft einem zähen bürokratischen Hindernislauf. Nun machen zwei führende Branchenverbände Druck auf die Bundespolitik.

Dringender Handlungsbedarf in Gesetzgebung und Praxis

Im Rahmen eines Runden Tisches haben der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und die Vereinigung 'eurocom' klare Forderungen an die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag gerichtet. Die Botschaft: Bürokratieabbau und digitale Prozesse dürfen nicht länger auf die lange Bank geschoben werden. In den kommenden Monaten müssten spürbare Reformen umgesetzt werden, um Versorgungsengpässe und unnötige Wartezeiten abzuwenden.

Erleichterungen bei Folgeverordnungen gefordert

Ein zentrales Ärgernis für Betroffene, Angehörige sowie Arztpraxen betrifft wiederkehrende Verordnungen. Wer dauerhaft auf bestimmte Hilfsmittel angewiesen ist – beispielsweise Menschen mit chronischen Erkrankungen oder irreversiblen Behinderungen –, muss oft in regelmäßigen Abständen erneute Anträge und Arztbesuche über sich ergehen lassen, obwohl sich an der medizinischen Diagnose nichts verändert hat.

Die Verbände plädieren daher mit Nachdruck für pragmatische Lösungen:

  • Dauerhafte Bewilligungen: Bei chronisch kranken und dauerversorgten Menschen sollten Folgeverordnungen weitgehend entfallen oder automatisiert verlängert werden.
  • Entlastung für Arztpraxen: Weniger Pflichttermine für bloße Routine-Rezepte schaffen wertvolle Behandlungszeit für Mediziner.
  • Weniger Stress für pflegende Angehörige: Das ständige Nachhalten von Fristen und Bescheiden raubt Betroffenen oft die letzte Kraft.

Digitalisierung als Schlüssel zu schnellerer Versorgung

Neben dem Abbau überflüssiger Nachweispflichten fordern die Experten einen durchgängig digitalen Versorgungsprozess. Bislang werden Anträge und Genehmigungen zwischen Versicherten, Sanitätshäusern, Herstellern und gesetzlichen Krankenkassen noch immer zu großen Teilen auf Papier oder über inkompatible Schnittstellen abgewickelt.

Ein einheitlicher, digitaler Workflow könnte Genehmigungszeiten von Wochen auf wenige Tage verkürzen. Patienten wüssten damit deutlich schneller, wann das benötigte Hilfsmittel geliefert oder angepasst werden kann. Für die häusliche Pflege würde dies eine enorme Planungssicherheit bedeuten.

Fazit: Politik muss Versprechen jetzt einlösen

Laut den Initiatoren des Runden Tisches liegt der Ball nun im Spielfeld der Gesetzgeber. Entbürokratisierung im Gesundheitswesen dürfe kein leeres Schlagwort bleiben. Gelingt es, die Verfahren rund um Hilfsmittel endlich digital, patientenorientiert und unkompliziert aufzustellen, profitieren am Ende alle: die Pflegebedürftigen, das Fachpersonal und die Sozialkassen.

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