Kehrt der Zivildienst zurück? Sozialverbände warnen vor Zwang

Djamal Sadaghiani
Zivildienst-Rückkehr? Bundesregierung prüft Pläne, Verbände skeptisch

Die Debatte um eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht zieht weite Kreise und rückt nun auch den zivilen Ersatzdienst wieder in den Fokus. Die Bundesregierung trifft derzeit konkrete Vorkehrungen, um im Falle einer sicherheitspolitischen Neuausrichtung auch den Zivildienst wieder zu aktivieren. Bei den großen deutschen Sozialverbänden stoßen diese Pläne jedoch auf erhebliche Skepsis.

Vorbereitungen für den Ernstfall

Wie das Bundesfamilienministerium unlängst bestätigte, wurden vorsorglich 23 große Wohlfahrts- und Sozialverbände kontaktiert. Ziel der Abfrage war es, die grundsätzlichen Kapazitäten für mögliche Wehrdienstverweigerer zu prüfen. Die Resonanz war rein quantitativ positiv: Nahezu alle angefragten Organisationen signalisierten ihre grundsätzliche Bereitschaft, entsprechende Plätze zur Verfügung zu stellen.

Auch aus der Politik gibt es Bestätigungen für das Vorhaben. So betonte der Unionsfraktionschef Thorsten Frei, dass es klug und richtig sei, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Sollte die Wehrpflicht tatsächlich reaktiviert werden, müsse zwingend auch ein funktionierender Ersatzdienst bereitstehen.

Massive Kritik aus der Wohlfahrtspflege

Trotz der grundsätzlichen Bereitschaft, Plätze anzubieten, hagelt es inhaltliche Kritik. Die führenden Köpfe der Wohlfahrtspflege warnen eindringlich davor, einen Schritt zurück in die Vergangenheit zu machen. Der Paritätische Gesamtverband sowie der Sozialverband Deutschland (SoVD) plädieren stattdessen für eine massive Stärkung der bestehenden Freiwilligendienste.

Laut der SoVD-Vorsitzenden Michaela Engelmeier müsse man auf freiwilliges Engagement und das Ehrenamt setzen, anstatt junge Menschen zu verpflichten. Der Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) hätten sich bewährt und müssten verlässlich gefördert werden. Auch die Caritas und die Diakonie äußern Bedenken: Ein reaktivierter Zivildienst werde die eklatanten Personalprobleme in der Pflege und in sozialen Einrichtungen nicht nachhaltig lösen können. Freiwilligendienste seien zudem ein wichtiger Motor für die Demokratie, der nicht durch Zwangsdienste aufs Spiel gesetzt werden dürfe.

Bedingungen für ein mögliches Comeback

Sollte der Zivildienst dennoch zurückkehren, formulieren die Verbände klare rote Linien. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) fordert beispielsweise, dass ein solcher Dienst mindestens neun, idealerweise zwölf Monate dauern müsse. Nur so hätten die jungen Menschen die Möglichkeit, echte Qualifikationen zu erwerben und eine Bindung zu ihrer Tätigkeit aufzubauen. Kurze Einsätze ohne tiefgreifende Einarbeitung seien weder für die sozialen Einrichtungen noch für die Leistenden selbst von Nutzen.

Ein Blick zurück: Das Ende der Zivis

Die Wehrpflicht und mit ihr der Zivildienst wurden im Jahr 2011 in Deutschland ausgesetzt. Bis dahin war der „Zivi“ eine feste Institution im deutschen Gesundheits- und Sozialwesen. Allein im Jahr 2010 leisteten noch rund 80.000 junge Männer ihren Dienst in Pflegeheimen, Krankenhäusern und bei Rettungsdiensten. Als Ersatz wurde der Bundesfreiwilligendienst geschaffen, der aktuell jährlich etwa 35.000 Plätze bietet.

Ob es tatsächlich zu einer Renaissance des Zivildienstes kommt, bleibt abzuwarten. Die Diskussion zeigt jedoch deutlich: Die sozialen Einrichtungen sind zwar vorbereitet, wünschen sich aber zukunftsorientierte Lösungen statt einer simplen Rückkehr zu alten Modellen.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.