Klinik oder Praxis? Jeder fünfte Krankenhausfall ambulant versorgbar
In deutschen Krankenhäusern werden weiterhin zahlreiche Behandlungen stationär durchgeführt, die medizinisch gesehen auch im ambulanten Rahmen erfolgen könnten. Nach aktuellen Auswertungen von Versichertendaten der Krankenkasse Barmer betrifft dies rund jeden fünften vollstationären Fall. Das Potenzial für eine Verlagerung von stationären Betten hin zu tagesklinischen oder praxisbasierten Eingriffen bleibt damit enorm hoch.
Entlastung für Pflegepersonal und Klinikressourcen
Die sogenannte Ambulantisierung gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Hebel, um das deutsche Gesundheitssystem zukunftssicher aufzustellen. Wenn weniger Patientinnen und Patienten über Nacht im Krankenhaus verbleiben müssen, schont dies nicht nur finanzielle Mittel der gesetzlichen Krankenversicherung, sondern entlastet vor allem das Pflegepersonal auf den Stationen spürbar.
Typische Eingriffe, die zunehmend ohne Übernachtung im Krankenhaus durchgeführt werden können, betreffen unter anderem:
- Unkomplizierte operative Eingriffe an Gelenken oder Sehnen
- Bestimmte augenärztliche Operationen wie die Behandlung des Grauen Stars
- Diagnostische Katheteruntersuchungen und kleinere gefäßchirurgische Maßnahmen
- Endoskopische Routineeingriffe und Probeentnahmen
Bedeutung für die häusliche Pflege und Angehörige
Für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bringt der Trend zur ambulanten Behandlung sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Einerseits verringert sich durch die Vermeidung langer Klinikaufenthalte das Risiko von Krankenhausinfektionen oder Verwirrtheitszuständen (Delir), die insbesondere bei älteren Menschen in fremder Umgebung häufiger auftreten. Zudem können Genesende im gewohnten häuslichen Umfeld bleiben.
Andererseits setzt eine erfolgreiche ambulante Nachsorge verlässliche Strukturen voraus. Pflegedienste und Angehörige müssen unmittelbar nach der Behandlung nahtlos eingebunden werden, um die Wundversorgung, Medikation und Schmerztherapie in den eigenen vier Wänden sicherzustellen.
Strukturreformen im Gesundheitswesen gefordert
Die Krankenkasse Barmer plädiert in ihrem aktuellen Versorgungskompass dafür, die Rahmenbedingungen für ambulante Operationen und Tagesbehandlungen weiter zu verbessern. Neben einer gezielten Vergütung ambulanter Leistungen brauche es eine bessere Vernetzung zwischen niedergelassenen Fachärzten, Kliniken und ambulanten Pflegediensten. Nur mit abgestimmten Schnittstellen lässt sich sicherstellen, dass die Verlagerung nicht zu Versorgungslücken auf Kosten der Patientensicherheit führt.
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