KI und Hightech: Neues Modell soll Hausärzte auf dem Land vor dem Kollaps bewahren

Djamal Sadaghiani
DIHVA-Modell: Wie KI und Delegation Hausärzte entlasten

Der Ärztemangel in ländlichen Regionen ist eine der größten Herausforderungen des deutschen Gesundheitssystems. Immer mehr Praxen finden keine Nachfolger, während der Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft stetig steigt. Ein vielversprechender Lösungsansatz kombiniert nun Digitalisierung, Telemedizin und eine gezielte Aufgabenverlagerung, um die medizinische Versorgung abseits der Metropolen zukunftssicher zu machen.

Das DIHVA-Modell: Hightech trifft auf Delegation

Im Zentrum dieser Entwicklung steht das Konzept der sogenannten „Digitalen hausärztlichen Versorgungsassistenzen“, kurz DIHVA. Dieses Modell wird derzeit von der Techniker Krankenkasse (TK) in Zusammenarbeit mit der Digitalen Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft (DFGVG) vorangetrieben. Ziel ist es, ärztliches Fachpersonal spürbar zu entlasten, ohne dabei Abstriche bei der Behandlungsqualität zu machen.

So funktioniert die KI-gestützte Untersuchung

Der Ablauf in den teilnehmenden Praxen verdeutlicht, wie moderne Technik den Praxisalltag revolutionieren kann:

  • Strukturierte Anamnese: Speziell geschulte Versorgungsassistenzen werden vor Ort von einer KI-gestützten Software durch die Patientenbefragung geleitet.
  • Präzise Datenerhebung: Die Assistenzen ermitteln Krankheitssymptome und können bis zu 50 verschiedene medizinische Werte erheben.
  • Leitlinienorientierte Empfehlungen: Das System gibt direkt Hinweise darauf, welche körperlichen Untersuchungen für eine fundierte Diagnose notwendig sind.
  • Nahtlose Übermittlung: Alle gesammelten Daten und Ergebnisse werden digital und in Echtzeit an den behandelnden Hausarzt oder die Hausärztin übermittelt.

Diagnose bleibt in ärztlicher Hand

Trotz der umfassenden Vorarbeit durch die Assistenzen und die Künstliche Intelligenz bleibt die medizinische Hoheit unangetastet. Laut Jens Baas, dem Vorstandsvorsitzenden der TK, müsse das Gesundheitssystem zwar verstärkt auf Delegation setzen, damit qualifiziertes Personal bestimmte Versorgungsaufgaben übernehmen könne. Die finale Diagnose sowie die Therapieentscheidung verbleiben jedoch ausnahmslos beim Arzt oder der Ärztin.

Baas betonte zudem ausdrücklich, dass es sich bei dem DIHVA-Konzept nicht um ein Sparprojekt im Rahmen der aktuellen Diskussionen um die gesetzliche Krankenversicherung handele. Vielmehr gehe es darum, die Versorgungsstrukturen langfristig zu sichern. Geplant sei, das Modell auf weitere Bundesländer auszuweiten und langfristig ein kassenübergreifendes Angebot zu etablieren.

Erste Erfolge in der Praxis

Das Konzept ist längst keine reine Theorie mehr. Wie die DFGVG berichtet, haben bereits im Herbst 2025 die ersten fünf ausgebildeten Versorgungsassistenzen in zwei Hausarztpraxen in den nordrhein-westfälischen Gemeinden Etteln und Olpe ihre Arbeit aufgenommen. Nach den positiven Erfahrungen an diesen Pilotstandorten wurde das Projekt im Juni dieses Jahres ausgeweitet: Mittlerweile sind zwei weitere Fachkräfte im mecklenburg-vorpommerschen Ueckermünde im Einsatz.

Das Modell zeigt eindrucksvoll, wie die intelligente Verknüpfung von menschlicher Expertise und digitalen Hilfsmitteln dazu beitragen kann, die flächendeckende Patientenversorgung auch in Zukunft aufrechtzuerhalten.

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